Muskelkater beim Pferd

Muskelkater beim Pferd
Das typische Kennzeichen des Muskelkaters ist, dass er nach einer ungewohnten oder besonders starken muskulären Anstrengung mit einer Verzögerung von etwa einem Tag auftritt und meist ein paar Tage andauert. Ungewohnte muskuläre Anstrengung beim Pferd ist z. B. die Wiederaufnahme der Arbeit nach einer Pause (Stehphase eines Pferdes!) bzw. das Aufbautraining eines jungen Pferdes.
Ungewohnt für die Muskulatur sind zudem auch neue Lektionen und das Einüben von neuen Bewegungsmustern. In all diesen Phasen tritt besonders häufig Muskelkater auf. Vom Muskelkater betroffene Muskeln sind steif, hart und eigenartig kraftlos; sie sind druckempfindlich und schmerzen sowohl bei Bewegung als auch bei Palpation.
Milchsäure - Ursache oder Begleiterscheinung?
Die Vorstellung, Muskelkater oder auch Muskelverhärtungen seien primär durch Milchsäurebildung (Laktat) begründetMilchsäure sei die Ursache von Muskelkater und Verschlag, hat sich bis heute in den Köpfen festgesetzt, gilt aber heute als überholtund wird ständig wiederholt, ist dadurch aber nicht richtiger. Der schwedische Forscher Carlström vertrat 1935 die Ansicht, dass Milchsäure (die chemische Bezeichnung ist "Laktat") eine Azidose und damit Übersäuerung des Muskels und somit Muskelkater sowie Verschlag hervorruft. Zunächst wenden wir uns dem Begriff Milchsäure zu.
Um Energie für Leistung zu gewinnen, werden Nahrungsbestandteile (Zucker, Fette, Proteine) in der Zelle sozusagen "verbrannt". Diese Energiegewinnung kann mit oder ohne Sauerstoff erfolgen. Zucker (Glukose oder deren Speicherform Glykogen) kann in der Muskelzelle auch unter Sauerstoffmangel "verbrannt" werden und Energie bereitstellen. Dieser Stoffwechselweg wird von schnellkontrahierenden Skelettmuskelzellen (dazu zählen FT-Zellen) beschritten, also z. B. bei hochintensiver, kurzzeitiger Beanspruchung.Hochgeschwindigkeit.
Wenn der Zuckerabbau unter Sauerstoffmangel stattfindet, erfolgt die Verbrennung sozusagen mit "Rußbildung", d. h. als Endprodukt dieses Stoffwechselweges entsteht Milchsäure (Laktat), die im Organismus in ihrer dissoziierten Form (d. h. als negativ geladenes Laktation und positiv geladenes Wasserstoffion) vorliegt.
Dieses Laktat wird, sobald wieder genügend Sauerstoff im Muskel vorhanden ist, aber sofort endverstoffwechselt. Der Körper nimmt über das Laktat also "Sauerstoffschulden" auf, denn Laktat entsteht, wenn die Sauerstoffversorgung des Muskels (z. B. trotz erhöhter Atemfrequenz beim Rennen) nicht mit der körperlichen Anstrengung bzw. geforderten Leistung Schritt halten kann. Wenn sich Laktat im Muskel ansammelt, nehmen wir ihn zwar kurzfristig als müde wahr, doch das Laktat wird innerhalb kürzester Zeit (wenige Minuten) wieder abgebaut und weiterverwertet.
Mikrotraumen
Ob die Beschwerden des Muskelkaters nun durch Milchsäure oder eher durch Risse im Bereich der Myofibrillen verursacht werden, lässt sich aus Beobachtung der zum Muskelkater führenden Bewegungen erkennen.
Milchsäure entsteht in besonders großer Menge bei schnellen, viel Energie fordernden Bewegungen von relativ kurzer Dauer (z. B. in einem Rennen), weil die Sauerstoffversorgung des Muskels hinter dem Bedarf hinterherhinkt und die Zuckerverbrennung "unvollständig" ist.
Risse entstehen dagegen bei großer Kraftbelastung, die das Muskelgewebe einer zu hohen Spannung aussetzt. Gerade bei maximaler Kraftentfaltung (z. B. Gewichtheben) findet die Kontraktion des Muskels gar nicht in Hochgeschwindigkeit statt und dauert auch nicht lange genug an, um überhaupt eine Milchsäureanhäufung auszulösen. Mikrotraumata treten primär bei exzentrischer Muskelarbeit auf, also dann, wenn der Muskel unter Spannung verlängert wird, z. B. abbremsende Bewegungen, Bergabgehen oder vermehrte Lastaufnahme.
