Die Muskulatur des (Sport-)Pferdes

Pferd vs. Auto
Ein Auto wiehert nicht, wenn wir kommen und das ist nicht der einzige Unterschied. Jedem fallen spontan gefühlt spontan tausend Gründe ein, weshalb er sein Pferd hat. Die Liste der Gründe für das Auto dürfte vergleichsweise kurz sein. Der wichtigste lautet vermutlich, um damit zu seinem Pferd zu kommen. Doch lassen wir die Gefühle mal weg...
Tatsächlich haben unser Pferd und unser Auto einige Gemeinsamkeiten:
- Chemische Energie wird in mechanische Energie umgewandelt.
- Hierfür wird ein Substrat verbrannt bzw. gespeicherte Energie eingesetzt.
- Neben dem Effekt der kinetischen Energie (Fortbewegung) entsteht dabei auch Wärme.
- Die Ableitung der Wärme erfolgt durch Kühlung mittels Luft und Wasser.
...und ganz viele Unterschiede, davon einzelne wesentliche:
- Ein Auto verbrennt (außer einem Hybrid) – unabhängig von der Geschwindigkeit in der Regel nur einen Treibstoff – Benzin oder Diesel bzw. nutzt nur die in einer Batterie gespeicherte Energie. Das Pferd nutzt in Abhängigkeit von seiner Geschwindigkeit (Muskelkraft) unterschiedliche Energiequellen (Fett, Kohlenhydrate oder auch den Energiespeicher Glykogen). Dabei nimmt das Pferd (immer) den "preiswertesten" aller möglichen Treibstoffe. Das Auto ist nicht in der Lage, seinen Vergaser entsprechend der gewünschten PS-Leistung zu variieren und beispielsweise im Stadtverkehr Diesel zu verbrennen und bei Beschleunigung automatisch auf Supertreibstoff umzustellen.
- Die für die Verbrennung der chemischen Energie notwendige Sauerstoffmenge wird beim Pferd automatisch dem Bedarf angepasst, d.h. Verbrennungsprozess und Quelle der chemischen Energie werden selbständig reguliert.
- Das Pferd baut sich selbst auf (Wachstum) und repariert sich selbständig, z.B. Ersatz von Blutzellen, Muskelgewebe, sonstiger Körperzellen innerer Organe usw.
Und: die über den Verbrennungsprozess gewonnene kinetische Energie ist beim Auto (sehr dürftig und phantasielos) nur Fortbewegung, unsere Pferde dagegen können rennen, springen, tanzen...
Pferdemuskulatur
Die im Pferdesport unterschiedlichen Körperbewegungen ermöglichen die einzelnen Muskelfasern (= Muskelzellen). Unsere Pferde verfügen über mehrere unterschiedliche Muskelfaserzellen, die verschiedene Brennstoffe benutzen, jeweils eigene Fähigkeiten zur Kontraktion haben, variierende Mengen an Sauerstoff benötigen, langsam oder schnell ermüden usw.
Wie in der Musik auch: Die Geige allein ist eher selten ein Ohrenschmaus, aber im Orchester oder bereits schon im Zusammenspiel mit einem Klavier und vielleicht noch einem Cello gelingt ein wunderbares Konzert. Und so wie das Orchester eine Komposition gemeinsam spielt und von einem Dirigenten geleitet wird, so entscheiden beim Pferd die Genetik, aber auch insbesondere ein wohldurchdachtes Training und eine gut überlegte Fütterung maßgeblich über den ästhetischen Genuss bzw. den Erfolg wie auch über Gesundheit und Wohlbefinden.
Im Körper unterscheiden wir rote und weiße Muskulatur, wobei viele Muskeln eine Mischform "Rot-Weiß" darstellen. Rot klingt nach Blut und tatsächlich unterscheidet sich die Muskulatur in ihrer Farbe aufgrund der unterschiedlich hohen Versorgung mit Blut und damit auch mit "Brennstoffen" und Sauerstoff!

Rote Muskulatur

Rote Muskulatur - kurz zusammengefasst - verfügt über eine sehr gute Sauerstoffversorgung, der Treibstoff, sowie Sauerstoff können optimal nachgeliefert werden, und die Entsorgung der beim Energieabbau in den Muskelzellen entstehenden Rückstände (Kohlendioxid, evtl. Milchsäure) funktioniert schnell und reibungslos.
