PSSM beim Pferd

Paint Horse
PSSM was ist das eigentlich? Bildquelle: C. Slawik

Einleitung

Über viele Jahre galt die abnorme Speicherung von Glykogen in der Muskulatur – die Polysaccharid-Speichermyopathie Typ 1 (PSSM 1) – als klassisches Problem bestimmter Westernpferderassen und Kaltblütern. Seit einigen Jahren sorgt jedoch ein weiterer Begriff für zunehmende Verunsicherung in der Pferdewelt: PSSM 2.

Muskelkrämpfe, Steifheit, Rittigkeitsprobleme und unklare Lahmheiten werden seither häufig mit diesem Begriff in Verbindung gebracht. Ursprünglich ging man davon aus, dass es sich um eine PSSM 1 vergleichbare Muskelerkrankung handelt, die vor allem Sportpferde verschiedener Warmblutrassen betrifft. Unterschiedliche, damals noch unbekannte Myopathien wurden daher unter dem Sammelbegriff PSSM 2 zusammengefasst – eine Bezeichnung, die bis heute im Umlauf ist.

Im Gegensatz dazu lässt sich PSSM 1 mithilfe eines Gentests eindeutig diagnostizieren. Mit dem Aufkommen kommerzieller Gentests auch für „PSSM 2“ nahm die Zahl der getesteten Pferde rasch zu – wenig überraschend, da Muskelprobleme in der Praxis häufig vorkommen. Gleichzeitig stellte sich jedoch eine zentrale Frage: Ist jedes auf „PSSM 2“ positiv getestete Pferd tatsächlich krank?

Genau hier setzt die aktuelle Forschung an. Wissenschaftliche Arbeiten – insbesondere aus der Forschungsgruppe von Prof. Stephanie Valberg (Michigan State University), die maßgeblich an der Entdeckung und Erforschung von PSSM 1 beteiligt war – kommen zu einem klaren Ergebnis: Für PSSM 2 existiert derzeit kein validierter Gentest (Stand 05/2026).

Die derzeit angebotenen Gentests konnten bislang keinen belastbaren Zusammenhang zwischen den untersuchten Genvarianten und einer klar definierten Muskelerkrankung nachweisen. Anders als in der Humanmedizin unterliegen Gentests in der Veterinärmedizin nicht denselben strengen regulatorischen Anforderungen und können daher bisher auch ohne wissenschaftliche Validierung kommerziell angeboten werden.

In den vergangenen Jahren wurde der Begriff PSSM 2 seitens einiger Testlabore durch die Bezeichnung Muscle Integrity Myopathy (MIM) ersetzt. Diese Terminologie stammt nicht aus der etablierten veterinärmedizinischen Nomenklatur, sondern wurde im kommerziellen Umfeld geprägt und ist wissenschaftlich bislang nicht als eigenständige Diagnose anerkannt.

Für die unter dem historischen Sammelbegriff PSSM 2 zusammengefassten Myopathien bleibt ein zuverlässiger Gentest ein wichtiges Ziel zukünftiger Forschung. Derzeit können auch gut erforschte Erkrankungen wie die Myofibrilläre Myopathie (MFM) oder die Recurrent Exertional Rhabdomyolysis (RER) nur über eine Muskelbiopsie (ein invasiver Eingriff, der naurgemäß geschult wird) sicher diagnostiziert werden. Weniger invasive Testverfahren –Gentest über Blut- oder Haarproben – wären daher sehr wünschenswert.

Der Verdacht auf PSSM 2 oder natürlich auch ein positiver Gentest auf eine heute als MIM bezeichnete Myopathie verunsichert verständlicherweise viele Besitzerinnen und Besitzer von Warmblutpferden. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass Pferde sowohl mit PSSM 1 als auch mit unter dem Begriff PSSM 2 zusammengefassten Muskelerkrankungen bei angepasstem Trainings- und Fütterungsmanagement häufig erfolgreich und teilweise bis in hohe Leistungsklassen eingesetzt werden können.

Was sich hinter diesen Myopathien tatsächlich verbirgt, wie eine korrekte Diagnostik erfolgt, wie mögliche Ursachen eingegrenzt werden können und welche Rolle Fütterung und Trainingsmanagement spielen, erläutern wir Ihnen in unserem Beitrag.