Bereits 1982 wurde die These einer Übersäuerung des Muskels durch die US-Amerikaner Koterba und Carlson in Frage gestellt, denn sie konnten bei Pferden mit akutem Muskelverschlag keinerlei Übersäuerung in der Muskulatur messen! Und auch aktuelle Studien von Valberg zeigen, dass erhöhte Laktatkonzentrationen und Muskelverschlag zwar gemeinsam auftreten können, aber keineswegs eine Ursache-Wirkungsbeziehung haben. Das Gleiche gilt für den Muskelkater: Muskelkater und Laktat können zusammen auftreten, müssen aber nicht.
Das Elektronenmikroskop zeigt die Wirklichkeit: Ursache des Muskelkaters sind Miniaturverletzungen innerhalb der Muskelfaser. Skandinavische Anatomen entnahmen hierfür aus dem Oberschenkel von Versuchspersonen Muskelproben sowohl unmittelbar als auch einige Tage nach stärkeren exzentrischer Muskelarbeit mit nachfolgendem Muskelkater. Unter dem Elektronenmikroskop stellten sie Schäden an den Z-Scheiben innerhalb der Muskelfasern fest, die offensichtlich Zerreißungen waren.
In den Z-Scheiben der Myofibrillen (ein Bündel an Myofibrillen, bildet eine Muskelzelle) ist das Protein Aktin verankert, das sich mit dem Protein Myosin bei der Muskelverkürzung verbindet. Bei den Untersuchungen war immer ein Teil der Z-Scheiben, in bis zu 30% aller Fasern, beschädigt.
Muskelkater bedeutet also schlicht, dass zunächst kleine Risse in den Muskelfasern entstehen. Das ist nicht schlimm, ganz im Gegenteil, diese kleinen Risse regen, den Zustrom neuer Zellkerne in die Muskelzelle, die Zunahme der Myofibrillen und eine vermehrte Bildung von Mitochondrien (den Energiekraftwerken der Zelle) an!
Stellen Sie sich als Vergleich ein aus vielen unterschiedlichen Fäden bestehendes Seil vor (Muskel), an dem sehr stark gezogen wird (Training). Wenn der Zug zu stark ist, werden einzelne Fäden reißen (zerrissene Z-Scheiben).
Der Körper erkennt diese Schwachstellen und verstärkt sie. Beim nächsten Zug (Training) wird quasi ein Seil mit dickeren Fäden (Muskelfibrillen) verwendet. Leistungszuwachs im Training ist also vereinfacht dargestellt nichts anderes als das Resultat gezielter Überforderung des Muskels, der darauf mit einer Zunahme an Zellkernen und Mitochondrien sowie Zunahme von Myofibrillen reagiert (Stichwort: Superkompensation).
Gezieltes Training setzt also kleine Reize, der Körper repariert und verstärkt die Struktur – und passt sich so an höhere Belastungen an. Muskelkater ist beim Pferd in der Regel Ausdruck einer Anpassungsreaktion der Muskulatur auf ungewohnte Belastung und nicht Folge einer „Übersäuerung“. Laktat ist dabei ein Begleitprodukt intensiver Muskelarbeit, jedoch nicht die Ursache der Schmerzen.
Entscheidend für die Praxis ist daher ein systematischer, progressiver Trainingsaufbau mit ausreichenden Regenerationsphasen, um entsprechende Anpassungen zu ermöglichen und Überlastungen zu vermeiden.
Muskelregeneration
Um Muskelkater abklingen zu lassen und dem Muskel nach einem Trainingsreiz ausreichend Zeit zur Anpassung zu geben, hat sich aktive Regeneration bewährt: Schonung kombiniert mit leichter, gymnastizierender Bewegung.
Sanfte Bewegung verbessert die Durchblutung der Muskulatur – und damit die Versorgung mit wichtigen Bausteinen der Reparaturprozesse, insbesondere Aminosäuren. Gleichzeitig werden Stoffwechselprodukte schneller abtransportiert.
Während beim Menschen nach intensiver Belastung etwa 2–4 Tage Regenerationszeit angenommen werden, sollte man beim Pferd eher längere Zeiträume einplanen. Studien hierzu sind rar, doch ein wichtiger Hinweis liefert der Energiestoffwechsel: Die vollständige Wiederauffüllung der Muskel-Glykogenspeicher dauert beim Pferd rund 72 Stunden – deutlich länger als beim Menschen, bei dem dies oft innerhalb von Stunden bis maximal einem Tag erfolgt.