Zur roten Muskulatur gehören die Muskeln, deren Anteil an roten Muskelfasern hoch ist, z. B. die Muskulatur des Halteapparates, wie die Rückenmuskeln, die Zwischenrippenmuskulatur, aber auch die Zwerchfellmuskulatur, die sich unser ganzes Leben lang mehr oder weniger ruhig zusammenzieht und wieder entspannt und somit die Atmung ermöglicht. Diese Muskulatur darf nicht so stark ermüden, dass sie ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen kann. Im Falle des Zwerchfells würde das ansonsten beispielsweise den Erstickungstod bedeuten.
Weiße Muskulatur
Weiße Muskulatur ist dagegen weniger gut durchblutet. In ihr findet sich eine höhere Anzahl an Muskelzellen, die weniger auf eine optimale Ver- und Entsorgung angewiesen sind, sich dafür aber enorm schnell und kraftvoll kontrahieren können, aber auch schneller ermüden.
Dazu zählen die typischen "Bewegungsmuskeln" wie z. B. der Bizeps, den natürlich auch unsere Pferde haben. Diese Muskeln müssen auch regelmäßig trainiert werden, ansonsten bilden sie sich zurück (Inaktivitätsatrophie).
Mit dem Bild des Autos beschrieben: In vielen Fahrzeugtypen haben wir die normalen Gänge, die durchs Schalten eine Beschleunigung zulassen. Und wir haben in einigen Modellen noch eine "Sportschaltung", auf die wir umstellen können, wenn es uns nicht schnell genug geht. So ähnlich kann man sich die Muskelfasern unserer Pferde vorstellen. Wir unterscheiden:
- langsam kontrahierende Muskelzellen (Slow-Twitch, kurz ST) und
- schnell kontrahierende (Fast-Twitch), quasi die Sportvariante unter den Muskelzellen, die in zwei verschiedenen Typen vorkommen, kurz
- "FTH vom roten Muskeltyp" (Typ-II-A) und
- "FT vom weißen Muskeltyp“ (Typ-II-B).
Die langsam kontraktilen ST-Zellen (Typ I) kommen vorwiegend bei geringer dynamischer Leistung wie Stehen, Schrittgehen, ruhiger Galopparbeit und für die isometrische Muskelleistung in der Versammlung zum Einsatz. So wie wir im Alltag wohl eher die normale Schaltung nutzen, sind auch die ST-Zellen die mit der größten Kapazität für Ausdauerleistungen und können von allen Zelltypen am meisten Sauerstoff aufnehmen. Sie ziehen sich langsam zusammen. Als Energiequelle nutzen die ST-Zellen in erster Linie kurzkettige Fettsäuren, die via Fermentation von Zellulose/Hemizellulose aus dem Heu im Dickdarm gebildet werden und als kontinuierliche Energiequelle laufend in den Energiestoffwechsel eingeschleust werden. Ja, Sie haben richtig gelesen: für versammelnde Lektionen brauchen unsere Dressurpferde die Energie aus dem Heu!
Die langsam kontraktilen ST-Zellen (Typ I) kommen vorwiegend bei geringer dynamischer Leistung wie Stehen, Schrittgehen, ruhiger Galopparbeit und für die isometrische Muskelleistung in der Versammlung zum Einsatz. So wie wir im Alltag wohl eher die normale Schaltung nutzen, sind auch die ST-Zellen die mit der größten Kapazität für Ausdauerleistungen und können von allen Zelltypen am meisten Sauerstoff aufnehmen. Sie ziehen sich langsam zusammen.
Als Energiequelle nutzen die ST-Zellen in erster Linie kurzkettige Fettsäuren, die via Fermentation von Zellulose/Hemizellulose aus Pflanzenfasern (Heu, Gras) im Dickdarm gebildet werden und als kontinuierliche Energiequelle laufend in den Energiestoffwechsel eingeschleust werden. Ja, Sie haben richtig gelesen: für versammelnde Lektionen brauchen unsere Dressurpferde die Energie aus dem Heu!
Die schnell kontrahierenden FTH-Zellen vom Typ der roten, gut durchbluteten Muskulatur (Typ-II-A) sind eine Art Zwischenform. Sie benötigt der Körper bei langer, ausgedehnter Arbeit in gemäßigtem Tempo und auch bei erhöhter Muskelleistung wie Verstärkungen. Sie sind schnell zusammenziehbar und haben auch noch einen hohen Sauerstoffgehalt. Diese Zellen verbrennen ebenfalls Fett, beziehen ihre Energie aber auch aus Kohlenhydraten.