PSSM 1

Die Polysaccharid-Speichermyopathie Typ 1 (PSSM 1) ist eine genetisch eindeutig definierte Muskelerkrankung des Pferdes. Ursache ist eine Mutation im GYS1-Gen, das für das Enzym Glykogen-Synthase-1 verantwortlich ist. Durch diese Mutation ist das Enzym dauerhaft überaktiv, wodurch übermäßig Glykogen (Speicherzucker) in den Muskelzellen eingelagert wird. Die daraus resultierenden Stoffwechselstörungen beeinträchtigen die normale Muskelfunktion.

PSSM 1 wurde ursprünglich vor allem bei Quarter Horses und verwandten Westernrassen beschrieben und zählt dort zu den häufigeren Erbkrankheiten. Etwa jedes sechste Pferd der Rassen Quarter Horse, Paint Horse oder Appaloosa trägt die Mutation. Bei Kaltblutrassen wird eine noch höhere Prävalenz vermutet, während Warmblüter deutlich seltener betroffen sind.

Klinisch zeigt sich PSSM 1 durch wiederkehrende Muskelprobleme unterschiedlicher Ausprägung. Typisch sind Muskelsteifheit, Leistungsabfall, Muskelabbau, unklare Lahmheiten sowie Kreuzverschlag-ähnliche Episoden, häufig nach Trainingspausen. Bei Warmblütern äußert sich die Erkrankung oft subtiler, beispielsweise durch Rückenschmerzen, Rittigkeitsprobleme oder Hinterhandschwäche.

Die Diagnose konnte bis vor einigen Jahren nur durch Muskelbiopsie gestellt werden, heute erfolgt sie zuverlässig über einen validierten Gentest aus EDTA-Blut oder Haarwurzelproben. Leichte Erhöhungen der Muskelenzyme Creatinkinase (CK) und Aspartat-Aminotransferase (AST) können Hinweise liefern, sind jedoch nicht beweisend.

Da PSSM 1 autosomal dominant vererbt wird, ergeben sich klare züchterische Konsequenzen: Träger geben die Mutation mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % an ihre Nachkommen weiter, homozygote Tiere zu 100 %.

Therapeutisch steht ein angepasstes Management im Vordergrund. Bewährt hat sich eine kohlenhydratarme, fettreichere Ration mit ausreichender Versorgung an hochwertigem Protein, Antioxidantien (insbesondere Vitamin E und Selen) sowie eine konsequente, regelmäßige Bewegung ohne längere Trainingspausen. Unter geeigneten Haltungs- und Trainingsbedingungen können viele betroffene Pferde langfristig leistungsfähig bleiben.

 

PSSM 1 - Betroffene Rassen:

Appaloosa, Quarter/Paint Horse, Kaltblut, Haflinger, Noriker und andere Rassen, nicht betroffen sind reinrassige Vollblüter und Araber

 

PSSM 1 - Diagnostik: Gentest (validiert, EDTA-Blut, Haarwurzel)

 

PSSM 1 - Zuchtkonsequenz:

  • Ein Allel betroffen (N/PSSM): Genträger gibt Gen zu 50 % an das Fohlen weiter
  • Beide Allele betroffen (PSSM/PSSM): Gendefekt wird zu 100 % an das Fohlen vererbt

 

PSSM 1 - Probleme: Störung im Kohlenhydratstoffwechsel, Ansammlungen von Polysacchariden (Glykogen, Speicherzucker) in Muskelzellen

 

PSSM 1 - Symptome:

  • Beginnen bei Westernpferden i. d. R. ab 5. Lebensjahr, andere Rassen i. d. R. ab 10. Lebensjahr
  • Bewegungsunlust nach 10–20 Minuten leichter Arbeit
  • Muskelzittern, -steifheit, -schmerz
  • Rückbildung der Muskulatur (Rücken, Hinterhand)
  • Schwache Rückenmuskeln, trotz Training
  • Starkes Schwitzen
  • Wechselnde Lahmheiten
  • Wiederkehrende „Kreuzverschlag-ähnliche“ Steifheit, teils kaffeebrauner Harn
  • Ausstrecken der Hinterbeine
  • Festliegen
  • Sportpferde (Warmblüter) zeigen häufig nur Rückenschmerzen und Hinterhandschwäche bei versammelnden Übungen

 

PSSM 1 - Rationsgrundsätze: Kohlenhydratarm, proteinreich, fettreich / Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien (Vitamin E, Selen) und Mineralstoff-Zufuhr sichern

 

Ist ein Pferd Gen-Träger und/oder zeigt ein Pferd bereits Anzeichen einer Myopathie, d. h. die genannten Symptome in der täglichen Arbeit, muss die Fütterung umgestellt und darüber hinaus das Bewegungsmanagement angepasst werden.

