Pferde getreidefrei füttern

Ist ohne Getreide alles gut? Wie fast überall lauten die Antworten: "Es kommt darauf an" oder "Auch Vorteile haben meist Nachteile". Bild: C. Slawik

Fallbeispiel: Getreidefreie Fütterung

„Sehr geehrte Frau A.,

vielen Dank für Ihre Beratung, gerne würde ich mir auch eine Empfehlung für ein Mineralfutter geben lassen. Ich füttere seit längerem (…) und ergänzend im Fellwechsel Zink dazu. Der zweite Wallach im Bunde ist ebenfalls Isländer und bereits 28 Jahre, wäre gut, wenn das irgendwie zusammen ginge. Ich füttere getreidefrei und reite freizeitmäßig. Mit bestem Dank, C. F.“

Getreidefreie Fütterung: Was ist das?

Je nach individueller Futtrigkeit und in Abhängigkeit von der Heuqualität, kann eine reine Heufütterung, aus Sicht der Energieversorgung, für leichte Arbeitsleistung bereits ausreichen.

In Abhängigkeit von der Arbeitsbelastung kann dann Getreide oder getreidefreies Krippenfutter ergänzt werden. Getreide wird, sofern es nicht in zu hohen Mengen gefüttert wird (s. u.), im Dünndarm gut verwertet. Das gilt nicht nur für die Stärke, sondern auch für das im Getreide enthaltene Protein.

Dennoch gibt verschiedene Gründe, ein Pferd getreidefrei zu füttern, sei es eine Unverträglichkeit oder Grunderkrankungen (beispielsweise PSSM, EMS, ECS oder auch eine (akute) Magenproblematik) oder sei es einfach eine persönliche Präferenz der Besitzerin bzw. des Besitzers. Mehr über einige der wesentlichen Gründe ein Pferd getreidefrei zu füttern finden Sie hier.

Umgesetzt in die Praxis bedeutet „getreidefreie Fütterung“ einen weitgehenden Verzicht auf Getreide (wie z. B. Hafer), oftmals unter Einsatz eines getreidefreien Krippenfutters. Aus evolutionsbiologischer Sicht spricht hier nichts dagegen, da sich der Verdauungstrakt der Pferde auf eine in der Steppe vorherrschende energiearme, rohfaserreiche Nahrung eingestellt hat, bei der Getreide keine Rolle im Futteralltag spielte. Bei getreidefreien Krippenfuttern gibt es mittlerweile eine große Bandbreite an Produkten, vom Fasermüsli mit niedrigem Energiegehalt bis zu protein-und energiereichem Kraftfutter.

Wichtig zu wissen ist: Getreidefreie Futtermittel sind, je nach Zusammensetzung, keineswegs alle automatisch zucker- und stärkearm, weswegen insbesondere in Fällen von vorliegenden Grunderkrankungen auf entsprechende Gehalte unter 10 % geachtet werden sollte (prüfen Sie daher am besten das Etikett).

Vor- und Nachteile: Getreidehaltige Fütterung

Der Vorteil einer getreidehaltigen Fütterung (wir nehmen Hafer als Beispiel) ist, dass dem Körper auf einfache Weise Zucker (in Form von Stärke) für den Energiestoffwechsel zugeführt werden kann, zusätzlich zu jener Energie, die aus der Aufnahme von Gras bzw. Heu gewonnen wird.

Wesentliche Frage in Bezug auf den Einsatz von Getreide in der Pferdefütterung ist daher das benötigte bzw. gewünschte Maß an Energie und das Arbeitsniveau.

Getreide besitzt neben Stärke auch wichtige weitere Nährstoffe wie z. B. Magnesium, Calcium und Phosphor, die bei einer Verstoffwechselung dem Körper zugeführt werden und somit als weiterer Vorteil die alltäglich bestehende Versorgungslage optimieren.

Wichtig bei der Getreidefütterung ist, die physiologischen Grenzen zu beachten und bei einem gesunden Pferd täglich nicht mehr als 0,45 kg (max. 0,6 kg) Hafer pro 100 kg Körpergewicht (verteilt über mehrere Mahlzeiten) zu geben. Pro Mahlzeit empfehlen wir nicht mehr als 0,15 kg (max. 0,3 kg) Getreide je 100 kg Körpergewicht zu füttern.

Demgegenüber können Nachteile einer getreidehaltigen Fütterung  z. B. entstehen, wenn die verabreichte Krippenfuttermenge zu hoch ist, so dass sich Magenschleimhautveränderungen entwickeln können und/oder durch Fermentationsprozesse die Dickdarmflora und damit die Verdauungsleistung des Pferdes negativ beeinflusst werden. Weiterhin gibt es bestimmte Situationen (z. B. Getreideunverträglichkeit) oder Stoffwechsellagen (z. B. EMS, Cushing oder PSSM), die eine getreidefreie Fütterung anzeigen.