Jetzt fehlt noch die quasi Sportschaltung unter den Muskelfasertypen: die FT-Zellen (Typ-II-B). Sie ermöglichen eine explosive, schnelle Muskelleistung, wie sie bei Hochgeschwindigkeiten – etwa im Rennsport, in der Vielseitigkeit oder auch beim Absprung im Springsport – gebraucht werden. So schnell wie diese Fasern hochfahren, so schnell ermüden sie jedoch auch, da sie nur gering mit Sauerstoff versorgt werden und kein Fett verbrennen, sondern ausschließlich Kohlenhydrate. Sie nutzen entweder Glukose aus dem Blut oder die Speicherform der Glukose, das Glykogen, das in den Muskelfasern gespeichert ist. So erklärt sich, warum Kraftfutter aus Getreide speziell für die Renn- und Springpferde durchaus seine Berechtigung hat.
| Fasertyp | Beispiel | Energiequelle | Ermüdung |
|---|---|---|---|
| ST: Slow-Twitch (Typ I) | Ausdauer | Fett (bes. kurzkettige Fettsäuren; Heu!) Kaum Glukose | kaum |
| Fast Twitch | |||
| FTH: Rote Fast Twitch (Typ-II-A) | Versammelnde Lektionen des Dressurpferdes | Fett (bes. kurzkettige Fettsäuren > Heu!) Glukose (z. B. Getreide) | mittel |
| FT: Weiße Fast Twitch (Typ-II-B) | Explosive Kraftentwicklung beim Absprung beim Springen | Glukose (z. B. aus Getreide) Glykogen (Speicherzucker in Muskel und Leber) | schnell |
Energie für die Muskeln
Mach mal aus einem Trabbi einen Ferrari – unmöglich. So kann auch die beste Fütterung aus einem durchschnittlich begabten Sportler kein Spitzenpferd machen, keine anatomischen Probleme beheben und keine Trainingsfehler kompensieren – auch beim Pferd funktioniert so ein "Umtuning" nicht. Mit dem Trabbi drehen Sie eine gemütliche Runde mit Freunden beim Oldtimer Treffen. Mit dem Ferrari beschleunigen Sie von 0 auf 100 in wenigen Sekunden und holen die maximale Power auf die Straße.
Und auch beim Pferd gilt, egal ob "Ferrari oder Mittelklassewagen" – es ist wichtig, die Fütterung auf die sportartspezifischen Anforderungen an den Bewegungsapparat des Pferdes abzustimmen: Eine Dressurprüfung beansprucht den Pferdekörper nicht auf die gleiche Weise wie ein Distanzritt, im Parcours werden andere Muskelgruppen und Fähigkeiten gefordert als im Fahrsport. Um die Leistungsfähigkeit zu optimieren, die Freude an der Arbeit zu steigern und die Verletzungsgefahr zu minimieren, sollte neben dem Training auch die Fütterung an die individuellen Anforderungen einer Disziplin angepasst werden, denn nur dann kann die Muskulatur optimal funktionieren, Höchstleistungen ermöglichen und zugleich Gelenke, Sehnen und Bänder vor Schäden schützen.
Die Kunst der Sportpferdefütterung besteht darin, dem Pferd so viele Nährstoffe zukommen zu lassen, dass der Körper genügend Baumaterial für Muskeln und Zellerneuerung sowie Brennstoff für Höchstleistungen hat, gleichzeitig aber keine Überversorgung entsteht.
Sportpferde sollten nicht zu dick werden, da das zusätzliche Gewicht den Bewegungsapparat unnötig belastet und zu viel Körperfett die Wärmeabgabe (Temperaturregulation) behindern kann. Schließlich hat ein Formel 1 Ferrari auch keinen Kofferraum für schwere Zusatzlasten.
Die Grundanforderungen an gesunde Fütterung sind natürlich bei jedem Pferd dieselben. Die Basis sollte in jeder Disziplin eine ausreichende Menge qualitativ gutes Wiesenheu bilden – das schützt den Magen, entlastet den Dünndarm, pflegt die Darmflora und optimiert die Rittigkeit. Kraftfutter sollte mengenmäßig immer dem individuellen Bedarf angepasst und in kleinen über den Tag verteilten Portionen gefüttert werden. Wichtig ist auch, dass das Pferd stressfrei – d. h. zum Beispiel ungestört möglichst viele Stunden am Tag mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt ist.
Darüber hinaus ist die Heufütterung wichtiger Teil eines gesunden Wasser- und Elektrolythaushaltes, denn rund 80 Prozent der täglichen Wasseraufnahme geschieht aufgrund der Trockenmasseaufnahme durch Heu. Frisches Trinkwasser und ein sauberer Salzleckstein sollten immer zur Verfügung stehen. Gerade beim Sportpferd sind das im Körper enthaltene Wasser und die darin gelösten Mineralien, die sogenannten Elektrolyte, entscheidend für Gesundheit und Leistungsvermögen, und nicht zuletzt für die Durchblutung und damit Leistungsfähigkeit der Muskulatur. Im Idealfall sind die einzelnen Körperzellen von einem wässrigen Milieu umgeben, in dem die Mineralien in ionisierter Form gelöst sind.