PSSM 2 (MFM, RER)

Alle Muskelerkrankungen mit PSSM-ähnlichen Symptomen, bei denen keine GYS1-Mutation (PSSM1) nachweisbar ist, wurden lange unter dem Sammelbegriff PSSM 2 zusammengefasst.

Heute weiß man: es handelt sich hierbei nicht um eine einzelne Erkrankung, sondern um eine Gruppe unterschiedlicher Belastungsmyopathien mit verschiedenen Ursachen. Die genaue genetische Grundlage ist bis heute nicht vollständig geklärt (Stand 2026).

Obwohl der Sammelbegriff PSSM2 eigentlich obsolet ist, bleiben wir im nachfolgendem Text dennoch bei dieser Bezeichnung (außer bei MFM und RER) um der immer noch gebräuchlichen Nomenklatur zu entsprechen und insbesondere Symptome von Muskelerkrankungen, deren Ursache definitiv nicht in der Muskulatur begründet sind (z. B. Magenprobleme, orthopädische Erkrankungen) einzubeziehen, die eben derzeit in der Pferdewelt nach wie vor unter PSSM2 subsumiert werden.

Zu den wichtigsten Erkrankungen, die früher unter „PSSM 2“ subsumiert wurden, zählen vor allem:

  • Myofibrilläre Myopathie (MFM)
  • Recurrent Exertional Rhabdomyolysis (RER)
  • weitere, bislang nicht vollständig erforschte Myopathien
  • auf äußeren Einflüssen und/oder nicht muskuläre Erkrankungen beruhende Muskelfunktionsstörungen

Allen gemeinsam ist: Die Symptome treten typischerweise meist während oder nach Belastung auf.

Die Myofibrilläre Myopathie (MFM) gilt heute als häufigste Ursache der früher als PSSM 2 bezeichneten Muskelprobleme bei Warmblutpferden.

Im Mittelpunkt steht eine Strukturstörung der Muskelfasern. Betroffen ist insbesondere das Strukturprotein Desmin, das für die korrekte Ausrichtung der Muskelfasern und damit für eine koordinierte Muskelkontraktion essenziell ist. Wird dieses Proteinsystem gestört, verlieren die Muskelfasern ihre mechanische Stabilität. Typisch ist ein schleichender Leistungsabfall. Viele Pferde sind in jungen Jahren unauffällig und zeigen erst im Alter von etwa 8–11 Jahren erste Probleme.

In Muskelbiopsien (derzeit einzig mögliches Diagnosetool) finden sich häufig Desmin-Aggregationen sowie sekundär vermehrte Glykogeneinlagerungen. Diese Glykogenablagerungen sind jedoch Folge der Muskelschädigung – nicht deren Ursache. Dieser Punkt erklärt, warum die frühere Einordnung als „PSSM 2“ irreführend ist.

Die Recurrent Exertional Rhabdomyolisis (RER) ist eine Belastungsmyopathie mit völlig anderem Mechanismus. Hier liegt die Ursache in einer gestörten Kalziumregulation innerhalb der Muskelzelle. Kalzium steuert die Muskelkontraktion. Kommt es zu Fehlregulationen, entstehen unkontrollierte Muskelkontraktionen und Muskelfaserschäden. Typisch betroffen sind Vollblüter, Quarter Horses, Traber und verwandte Rassen.

Die Erkrankung steht stark mit Stress und Erregbarkeit in Zusammenhang. Die milde Form ist vielen als „Tying-up“ bekannt. Während akuter Episoden sind die Muskelenzyme CK und AST deutlich erhöht

Bei einigen Quarter Horses wurde eine Form beschrieben, bei der vermehrte Glykogenspeicherung vorliegt – jedoch ohne GYS1-Mutation. Auch hier ist die genetische Ursache bislang ungeklärt

PSSM 2 - Betroffene Rassen: Traber, Vollblüter, Kaltblüter, Warmblüter, Friesen, Araber, Appaloosa, Quarter/Paint Horses und andere Rassen

 

PSSM 2 - Diagnostik: Gewebeprobe Hinterhandmuskulatur (Biopsie), Belastungstest mit Blutkontrolle vor und nach Belastung

 

PSSM 2 - Problem: Stoffwechsel- und Strukturstörungen in der Muskelzelle (z. B. Kalzium, Desmin), keine GYS1-Mutation, daher mit/ohne Glykogenanhäufung (Speicherzuckeranhäufung) in Muskelzelle möglich