Mineralstoffversorgung

In pferdegerechten Rationen ist Heu der wichtigste Lieferant für Mineralien, da Heu den mengenmäßig größten Anteil an der Gesamtfütterung hat und Heu in der Regel ausreichend Mineralien enthält (abgesehen von Natrium, Zink, Kupfer, Jod und Selen).

Allerdings können die tatsächlich im Heu enthalten Mineralstoffe von dieser Regel auch stark abweichen, insofern ist ein gewisser Sicherheits- und Komfortzuschlag bei den Mineralien über ein Mineralfutter in der Praxis sehr sinnvoll.

Die Aufnahme von Mineralien und damit die Versorgung unterliegt Interaktionen, d. h. ein hohes Maß an Überversorgung mit einzelnen Mengen- wie auch mit Spurenelementen muss ebenso vermieden werden wie eine Unterversorgung.

So ist zum Beispiel bei freiem Zugang zu Heu die Calciumversorgung eines Pferdes in der Regel gesichert (wobei uns hier aus der Praxis auch zunehmend Ausnahmen begegnen). Diese „Sicherheit“ trifft allerdings nicht unbedingt auf die Versorgung mit Phosphor zu. Getreide, wie z. B. der Hafer, sind reich an Phosphor. Hier besteht ein inverses Calcium:Phosphor Verhältnis im Vergleich zum Heu. Wird also kein Getreide gefüttert, beeinflusst das u. U. nicht nur die absolute Versorgung mit Phosphor, sondern auch das Calcium:Phosphor-Verhältnis.

Das Ca:P-Verhältnis

Der wesentliche Unterschied zu einer Fütterung mit Getreide ist bei der getreidefreien Fütterung der geminderte Phosphorgehalt der Gesamtration. Getreide ist phosphorreich, ebenso wie Getreidenachprodukte (z. B. Kleie) oder Ölsamenrückstände. Getreide hat dabei ein inverses Ca:P-Verhältnis, d. h. es enthält mehr Phosphor als Calcium (Ph > Ca).

Über die Heumenge wird in der Regel bereits ausreichend Calcium eingetragen, häufig bereits über den Bedarf hinaus. Je nach Raufutter (z. B. junges Gras, gras- oder kräuterreiches Heu, (anteilige) Luzernefütterung) nimmt der Calciumgehalt sogar noch zu. Phosphor und Calcium bedingen und beeinflussen sich gegenseitig, u. a. bei der Knochenmineralisierung. Deshalb ist eine der Kernregeln bei der Fütterung der Pferde, dass das Ca:P-Verhältnis bei 1,5:1 bis 2:1 liegen sollte. Dies bezieht sich auf die Gesamtfütterung, d. h. auf die Kombination von Raufutter, Krippenfutter und Mineralfutter zusammen.

Je nach Krippenfutter sollte das Mineralfutter bei getreidefreier Fütterung also ein abweichendes Verhältnis von Calcium zu Gunsten von Phosphor aufweisen, um die Gesamtfütterung zu balancieren.

Proteinversorgung sichern

Ein weiterer wichtiger Punkt - neben dem Calcium:Phosphor-Verhältnis - ist, gerade bei abnehmenden Proteingehalten im Heu, eine entsprechende Versorgung mit Aminosäuren in der Tagesration sicher zu stellen.

Über Getreide wird einer Ration auch Protein zugeführt, wenn auch, je nach Krippenfuttermenge und Getreideart (hier schneidet der Hafer gut ab) sowie ggf. angewandtem Verarbeitungsverfahren (z. B. bei hydrothermisch aufgeschlossenen Getreideflocken) in unterschiedlicher Menge und Qualität.

Ein Verzicht auf Getreide bedeutet somit nicht nur einen Verzicht auf Mengen- und Spurenelemente, sondern auch (zu einem gewissen Anteil) eine Reduktion der im Dünndarm verdaulichen Aminosäuren.

Getreidefreie Krippenfutter basieren oft auf mehrheitlich faserreichen Bestandteilen. In diesen ist das Protein zum Großteil fasergebunden, das erst durch die Mikroben im Dickdarm aufgeschlossen wird, im Dünndarm, dem Ort der Proteinverdauung aber vom Organismus eben nicht aufgenommen werden kann.