Geht dieser Sol- in einen Gelzustand über, weil das Milieu eindickt, verschlechtert sich die elektrische Leitfähigkeit und die für das Sportpferd so wichtige Reaktionsfähigkeit lässt nach. Auch die Ver- und Entsorgung der Zellen kann nicht mehr auf Hochtouren arbeiten, das Gewebe wird schlechter durchblutet, geschwächt und nimmt eventuell massiven Schaden. Calcium, Phosphor und ganz besonders Magnesium befinden sich in ionisierter Form in der intra- und extrazellulären Körperflüssigkeit und sind dort unter anderem für die Muskelkontraktion und die Reizleitung vom Nerven zur Muskelzelle zuständig, entscheiden also maßgeblich über das Reaktionsvermögen auf dem Platz.
Mehr Tipps zum Thema Turnierfütterung finden Sie hier.
Protein für die Muskeln
Ein komplexes Thema bei der Sportpferdefütterung ist die Eiweißversorgung. Einerseits sollte kein überschüssiges Eiweiß (= Protein) den Körper belasten, andererseits braucht gerade ein Athlet ausreichend essenzielle Aminosäuren, die Kleinstbausteine der Proteine, für die Muskelbildung und den Ersatz von Körpergewebe.
Überhöhte Mengen an Eiweißen über die Fütterung müssen verdaut und im Intermediärstoffwechsel abgebaut werden. Das ist einmal ein energieverbrauchender Prozess (Zerlegen der Eiweißkette bis zu den daraus bestehenden einzelnen Aminosäuren, Abspaltung und Entgiftung des Stickstoffrestes), der zudem die Leber (Entgiftungszentrale) belastet und dem Körper zusätzlich Wasser und Elektrolyte raubt, weil das beim Eiweißabbau entstehende Endprodukt Harnstoff über die Nieren ausgeschieden werden muss.
Umgekehrt verhindert ein zu niedriger Eiweißgehalt der Ration bzw. eine Mangelversorgung mit essenziellen Aminosäuren (d.h. sie müssen mit der Nahrung aufgenommen werden) eine optimale Muskelbildung.
Vereinfacht ausgedrückt gilt für die Fütterung von Sportpferden: So viel Eiweiß wie nötig, besser noch, so viele Aminosäuren wie nötig, um die Versorgung abzusichern, dennoch so wenig Eiweiß als möglich, um Leber und Nieren und insbesondere den körpereigenen Wasser- und Elektrolytspeicher nicht sinnlos zu belasten.
Eiweiß erhalten Pferde in der täglichen Ration zunächst aus Heu und Kraftfutter, so dass Qualität und Menge die entscheidenden Stellschrauben sind. Wir beobachten in der Praxis, dass viele Heuchargen nicht mehr so viel Protein wie früher enthalten, die Fütterung von Getreide heute wesentlich sensibler vorgenommen wird, Weidequalität und -zeiten sich verändern oder neue Managementmethoden wie das Wässern und Bedampfen von Heu Einzug halten.
All diese Beispiele verbindet, dass sie Auswirkungen auf die Proteinversorgung und damit auf die Muskulatur haben. Kommen Pferde in ein Defizit, wird schnell die Muskulatur als körpereigene Proteinquelle genutzt, sprich abgebaut, und das gilt es zu vermeiden.
Bei einer defizitären Proteinversorgung, z. B. aufgrund von proteinarmen, gewässertem oder bedampften Heu empfehlen wir unsere Aminosäurenergänzung Magnomino, die es ermöglicht vorhandene Defizite leicht auszugleichen, um unerwünschte Risiken für die Muskulatur zu minimieren, ohne den Eiweißstoffwechsel zu belasten
Unser Magnovital® im Vergleich bietet ebenfalls eine hochwertige Versorgung mit Aminosäuren, allerdings ist hier Spirulina platensis die Rezepturbasis. Der hohe Anteil an Spirulina liefert nicht nur Proteinbausteine für den Aufbau und die Regeneration der Muskulatur sowie wertvolle Antioxidantien, sondern es gibt wissenschaftliche Erkenntnisse (Lu et al 2006), die auf eine spätere Ermüdung der Muskulatur hinweisen, die gerade für das Sportpferd von besonderem Interesse ist.