 

PSSM 2 – MFM – Symptome:

  • Typisch für erkrankte Warmblutpferde
  • Beginn der Symptome i. d. R. ab 8.–11. Lebensjahr
  • Probleme Bewegungsapparat (Bewegungsunlust, steifer Gang, taktunreiner Gang/ Hinterhandlahmheit, Muskelschmerzen, Probleme im Galopp)
  • Leistungsschwäche („er kann nicht so, wie er gern möchte“), Trainingsunverträglichkeit, Muskelveränderungen (Rückbildung, Muskeldellen, streifig wirkende bzw. schlecht entwickelte Muskulatur), Muskelatrophie an Rücken und Hinterhand
  • Verhaltensauffälligkeiten (schlapp, auffällig ruhig, antriebslos)
  • Rittigkeitsprobleme (triebig, Rückenprobleme, Kopf hochreißen), Galoppschwierigkeiten
  • Direkt nach Belastungsbeginn auffällig
  • Im Rücken festgehaltene Springbascule
  • Bei Arabern und Distanzpferden können zusätzlich Muskelkrämpfe auftreten

 

PSSM 2 – RER - Symptome:

  • Typisch für Quarter Horses, Vollblüter und verwandte Rassen
  • Schwerer Verlauf mit Muskelsteifheit, Bewegungsverweigerung bis Festliegen
  • Starkes Schwitzen
  • Muskeleinschmelzung bzw. Muskelfaserzerfall (Rhabdomyolyse) mit kaffeebraunem Harn (Myoglobinurie)

 

„Unklare PSSM 2 Fälle“ - Symptome:

  • Verspannte Rücken- und/oder Hinterhandmuskulatur
  • Probleme bei Rittigkeit
  • Leistungsabfall
  • Schlechte Bemuskelung
  • Kopf hoch reißen beim Reiten
  • Fester Rücken
  • Triebigkeit, Probleme bei versammelnden Übungen die Balance zu finden
  • Ggf. Betroffenheit der Muskulatur der Organe, Beeinträchtigungen der Verdauung im Krankheitsverlauf

 

PSSM 2 - Rationsgrundsätze: Raufutterbetont, proteinreich, Omega-3-Fettsäuren ergänzen, Antioxidantien (Vitamin E, Selen), und Mineralstoff-Zufuhr sichern, Kohlenhydratzufuhr je nach Beteiligung des Zuckerstoffwechsels der Muskulatur anpassen

Diagnostik: PSSM 1 und PSSM 2

Während PSSM 1 zuverlässig per Gentest nachgewiesen werden kann, gilt dies nicht für PSSM 2, so dass die derzeit angebotenen Gentests (P-Varianten) für PSSM 2 nicht validiert sind. Validiert ist eine Methode, wenn diese geeignet, zuverlässig und reproduzierbare Ergebnisse liefert. Die ausreichende Validierung des Tests steht jedoch noch aus, d. h. der Gentest kann falsch positive wie auch falsch negative Ergebnisse liefern. Das führt leider dazu, dass Genvariationen oft fälschlicherweise und vorschnell mit einer Muskelerkrankung in Verbindung gebracht werden. Studien zeigen, dass ein erheblicher Anteil klinisch gesunder Pferde diese P-Varianten trägt. Sie gehören daher wahrscheinlich zur normalen genetischen Variation und sind nicht krankheitsbeweisend.

Aktuelle Studien aus Amerika weisen darauf hin, dass allein bei gesunden Pferden 29 % der zufällig untersuchten Warmblüter und 25 % der zufällig untersuchten Araber mindestens eine der P-Varianten positiv war, also eine oder mehrere P-Varianten im Test angezeigt wurden, ohne dass die Pferde eine Muskelerkrankung aufwiesen. Das heißt im Klartext: viele der getesteten P-Gene gehören zur natürlichen Variation des Genoms unserer Pferde. Insofern kann der Gentest für die Diagnose oder für Zuchtausschlussentscheidungen nicht sicher genutzt werden, denn, nur weil diese genetischen Varianten gefunden werden, heißt es noch nicht, dass sie für die Erkrankungen PSSM 2 bzw. MFM und RER verantwortlich sind. Die Diagnostik von Selen, Mangan und Vitamin E im Blut kann man sich in diesem Zusammenhang ebenfalls sparen, da sich von dieser keine Rückschlüsse auf das Vorliegen einer Muskelerkrankung ziehen lassen.