Weiterhin sind die in getreidefreier Fütterung verwendete Raufutter in der Regel künstlich getrocknet. Durch Hitzeeinwirkung und daraus resultierender Maillard-Reaktion wird die biologische Verfügbarkeit des Proteins zusätzlich reduziert. Deshalb sollte aus unserer Sicht immer auch auf eine ausreichende Versorgung mit präcaecal verdaulichen Aminosäuren geachtet werden.

Mehr zum Thema Proteinversorgung beim Pferd finden Sie hier.

Getreidefrei füttern - Unsere Empfehlung

Wenn die Nährstoffe aus dem Getreide entfallen, ist bei einer getreidefreien Fütterung darauf zu achten, dass in der Folge keine Nährstofflücken entstehen. Insbesondere Calcium und Phosphor sollten durch ein für die getreidefreie Fütterung geeignetes, d. h. das Ca:P-Verhältnis berücksichtigendes Mineralfutter ergänzt werden.

Ein Mineralfutter mit einem sehr weiten Ca:P-Verhältnis, ist bei einer getreidefreien Fütterung häufig ungeeignet, da ja keine Phosphoraufnahme mehr über Getreide erfolgt. Deshalb empfiehlt sich bei getreidefreier Fütterung (bei gleichzeitiger Heufütterung) ein Mineralfutter mit niedrigerem Calcium- und höherem Phosphorangebot, um ein wünschenswertes Ca:P-Verhältnis von 1,5 bis max. 2:1 in der gesamten Tagesration zu erreichen.

Wir raten in der Praxis deshalb oft zur Gabe von 60 g Magnometabol®, um das Ungleichgewicht bzw. Mängel in der Versorgung mit Mengen- und Spurenelementen

sowie Vitaminen bei einer getreidefreien Grundfütterung sicher und in ausgewogenem Verhältnis zueinander auszugleichen.

Manche Mineralien, wie insbesondere die Spurenelemente Zink, Kupfer, Jod und Selen sind im Heu häufig in zu geringer Menge enthalten (wie Heuanalysen der LuFA aus den letzten Jahren zeigen).

Ein speziell auf getreidefreie, heubetonte Fütterung ausgelegtes Mineralfutter wie Magnometabol® oder Magnomyoforte® schließt die erwartbaren Nährstofflücken einer getreidefreien Fütterung, wie die beschriebene Unterversorgung mit Phosphor, evtl. Magnesium und Spurenelementen, essenziellen Aminosäuren und Vitaminen.

Unser Magnometabol® zeichnet sich weiterhindurch einen Stärke- und Zuckergehalt von unter 3 % (!) aus und die enthaltene Alge Spirulina platensis unterstützt zudem nachweislich die Insulinsensitivität bei Pferden mit EMS.

Beispielration: Getreidefreie Fütterung

Nachfolgende Beispielration empfehlen wir regelmäßig bei Abwesenheit weiter zu berücksichtigender Stoffwechsellagen oder Sachverhalte, um die Basisversorgung des Pferdes mit allen wichtigen Nährstoffen abzusichern.

  • Basisempfehlung Magnometabol® (getreidefrei) für Pferde zur Deckung des Erhaltungsbedarfs und bei leichter Arbeit
    • Grundsätzliche Empfehlung: 10 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
      • = 60 g pro Tag bei 600 kg KGW
    • Zur Nährstoffaufwertung: 15 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
      • = 90 g pro Tag bei 600 kg KGW
         
  • Alternative: Magnomyoforte® (getreidefrei) für sportlich gerittenen Pferde und Pferde mit besonderen Bedürfnissen (z. B. PSSM2)
    • Grundsätzliche Empfehlung: 10 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
      • = 60 g pro Tag bei 600 kg KGW
    • Zur Nährstoffaufwertung: 15 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
      • = 90 g pro Tag bei 600 kg KGW

     

  • Optionale Rationserweiterung 1: Magnomino® Unterstützung der Proteinversorgungbei getreidefreier Fütterung sowie zur Aufwertung proteinarmen Heus 
    • 5-20 g Magnomino je 100 kg Körpergewicht
      • = 30-90 g pro Tag bei 600 kg KGW

 

Anmerkung: Unsere Beispielrationen bilden allgemeine Empfehlungen ab, ohne an dieser Stelle auf weitere Faktoren wie z. B. das Gewicht, das sportliche Leistungsniveau oder für den jeweiligen Einzelfall weitere wichtige Sachverhalte eingehen zu können. Diese berücksichtigen wir für Sie sehr gerne im Rahmen unserer individuellen Fütterungsberatung. Sprechen Sie uns einfach an und wir entwickeln gemeinsam mit Ihnen eine für Ihr Pferd geeignete Fütterungsstrategie.

Kundenfeedback zu Magnometabol®

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