Elektrolythaushalt
Bei körperlicher Arbeit entsteht Wärme, die über Luft und Wasser abgeleitet wird. Ganz wichtig ist es daher, dass der Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt im Gleichgewicht bleibt, damit der Organismus und der Temperaturausgleich optimal funktionieren können.
Elektrolyte werden mit der Nahrung (z. B. Kalium via Heu, Natrium und Chlorid über den Salzstein) aufgenommen. Insbesondere Heu unterstützt hierbei ein bedarfsgerechtes Trinkverhalten. Die Wassertemperatur sollte wegen der Verträglichkeit für den Magen und der Bereitschaft zu trinken nicht unter 9° C liegen. Je nach Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit und Anstrengung schwitzen Pferde mitunter sehr viel und verlieren viele Elektrolyte. 10 Liter Schweiß bedeuten einen Verlust von rund 100 Gramm Elektrolyten. Entsprechend ist es normal, dass der Salzleckstein von Pferden im Volltraining sehr intensiv genutzt wird. Mehr zum Thema Schweißverlust finden Sie hier.
Am besten verwendet man einen ganz normalen, weißen Salzleckstein (= nur Natriumchlorid). Bitte keinen Mineralleckstein! Hintergrund: die Pferde benötigen in erster Linie Salz (Natriumchlorid), der Verlust an anderen Mineralien oder auch Spurenelementen steigt bei vermehrtem Schwitzen nur gering an, sodass Pferde, die viel Salz brauchen und den Stein entsprechend auch nutzen, recht schnell in Überversorgungslagen mit teilweise toxischen Mengen an z.B. Selen kommen könnten. Aber selbst ungefährliche Aufnahmen an nicht benötigten Mineralien und Spurenelementen belasten nur sinnlos die körpereigenen Regulationsmechanismen.
Was das Pferd sucht und braucht ist Salz. Deshalb bitte nur einen weißen Salzleckstein anbieten, klar darf er auch rosa sein (Himalayasalzstein). Manche Reiter legen den Salzleckstein in kleinen Brocken auch in den Futtertrog. Schon beim Fressen wird durch das Herumschubsen dann Salz frei, die Pferde gewöhnen sich an den salzigen Geschmack – damit wird langfristig automatisch freiwillig mehr Salz aufgenommen. Das ist bei stark schwitzenden Pferden eine gute Überlegung.
Bitte allerdings beachten: In feuerverzinkten Futtertrögen kann kein Salz angeboten werden, Salz löst die Verzinkung! Und noch etwas gilt es zu beachten: Pferde haben eine andere Schweißzusammensetzung als der Mensch (Pferdeschweiß ist hyperton, d.h. er enthält mehr Elektrolyte), Pferde haben aus diesem Grund auch ein anderes Durstempfinden.
Das bedeutet: Die Elektrolytverluste sollten beim Pferd nicht schlagartig und nicht nur am Tag der Anstrengung durch Gabe großer Elektrolytmengen ausgeglichen werden, sondern über die nächsten drei Tage hinweg. Wie empfehlen unser Megalyt Sol® als Trunk über die 3 darauffolgenden Tage zur freiwilligen Aufnahme zusätzlich zum Tränkwasser anzubieten.
Das Dressurpferd
Von seinem Dressurpferd wünscht sich der Reiter Durchlässigkeit, einen locker mitschwingenden Rücken, ein leicht anzusprechendes, aktives Hinterbein, ein hohes Maß an Versammlungsfähigkeit und ruhige, gelassene Aufmerksamkeit. Um diese Ansprüche erfüllen zu können, benötigt ein Dressurpferd – genauso wie ein Fahrpferd – in erster Linie ST- und FTH-Zellen (Typ-II-A), also diejenigen Muskelzellen, die überwiegend Fett verbrennen. In einzelnen Lektionen sind auch die schnell zusammenziehbaren FT-Zellen (Typ-II-B) gefragt (z. B. kraftvoller, ausdrucksstarker Antritt in den Verstärkungen, fliegende Wechsel). Wenngleich in Maßen, denn im Viereck sind Aktionen wie explosives Buckeln, ein Sprung etc. bekanntlich eher unerwünscht.
Grundsätzlich gilt deshalb beim Dressurpferd: viel Heu, dafür eher weniger Kohlenhydrate, eventuell mit etwas Öl, da die wichtigsten Energiequellen für die ST-Zellen wie auch für die FTH-Zellen kurzkettige Fettsäuren sind. Gutes, blattreiches Wiesenheu ist reich an Zellulose, welche die Dickdarmflora zu kurzkettigen Fettsäuren abbaut, die für gleichmäßigen Energienachschub sorgen. Und: nicht zuletzt schafft Heu im Dickdarm zudem einen belastungsfähigen Wasser- und Elektrolytspeicher. Erhält ein Dressurpferd zu wenig oder sehr grobstängeliges, holziges Heu, äußert sich das oft als erstes in mangelnder Rückentätigkeit, schlechter ansprechbarem Hinterbein, Problemen in den Traversalen und mangelhaftem Abkippen im Becken. Warum? Weil die Dickdarmflora die holzigen Anteile ungenutzt liegen lassen muss. Dafür hat sie nicht "das richtige Werkzeug".