Aktuell liefert nur eine Muskelbiopsie (Anfärbung von Desmin und Glykogen in Gewebeproben) aus der Hinterhandmuskulatur eine gesicherte Diagnose. Mit Hilfe der Gewebeprobe kann z. B. differenziert werden, ob es sich um eine sogenannte MFM oder um RER handelt. Dies ist nach wie vor der Goldstandard der PSSM 2 Diagnostik, auch wenn die Biopsien in der Regel nur im Schub, d. h. bei Auftreten der Symptome wirklich aussagekräftig sind.

So kann ein Gentest PSSM 2 nicht bestätigen oder ausschließen, wodurch es beim diagnostischen Goldstandard bleibt:

  • Muskelbiopsie (Desmin- und Glykogenfärbung)
  • Belastungstest mit CK/AST-Kontrolle

Für die Praxis bedeutet das: Wird Ihr Pferd nun negativ auf die Genmutation für PSSM 1 getestet und zeigt aber dennoch Auffälligkeiten, kommt als Ursache (neben weiteren Möglichkeiten) theoretisch auch PSSM 2 in Betracht, wobei der Nachweis dann über eine Muskeldiagnostik (durch bereits angesprochene Biopsie der Hinterhandmuskulatur) und/oder einen labordiagnostisch aufgearbeiteten Belastungstest (zweimalige Blutentnahme, vor und nach 15 minütiger, submaximaler Belastung) erfolgt.

Doch kein PSSM 2?

Wichtig zu verstehen ist, dass nicht jedes sogenannte „PSSM 2 Pferd“ tatsächlich eine klinische Muskelerkrankung hat. Viele Symptome sind unspezifisch und deutlich häufiger durch andere Ursachen bedingt, wie zum Beispiel:

  • Sattelprobleme
  • orthopädische Erkrankungen
  • Magenprobleme
  • Trainingsfehler
  • Protein- oder Mikronährstoffmangel

Eine gründliche orthopädische und internistische Abklärung sowie Überprüfung des Trainings und der Fütterung sollte daher immer vor einer Muskelbiopsie erfolgen.

Die Angst unter den Warmblutpferde-Halterinnen und -Haltern ist verständlich, denn sobald ein Pferd muskuläre Probleme zeigt und insbesondere sobald ein „positiver Gentest“ vorliegt wird schnell PSSM 2 vermutet. Wir warnen allerdings vor einem vorschnellen Urteil und empfehlen zunächst ruhig zu bleiben und die aktuelle Situation ganzheitlich zu betrachten.

Die Unwilligkeit vorwärts zu gehen, eine unklare, schlecht lokalisierte Lahmheit der Hintergliedmaßen, Muskelkater und ein Abfall des Energieniveaus sind tatsächlich häufige Beschwerden von PSSM 2. Betroffene Pferde zeigen Probleme in der Versammlung, eine unrunde Bascule über dem Sprung, einen „schlechten, unrunden“ Galopp und häufig auch einen Muskelschwund (Atrophie) der langsam einsetzt, insbesondere, wenn das Pferd nicht gearbeitet wird. CK- und AST- Werte im Blutserum sind oft nicht erhöht.

Zu beachten ist bei dieser Aufzählung, dass einige der beschriebenen Probleme und Anzeichen zwar schnell mit PSSM 2 in Verbindung gebracht werden, aber nicht spezifisch für PSSM 2 stehen müssen, sondern leider auch sehr häufig völlig andere Ursachen haben können, wie z. B. schlechter Sitz des Sattels (oder anderer Ausrüstungsgegenstände), Lahmheit aufgrund von Arthropathien z.B. des Sprunggelenks oder des Kniegelenks, Verletzungen des Sprunggelenks, Iliosakralerkrankungen, weitere orthopädische Erkrankungen, lange Stehzeiten, eine zu stärkereiche Fütterung (Stichwort Magenprobleme), Muskelkater, Traininsfehler, Aminosäuremangel, Entzündungen der Hals-,Brust- oder Lendenwirbel, ja sogar aufgrund von Magenbeschwerden und anderen Verdauungsstörungen.

So ist unter anderem eine gründliche Untersuchung auf Lahmheiten erforderlich, um dieses in der Praxis häufigere Problem auszuschließen und sollte jedem Test (Biopsie) auf MFM bzw. RER bei Pferden vorausgehen. Gerade subklinische Lahmheiten sind leider sehr verbreitet und häufig der Grund für Rittigkeitsprobleme. Aber auch das Training und insbesondere die Fütterung sind zu prüfen.