Ein Blick in das Trainingsmanagement von Rennpferden verdeutlicht diese Zusammenhänge: Selbst im intensiven Aufbautraining werden schnelle Belastungen maximal zweimal pro Woche eingesetzt – und selbst dann nicht in Maximalgeschwindigkeit. Die übrigen Trainingstage bestehen aus konditionsfördernder Arbeit im submaximalen Bereich. Die tatsächliche Höchstleistung wird ausschließlich im Rennen abgefragt.
Diese Trainingslogik lässt sich unmittelbar auf das Reitpferd übertragen: Auf anstrengende Trainingseinheiten sollten mehrere Tage locker gymnastizierender Arbeit folgen. Gleiches gilt für das Erlernen neuer Lektionen, die ungewohnte Bewegungsmuster erfordern. Weniger ist hier oft mehr – für Muskeln, Sehnen und Knochen – ebenso wie für die Psyche des Pferdes.
Nicht ohne Grund dauert das sorgfältige Aufbautraining eines jungen Rennpferdes meist drei Viertel eines Jahres, bevor es erstmals startet. Beim jungen Reitpferd vergeht häufig sogar ein ganzes Jahr, bis sich die Muskulatur vollständig entwickelt hat.

Training optimieren
Vor jedem Training steht eine Aufwärmphase. Beim Pferd ganz besonders, denn hier müssen nicht nur die Muskeln vorgewärmt und die Durchblutung der Muskulatur gesteigert werden, sondern darüber hinaus müssen auch die Gelenkknorpel von der Gelenkflüssigkeit durchsaftet werden. Im Stand (z. B. Boxenruhe) verlieren sie enorm an Dicke (flachen ab) und verlieren damit ihre Stoßdämpferfunktion. Deshalb sind mindestens 10 Minuten, besser 20 Minuten Schritt nötig, damit der Gelenkknorpel sich sozusagen genügend "aufgepumpt" hat und ausreichend stoßdämpfend funktioniert. So kann auch mehr Gewicht in höherem Tempo, ohne Schaden am Knorpel (Stichworte: Gelenkentzündung, Arthrose), verkraftet werden.
Erst danach sollte lockere Arbeit in Dehnungshaltung erfolgen. Ein aufmerksamer Reiter spürt, wann die Muskulatur seines Pferdes leistungsbereit ist – und ebenso, wann Ermüdung einsetzt. Idealerweise endet eine intensive Übung noch vor der Ermüdung und wird durch eine aktive Pause ersetzt. Die Grundprinzipien gesunden Trainings sind:
- Aktive Pausen und abwechslungsreiche Arbeit
- Auf Anspannung folgt stets Entspannung
- Intensive Belastung höchstens zweimal pro Woche
- Tägliche Bewegung im moderaten Bereich („long slow distance“)
Auch ein freier Galopp an der frischen Luft wirkt für nahezu jedes Pferd körperlich und mental positiv.
Krafttraining beim Pferd unterscheidet sich vom menschlichen Kraftsport, folgt jedoch denselben biologischen Prinzipien. Geeignete Trainingsreize sind beispielsweise:
- Trabstangenarbeit
- Bergauf- und besonders Bergab-Schrittarbeit
- Halten und Anreiten in Steigungen
Gerade das Bergabgehen stellt eine intensive exzentrische Muskelarbeit dar – vergleichbar mit dem Muskelkater, den Menschen nach langen Abstiegen erleben. Hier gilt jedoch: dosiert trainieren, um Überlastung zu vermeiden.
Längere Trainingspausen – etwa durch Verletzungen oder Operationen – stellen für die Muskulatur eine enorme Herausforderung dar. Bereits eine Woche Boxenruhe kann mehrere Wochen vorsichtigen Wiederaufbau erforderlich machen.
Der Grund ist biologisch einfach: Muskulatur ist für den Körper energetisch teuer. Wird sie nicht benötigt, beginnt der Organismus sofort mit ihrem Abbau, um Energie und Eiweiß zu sparen. Sichtbar bleibt die Muskulatur zunächst oft erhalten, doch funktionell gehen Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit rasch verloren.
Besonders bei älteren Pferden ist daher ein langsamer, systematischer Trainingsaufbau nach Pausen entscheidend.
Hilfe über den Futtertrog
Sie sehen es gilt vieles zu beachten, will man bei seinem Pferd Muskulatur aufbauen. Neben einem angepassten Training kann man auch mit Hilfe der Fütterung an unterschiedlichen Stellen für die Muskulatur ansetzen.