Als Krippenfutter hat Hafer mehrere Vorteile: Sein hoher Spelzenanteil lockert den Magen-Darm-Inhalt auf und macht ihn dadurch für die Verdauungsenzyme schnell zugänglich. Anders als andere Getreide enthält Hafer Schleimstoffe, die die empfindlichen Schleimhäute des Verdauungstraktes schützen. Die Stärke des Hafers kann im Dünndarm zu rund 90 Prozent abgebaut werden, während zum Beispiel bei unbehandeltem Mais und Gerste nur rund 30 Prozent der Stärke vom Dünndarm verwertet werden können (daher werden diese Getreide vor der Fütterung an Pferde flockiert).
Bei sehr starker Beanspruchung kann es sinnvoll sein, das Futter eines Dressurpferdes mit Pflanzenöl (maximal 240 ml, also bis zu rd. 40 ml/100 kg Körpergewicht pro Tag, aufgeteilt auf mindestens drei Mahlzeiten) anzureichern, um den Energie-, nicht aber den Eiweißgehalt der Ration zu erhöhen, denn zu viel Eiweiß muss energetisch aufwändig über Leber und Nieren entsorgt werden. Dies führt unter anderem zum Verlust von Wasser und Elektrolyten über Darm und Nieren. Das dadurch schrumpfende Wasserreservoir und der Energieverlust mindern die Leistungsfähigkeit.
Ein 1,70 Meter großes (Stockmaß) und rund 630 Kilogramm schweres Dressurpferd sollte bei leichter Arbeit rund zwölf Kilogramm Heu und höchstens 1 kg Hafer bekommen. Bei mittlerer Arbeit bis zu einer Stunde täglich (mit vermehrter Trab- und Galopparbeit) und bei sehr anspruchsvollem Training (90 Minuten täglich, Grand-Prix-Niveau) bleibt die Heumenge dieselbe, die Haferration erhöht sich dann aber auf ca. 2,5 kg. Bei Bedarf bringt unser Magnoturbo® das gewünschte Mehr an Energie, für die individuelle optimale Feinabstimmung. Neben Heu und Hafer ist es sinnvoll, zusätzlich individuell abgestimmte Ergänzungsfuttermittel mit Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen zu füttern. Wir empfehlen beim Dressurpferd unser sehr hochwertiges Mineral Magnolythe® S100, nicht zuletzt aufgrund seiner positiven Wirkung auf die Rittigkeit der Pferde, wie eine Vielzahl unserer Kundinnen und Kunden immer wieder begeistert berichten.
Mehr zur Sportpferdefütterung des Dressurpferdes erfahren Sie hier.
Das Springpferd
Im Parcours werden vom Pferdekörper Höchstleistungen verlangt: Die Muskeln müssen beim Absprung explosive Kraft entwickeln und in engen Wendungen hohe Fliehkräfte ausgleichen können. Ein Springpferd muss hoch konzentriert sein, blitzschnell reagieren können und soll dabei trotzdem nicht "aufdrehen", sondern sich gehorsam und durchlässig jederzeit wieder aufnehmen lassen.
Für die explosive Kraftentwicklung am Sprung zuständig sind die FT-Zellen, die keine kurzkettigen Fettsäuren aus dem Heu, sondern ausschließlich Kohlenhydrate verbrennen. Das bedeutet aber nicht, dass Springpferde nun übermäßig viel Kraftfutter und kaum Heu bekommen sollten. Springcracks brauchen zwar mehr Kohlenhydrate als Dressurpferde, aber übertrieben große Mengen an Getreide oder Müsli können die Darmflora stören, Magengeschwüre verursachen, den Appetit senken, den Insulinbasalwert erhöhen und schlussendlich auch zu Rittigkeitsproblemen und Leistungseinbrüchen führen.
Der Pferdekörper kann nur rund ein Prozent seiner Masse in Form von Kohlenhydraten (als Muskelglykogen) speichern, der Rest wird in Fett umgewandelt und steht dadurch nicht mehr als schneller Energielieferant für die FT-Zellen zur Verfügung. Auch beim Springpferd sollte deshalb reichlich gutes Wiesenheu auf dem Speiseplan stehen. Die daraus gewonnenen flüchtigen Fettsäuren sind ein kontinuierlicher Energielieferant, auf den auch das Springpferd zwischen den Sprüngen dringend angewiesen ist.