So sind oft Magenprobleme die Ursache für mangelnde Losgelassenheit, Schwierigkeiten in der Anlehnung oder im Galopp, Triebigkeit u. v. m. Sehr viele „sogenannte“ PSSM-2-Pferde zeigen daher „nur“ eine Magenempfindlichkeit– ob durch die Bewegungseinschränkungen aufgrund einer (möglichen) Muskelerkrankung (was Stress ist für das Lauftierpferd und Stress ist ein Risikofaktor für den Magen!) oder als eigentliches Problemfeld, das unter Umständen noch nicht erkannt, nicht ausreichend therapiert oder wiederkehrend auftritt.

Dies alles gilt es im jeweiligen Fall herauszufinden, um die richtige(n) Ursache(n) zu identifizieren und damit den passenden Lösungsansatz zu wählen. Wir empfehlen daher zunächst subklinische Lahmheiten, Magenprobleme und Defizite in der Fütterung (z. B. Versorgung mit hochqualitativem Protein) auszuschließen, bevor man sich dem PSSM 2 Verdacht weiter widmet und sich in der Folge für eine Muskelbiopsie entscheidet.

Fütterung bei PSSM

Grundsätzlich bei PSSM 1: zucker- und stärkearme Fütterung, fettreicher Energieersatz

Bei PSSM 1 kommt es zu einer übermäßigen Einlagerung von Zucker in die Muskelzellen, so dass für diesen Fall eine zucker- und stärkereduzierte Fütterung angezeigt ist, um der übermäßigen Einlagerung entgegenzuwirken. Entscheidend ist auch der Zuckergehalt vom Heu, der bei mehr als 10% der Trockensubstanz durch Wässern oder Bedampfen reduziert werden kann und auch sollte.

Zu beachten ist allerdings, dass das Wässern und Bedampfen von Heu eine Raufutternachbehandlungdarstellt, die korrekt durchgeführt werden muss (u. a. ist gewässertes Heu innerhalb von 6 Stunden zu verfüttern) und neben Zucker, auch Spurenelemente und Proteine „nachbehandelt“ werden, so dass das Vorhandensein und deren Verfügbarkeit im Grundfutter eingeschränkt wird. In diesen Fällen ist auf eine geeignete Aminosäuren- und Mineralstoffergänzung zu achten. Weidegang wiederum ist aufgrund der schwer abschätzbaren Zuckeraufnahme nur sehr restriktiv zu empfehlen.

Anders als bei PSSM 1 muss im Falle von PSSM 2 nicht zwangsläufig auf Getreide verzichtet und Stärke minimiert werden, denn hier unterscheidet man zwischen „zuckerempfindlichen“ und „nicht-zuckerempfindlichen“ Fällen. Wir stellen an dieser Stelle die Fütterung für PSSM 2 Pferde sehr verkürzt für MFM (Myofibrilläre Myopathie) und RER (Recurrent Exertional Rhabdomyolysis) gegenüber:

Grundsätzlich bei RER: stärke- und zuckerarm, erhöhter Fettanteil (bis 20–25 % der Energie)

Grundsätzlich bei MFM: Fokus auf hochwertiges Protein und Aminosäuren für Muskelaufbau

Neben einer raufutterbetonten Ration ist die hochwertige Versorgung mit Selen und Vitamin E für den Muskelzellschutz essenziell, was über die Zugabe eines geeigneten Futtermittels, wir empfehlen unser Magnomyoforte®, gewährleistet werden kann.

Mehr zur Fütterung bei PSSM finden Sie hier.

Bewegung ist wichtig

Die Devise lautet: „Gleichmaß der Belastung und ausreichend Erholungsphasen“ sind das richtige Rezept bei der Bewegung von Pferden mit Muskelerkrankungen, denn regelmäßige Bewegung ist zentral für alle Myopathien. Empfohlen werden dabei:

  • tägliche moderate Bewegung
  • verlängerte Aufwärmphase
  • kurze, wiederholte Trainingsintervalle
  • langsamer Trainingsaufbau nach Schüben

Das heißt zur Verhinderung von Erkrankungsschüben ist neben der Einstellung der Fütterung vor allem auch eine regelmäßige Bewegung der Pferde wichtig. Und das (bestenfalls) jeden Tag! Die regelmäßige Bewegung verbessert die Glykogenverwertung im Muskel und regt die Bildung der Enzyme an, die zur Energieverbrennung nötig sind.