Magnokollagen® - Mit einem Anteil von rund 30% am gesamten Körperprotein stellt Kollagen die Basis des Stützgewebes dar. Ob Sehnen (die Enden des Muskels) oder als Hülle der Muskulatur (Faszien) bis in die kleinste Faserstruktur, beim Bau der Blutgefäße u.a.m. Kollagen ist allgegenwärtig und entscheidet über elastische Widerstandskräfte und damit den Schutz vor Verletzung. Weiterhin ist es für den Schutz des Knorpels und für die Bildung von Gelenkflüssigkeit wichtig. Im Aufbautraining, bei Turnierpferden und auch Senioren empfehlen wir die tägliche Gabe von unserem Magnokollagen®, das durch seine sehr kleine Partikelgröße, die besten Voraussetzungen einer guten Aufnahme und Verteilung im Körper bietet.
Magnoturbo® - Um den Muskel nach einem anstrengenden Training schnell zu regenerieren, benötigt der Körper essenzielle Aminosäuren aber auch Energie, um die verbrauchten Glycogenreserven schnell wieder zu füllen. Diese Aspekte vereint unser Magnoturbo®, das sich durch essenzielle Aminosäuren für einen gezielten Muskelaufbau, unterschiedlichen Kohlenhydratquellen sowie kaltgepressten Pflanzenölen auszeichnet. Der hohe Gehalt an Vitamin E schützt weiterhin die Muskelzellen vor freien Radikalen. Deshalb eignet sich Magnoturbo® vor allem bei Pferden, die vermehrt trainiert werden oder neue Lektionen erlernen.
Magnovital® - Ist eine reine Eiweißergänzung auf Spirulinabasis und liefert sämtliche für den Muskelaufbau notwendigen Aminosäuren. Einzelne enthaltene Aminosäuren haben in Studien bewiesen, dass sie den Muskelaufbau ganz besonders gut unterstützen können. Zusätzlich profitieren Pferde im Training, aber auch besonders Pferde mit EMS, Cushing, Hufrehe oder PSSM von den natürlich enthaltenen Antioxidantien. Eine spätere Ermüdung der Muskulatur im Training ist wissenschaftlich belegt (Luet al 2006), ebenso die Verbesserung der Insulinresistenz von stoffwechselsensiblen Pferden (Nawrocka et al 2017).
Magnomino® - Ist das Grundfutter arm an essenziellen Aminosäuren (z. B.bei Ende bzw. nach der Blüte geerntetem Heu, oder getreidefreier Fütterung) oder aber muss das verfütterte Heu gewässert oder bedampft werden, so empfiehlt sich die Zufuhr von präcaecal hoch verdaulichem Protein bzw. Aminosäuren. Unser Magnomino® stellt diese in ausgewogener und besonders leicht verdaulicher Form zur Verfügung, damit Ihrem Pferd und dessen Gewebsstrukturen kein Baustein fehlt.
Produktempfehlungen zum Thema
Literaturverzeichnis:
Akademie für Sport und Gesundheit (o. J.): Muskelaufbau - was du zu Physiologie, Training & Ernährung wissen musst; zu finden unter: https://www.akademie-sport-gesundheit.de/magazin/muskelaufbau.html
Bohm, S., Mersmann, F., Arampatzis, A. (2019): Funktionelle Anpassung von Sehnen, in: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, zu finden unter: https://www.zeitschrift-sportmedizin.de/funktionelle-anpassung-von-sehnen/
Bürger, F. (1999): Histomorphometrische Befunde am M. gluteus medius von Pferden ausgewählter deutscher Warmblutrassen -Selektionskriterium für die sportliche Veranlagung ?, Universität Leipzig, zu finden unter: https://ul.qucosa.de/api/qucosa%3A10875/attachment/ATT-0/
Coenen, M., Vervuert, I., (2019): Pferdefütterung; 6. Aufl., Stuttgart - New York: Thieme.
Löffler, Petrides. 2014 Lehrbuch der Biochemie und Pathobiochemie:9. Aufl. Springer
H.Gürtler,H.Ketz,E.Kolb,L.SWchröder und H.Seidel (1989) Lehrbuch der Physiologie der Haustiere Gustav Fischer Verlag
Feine Algen (2020): Spirulina Algen - das kleine Kraftwerk mit viel Sonne; zu finden unter: feine-algen.de - Spirulina Algen – das kleine Kraftwerk mit viel Sonne
spiegel.de: Im Körper eines Fußballers - Die Muskeln
Van den Hoven, R., Bauer, A., Hackl, S., Sick, M., Spona, J., Zentek, J. (2010): Changes in intramuscular amino acid levels in submaximally exercised horses – a pilot study, in: Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition, 94(4), 455-464.