Nicht nur, aber auch beim Springpferd darf die ausreichende Versorgung mit Elektrolyten nicht aus dem Blick geraten, denn auch der Wasser- und Elektrolythaushalt entscheidet wesentlich über die Leistungsfähigkeit.
Ein Springpferd mit einem Stockmaß von 1,70 Meter sollte rund elf Kilogramm Heu, also etwas weniger als ein Dressurpferd mit den gleichen Körpermaßen, erhalten. Dafür ist die Haferration leicht erhöht: Bis zu 1,4 kg bei leichter Arbeit, ca. 3 kg bei mittelschwerer Beanspruchung (dann verteilt auf 3 Mahlzeiten). Unsere Empfehlung: Magnoturbo® je nach Bedarf sowie Magnolythe® S100 runden das tägliche Menü ab und in Zeiten erhöhten Schweißverlustes bringt Megalyt Sol® die wichtigen Elektrolyte im richtigen Verhältnis zueinander zurück.
Mehr zur Sportpferdefütterung des Springpferdes erfahren Sie hier.
Das Vielseitigkeitspferd
Der Alleskönner unter den vierbeinigen Sportlern braucht sowohl ST- und FTH-Zellen für die Dressur und die Ausdauerleistung im Busch als auch genügend schnelle FT-Zellen für die Springprüfung und die Hindernisse im Gelände.
Vielseitigkeitspferde bekommen gutes, blattreiches Wiesenheu in einer Menge von 1,8 bis 1,9 Prozent ihrer Körpermasse. Die damit verbundene Bildung von Acetat (kurzkettige Fettsäure) für den Energiestoffwechsel ist für die im Vielseitigkeitssport geforderten FTH-Zellen gut, und gleichzeitig sorgt das Heu dafür, dass das Pferd ausreichend trinkt und über einen stabilen Wasser- und Elektrolytspeicher im Dickdarm verfügt.
Dieser natürliche Wasserspeicher ist wichtig, um während der enormen Anstrengung auf der Geländestrecke alle biochemischen Reaktionen wie den Energiestoffwechsel voll funktionsfähig zu halten, eine Bluteindickung und Belastung des Kreislaufes zu verhindern sowie die Körpertemperatur über das Schwitzen schnell zu regulieren. Zur Heumahlzeit passt beim Vielseitigkeitspferd "Hafer mit Öl-Dressing".
Ein ungefährer Richtwert für ein 550 Kilogramm schweres Pferd, das mittel bis stark gefordert wird, wären 10 bis 10,5 Kilogramm Heu, ca. 2,5 kg Hafer und 150 ml Magnopower Liquid®. Dazu bedarf es natürlich noch einer Ergänzung mit Vitaminen und Spurenelementen, damit ausreichend Coenzyme für reibungslos ablaufende Stoffwechselvorgänge vorhanden sind, also 60 g Magnolythe® S100, evtl. noch Magnoturbo® bei Bedarf und natürlich nicht zuletzt Megalyt Sol® zum Ausgleich von Elektrolytverlusten.
Mehr zur Sportpferdefütterung des Vielseitigkeitspferdes erfahren Sie hier.
Das Distanzpferd
Wie bei kaum einer anderen Disziplin ist die Leistungsfähigkeit im Distanzsport neben dem Training von der richtigen Fütterung abhängig. Und bei keiner anderen Disziplin stellt die Fütterung vergleichbar hohe Anforderungen an das Management im Stall, sei es in Bezug auf die Futterqualität, Fütterungshäufigkeit, Kontrolle nicht nur der Futter- sondern auch der Trinkwasseraufnahme sowie Kontrolle der Salzaufnahme.
Der Organismus des Pferdes wird auf der langen Strecke mit zwei Herausforderungen konfrontiert: Über Stunden andauernde Belastung und starker Schweißverlust.
Um dem gewachsen zu sein, braucht der Körper vor allem eine gute Energieversorgung sowie einen gefüllten Wasser- und Elektrolytspeicher. Ein gut trainiertes, im Wettkampf schonend eingesetztes Pferd wird – bis auf Zwischen- und Endspurt – vor allem im aeroben Bereich laufen, das heißt, dass Sauerstoff verfügbar ist und somit die langsam kontrahierenden ST-Muskelfasern in Aktion treten.