Dies bedeutet in der Praxis bestenfalls: Keine Stehtage in der Box, keine exzessiven Überbelastungen. Bereits eine tägliche leichte Bewegung im Trab über 10 Minuten kann das Risiko des (Wieder-)Auftretens von muskulären Problemen deutlich vermindern. Jeder zusätzliche Spaziergang am Abend oder die lockere Longiereinheit zwischendrin unterstützt den Muskelstoffwechsel Ihres Pferdes.

Wird das Pferd geritten, ist ein verlängertes Aufwärmintervall zu empfehlen und eine regelmäßige Unterbrechung des Trainings durch Ruhe- und Dehnungszeiten von 2 – 5 Minuten einzuplanen. Dabei sollten die Pferde in tiefer Vorwärts-Abwärts-Dehnungshaltung geritten oder longiert werden. Versammelnde Lektionen sollten nicht länger als 5 Minuten dauern. Wenn das Pferd über mehrere Wochen keine Probleme bei der Versammlung zeigt, können die Anforderungen erhöht werden. Insgesamt sollten die Einheiten 30–45 Minuten nicht übersteigen. Empirisch empfehlen sich häufig 3 Tage Arbeit, gefolgt von zwei Tagen Pause, aber dies kann individuell ganz anders sein!

Für Pferde mit Problemen in der Rückenmuskulatur können niedrige In-Out-Sprungreihen mit oder ohne Reiter, Stangen- und Cavaletti-Arbeit, wie auch Reiten am Hang unterstützend eingesetzt werden, um die Rückenmuskulatur aufzubauen. Auch eine zusätzliche, tägliche Bewegungseinheit in einer Führmaschine stellt eine gleichmäßige und damit wertvolle Bewegungsmöglichkeit für Pferde mit PSSM 1 oder 2 dar.

Nach akuten Schüben mit Muskelproblemen sollte das Training nur langsam wieder aufgenommen werden. Sehr kurze Phasen im Schritt und Trab von 3–5 Minuten an Longe oder unterm Reiter werden über 2–4 Wochen langsam ausgedehnt, bevor mit dem Galopp oder versammelnden Übungen begonnen werden kann.

Ausblick

Erfolgt eine Rationsumstellung und kann das Bewegungsmanagement entsprechend angepasst werden, dann zeigen 70 % der Warmblüter mit PSSM 2 eine deutliche Verbesserung der Symptome. Viele der Pferde sind unserer Erfahrung nach dann auch wieder leistungsfähig. Auch Pferde mit PSSM 1 können wieder sportlich belastet werden, wenn Fütterung und Management optimiert sind.

Aufgrund der Unterschiede in Ausprägung und Schwere der Symptome gilt – je häufiger und je schwerer die Probleme auftreten, umso mehr muss das Management die Empfehlungen für Fütterung und Bewegung in den Blick nehmen, sonst kann die normale Muskelfunktion nicht wieder hergestellt werden.

In Erinnerung gerufen sei an dieser Stelle aber auch noch einmal, dass unbedingt differenziert werden muss, ob Equipment (unpassender Sattel o. ä.) oder ein Nährstoffmangel (Aminosäuren, Selen, Vitamin E u. a.) ursächlich sind. Auch Magenprobleme können ähnliche Symptome verursachen und sollten nicht übersehen, sondern gründlich abgeklärt werden.

Knie-, Sprunggelenks-, Iliosakralerkrankungen u. a. können den Anschein einer PSSM Erkrankung geben. Orthopädische Erkrankungen sind unserer Erfahrung nach viel häufiger der Hintergrund bei Rittigkeitsproblemen als primäre Muskelerkrankungen!

Sind Symptome einer Muskelerkrankung vorhanden, sollte die Fütterung auf jeden Fall umgestellt werden. Auch Pferde mit Problemen anderer Ursache profitieren von einer Fütterungsumstellung, da häufig eine zuckerreduzierte, wie auch magenschonende Fütterung vielen Pferden mit vergleichbaren Symptomen helfen kann.

Produktfazit zum Thema PSSM

Häufig fehlt unserer Erfahrung nach die richtige Aminosäurenversorgung, denn falls ein Mangel selbst an nur einer Aminosäure besteht, kann kein Muskel aufgebaut werden. Für PSSM-Pferde ist zudem eine erhöhte Versorgung mit Antioxidantien, für die Muskulatur, besonders wichtig.

 

Magnomyoforte® Mineralisierung mit Aminosäuren und Vitamin E für den Muskelstoffwechsel

Magnomyoforte® ist ein Produkt, das die Mineralstoffversorgung mit dem muskulären Bedarf an Aminosäuren kombiniert. Die Gehalte insbesondere an essenziellen Aminosäuren, Selen und Vitamin E sind an die Bedürfnisse von Pferden mit muskulären Problemen angepasst, wobei insbesondere Vitamin E und Aminosäuren maximal enthalten sind. Die hochdosiert enthaltene Aminosäure Cystein kann nicht nur zur Erholung des Muskels beitragen, sondern im Muskelstoffwechsel zusätzlich die Eigenschaften eines Antioxidans übernehmen.

 

Magnovital® Qualitativ hochwertige Aminosäuren für die Muskulatur

Für gesunde Pferde im Muskelaufbau gilt: Auch wenn die Ration sonst eiweißreich ist – nicht die Menge, sondern die Eiweißqualität, nämlich das Aminosäuremuster des gefütterten Eiweißes (Proteins), macht den entscheidenden Unterschied. Das Prinzip der erstlimitierenden Aminosäure besagt, dass die fehlende Aminosäure, die weiteren Möglichkeiten begrenzt, körpereigenes Protein, z. B. Muskulatur, aufzubauen. Beim Pferd sind das vor allem Lysin, Methionin sowie Threonin.

Aus diesem Grund enthält unser Magnovital® diese wichtigen Aminosäuren im idealen Verhältnis zueinander und das in hochreiner, 100 % dünndarmverdaulicher Form. So kann man schon mit kleinsten Futtermengen diese Lücke schließen, sowohl bei gesunden Pferden als auch bei Pferden mit PSSM 1 und 2.

 

Magnomino® – Proteinergänzung für den Stallalltag

Ist das Grundfutter Heu proteinarm, z. B. ein bei Ende bzw. nach der Blüte geerntetem Heu oder aber muss das verfütterte Heu gewässert oder bedampft werden, so empfiehlt sich die Zufuhr von präcaecal hoch verdaulichem Protein wie zudem auch Aminosäuren. Unser Magnomino® ist eine hochqualitativeProteinergänzung, die sich durch ein ausdifferenziertes Aminogramm auszeichnet. Mit Magnomino® können Defizite in der Proteinverdauung einfach ausgeglichen werden, ohne eine Überversorgung mit Protein riskieren zu müssen.

 

Algenöl (DHA/ EPA) – Schutz der Zellmembran

Omega-3-Fettsäuren, enthalten beispielsweise in Gras, Leinöl oder Algenöl, können durch ihre freien Bindungsstellen reaktive Sauerstoffverbindungen (sog. freie Radikale) potenziell binden. Das ist wichtig, denn bei der Energiegewinnung in der Zelle (ATP-Bildung, der Treibstoff für die Muskelkontraktion) entstehen freie Sauerstoffmoleküle, die Zellstrukturen schädigen können.

Die wertvollen Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA können eine entscheidende Rolle bei der Regulation belastungsinduzierter Entzündungsreaktionen, wie z. B. Reduktion von  Muskelzellschäden (Stucci et. al. 2025), spielen.

 

Magnopower Liquid® – zucker- und stärkefreie Power aus hochwertigen Ölen

Pferde mit muskulären Problemen, wie PSSM 1, profitieren von einer stärke- und zuckerreduzierten Fütterung. Um den Energiebedarf für den Organismus dennoch sicherzustellen, empfiehlt sich die Gabe von hochwertigen Ölen.

Die meisten Pflanzenöle sind reich an Omega-6-Fettsäuren, jedoch arm an Omega-3-Fettsäuren. Pferde haben in ihrer natürlichen Nahrung (Gras) in Verhältnis von 0,3:1. Leinöl kommt dem nahe, mit einem Verhältnis von 0,25:1. In Sonnenblumenöl dagegen ist dieses Verhältnis 120:1 und in den meisten sonstigen Getreideölen 10:1. Das bedeutet die entzündungsfördernden Omega-6-Fettsäuren dominieren in vielen Ölen, so dass das von der Natur vorgesehene Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren nicht gewährleistet ist.

Unser Magnopower Liquid® berücksichtigt die natürliche Versorgung des Pferdes und bietet eine evolutionsbiologisch vorgegebene Fettsäureversorgung, was insbesondere für muskelempfindliche Pferde von Vorteil ist.

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