Im Idealfall erhält ein Distanzpferd mindestens 60 bis zu 75 Prozent der benötigten Energie rein aus der Fermentation (des Heus) im Dickdarm. Damit das funktioniert, braucht es eine stabile Dickdarmflora mit höchster mikrobieller Aktivität sowie schmackhaftes, blattreiches Heu mit extrem guter hygienischer Beschaffenheit und einem Energiegehalt von 7,5 MJ umsetzbarer Energie/kg.
Gut strukturiertes, aber nicht verholztes, sondern sehr blattreiches Wiesenheu kann diese Ansprüche erfüllen, wenn es bis maximal Mitte der Blüte geschnitten wird. Zu feine Heuqualitäten sind wegen ihres Unterangebotes an Rohfaser ebenso zu vermeiden wie stark stängelige, verholzte, sperrig-raue Qualitäten. Zusammengefasst heißt das: beobachten Sie mal, was die Pferde beim Vetcheck vorgesetzt bekommen: Elektrolyte, Wasser und Heu!
Kohlenhydrate sollte das Distanzpferd nur in Maßen bekommen. Magen- und Dünndarmverdauung sind bei keinem Pferd auf große Mengen von Stärke und Zucker ausgelegt, doch beim Distanzpferd kommt noch ein weiterer guter Grund für eine reduzierte Kohlenhydratfütterung hinzu: Blutzuckerschwankungen sollten möglichst gering gehalten werden.
Eine Fütterung mit hohem Stärkeanteil (Getreide) führt zu einem Anstieg von Insulin, verantwortlich für die Energiespeicherung, Fettspeicherung und Proteinsynthese im Muskel sowie der Glykogeneinlagerung in der Leber, und zu einem Abfall von Thyroxin, verantwortlich für den Energieverbrauch, verstärkt den Glykogenabbau in der Leber und erhöht den Sauerstoffverbrauch im Muskel. Deshalb gilt für Distanzpferde die Regel: Viel Heu, auch gerne Öl, aber möglichst wenig Getreide.
Was also tun?
Sie sehen, dass die Leistungsfähigkeit der Pferdemuskulatur von verschiedenen Faktoren abhängig ist und es viele Stellschrauben gibt, an denen man ansetzen kann. Wichtig zu wissen ist daher immer, was genau benötigt wird , denn keine Fütterungsergänzung allein kann alle vorhandenen Stellschrauben des Sportpferdes bedienen.
Ausgangspunkt ist immer die entsprechende Versorgung mit qualitativ hochwertigem Heu in ausreichender sowie angepasster Menge. Defizite des Heus in der Versorgung mit Mineralien oder Eiweiß lassen sich wiederum über geeignete Rationsergänzungen ausgleichen.
In einem ersten Schritt benötigt die Pferdemuskulatur eine entsprechende Versorgung mit Mengen- und Spurenelementen sowie Vitaminen und Antioxydantien, damit alle grundlegenden Stoffwechselfunktionen, insbesondere der Muskulatur, ungestört ablaufen können.
Nicht nur, aber insbesondere für Sportpferde empfehlen wir unsere Mineralisierungen Magnolythe® S100, mit Fokus auf die Rittigkeit, sowie unser Magnomyoforte® das insbesondere die Bedürfnisse des Muskelstoffwechsels adressiert. Gute Erfahrungen machen einige unserer Kunden, die beide Produktziele verbinden möchten, mit einer 50:50 Gabe unserer beiden Produkte.
Sofern allerdings die energetische Kraftentfaltung der Ansatzpunkt sein soll, ist neben einer Überprüfung der Heufütterung, die individuell dosierbare Zufuhr von hochwertiger Energie (ohne heiß zu machen) von besonderem Interesse. Hierfür empfehlen wir unser Magnoturbo® als schnell verfügbares Energiekonzentrat für die Muskulatur und deren maximale Kraftentfaltung. Besonders interessant ist, dass Sie Magnoturbo® sehr genau und individuell passend dosieren können, um das für Sie ideale Level zu erreichen.
Lässt dagegen die Substanz der Muskulatur zu wünschen übrig und/oder der Muskelaufbau, so empfehlen wir die Versorgung mit hochwertigen Aminosäuren. Dies kann entweder grundlegend über unser Aminosäurenergänzung Magnomino erfolgen oder durch unser Magnovital®, das sich insbesondere aufgrund der weiteren Eigenschaften von Spirulina platensis an Sportpferde im Training oder Pferde mit Stoffwechselproblemen (EMS) richtet.
Schließlich kann auch der Elektrolythaushalt eine (leistungseinschränkende) Rolle spielen und hier empfehlen wir unser zuckerfreies Megalyt Sol®, um vorhandene Defizite auszugleichen.












