Fütterung des Pferdes bei Sehnenschaden

Sehnenschäden können im Alltag leider schnell auftreten. Bild: C. Slawik

Fallbeispiel: Sehnenschaden

„Hallo, leider bekamen wir am Wochenende die Diagnose Sehnenverletzung mit min. 4 Wochen Boxenruhe. Ich möchte meinen Haflinger auch innerlich bestens versorgt wissen, damit die Verletzung heilen kann. Daher meine Frage, was kann ich geben?“

Was ist eine Sehne?

Sehnen sind die Verlängerung eines Muskels, mit denen der Muskel am Knochen ansetzt. Sehnen bestehen aus kräftigen, leicht gewellten Kollagenfasern, dem kollagenen Bindegewebe. Die Sehnen selbst stellen in Bündeln zusammengefasste Kollagenfasern dar. Diese Kollagenfaserbündel sind von einer schützenden Sehnenhaut (Peritendineum) umhüllt, was ein reibungsloses Gleiten der Sehnen über die Knochen ermöglicht. Einige Sehnen sind zudem über mehr oder weniger lange Strecken von Sehnenscheiden umgeben, die neben ihrer Schutzfunktion auch als Führungskanäle dienen. Sehnen sind nur zu rund 3% an die Blutversorgung angeschlossen, was ihren Stoffwechsel sehr langsam ablaufen lässt und der Grund dafür ist, dass Sehnen im Vergleich zu Knochen und Muskeln sich nur schleppend regenerieren und sehr lange Zeit zur Ausheilung von Verletzungen benötigen.

Das Zusammenspiel aus Sehne, Muskel und seiner Verbindung zum Knochen ist Voraussetzung für jeden Bewegungsablauf. Ist dieser Dreiklang gestört, geht das Pferd lahm.

Mechanische Kraftübertragung

Die für die Bewegung wichtigen Muskeln sind also über Sehnen mit den entsprechenden Knochen verbunden. Durch die am Knochen ansetzenden Sehnen wird die vom Muskel erzeugte Kontraktion auf den Knochen übertragen. Hierzu dienen zwei wesentliche Verbindungstypen, die ineinander übergehen:

  • Muskel-Sehnen-Verbindung
  • Knochen-Sehnen-Verbindung

 

Für die Muskel-Sehnen-Verbindung ist eine feste, aber gleichzeitig elastische Verknüpfung zwischen den Muskelzellen und den Kollagenfasern der Sehnen nötig. Das relativ weiche Muskelgewebe ist zu großen Längenveränderungen in der Lage (bis zu 90% der Gesamtlänge), während das wesentlich straffere Sehnengewebe nur sehr eingeschränkt dehnfähig ist (je nach Sehne nur 3-16% der Gesamtlänge).

Trägt der Muskel unzureichend, werden zwangsläufig die Sehnen überlastet und über Faserrisse geschädigt. Bei jungen Pferden und auch im Aufbautraining muss deshalb auf geringste Anzeichen von Ermüdung der Muskulatur geachtet werden.

Am Ende der Muskelzellen befinden sich rillenartige, längs gerichtete Einsenkungen und röhrenförmige Einstülpungen. In diese Einsenkungen dringen die kollagenen Mikrofibrillen der Sehne ein und das Sehnenbindegewebe wird durch Haftmoleküle (Fibronektin) an den Skelettmuskelfasern angebunden.

Im Bereich dieses Sehnenüberganges zum Muskel befinden sich Golgisehnenorgane, die dem Zentralnervensystem Informationen über den Spannungszustand des Muskels übermitteln. Die Kraftübertragung Muskel-Sehne hängt stark von der strukturellen Integrität zwischen den einzelnen Muskelfasern, der Extrazellulären Matrix (ECM) und der fibrillären Anordnung des Sehnengewebes ab. Ebenso von der Fähigkeit der jeweiligen Sehne Energie zu absorbieren und wieder abzugeben (Kjaer, 2004).

Die Verankerung der Sehnen am Knochen wird entweder über Faserknorpelgewebe oder wird über Bindegewebe gewährleistet, was hauptsächlich am Knochenschaft längerer Knochen der Fall ist. Bänder und Sehnen sind Strukturen des (straffen) Bindegewebes und bestehen hauptsächlich aus Kollagenfasern.

Während Bänder (Ligamente) Verbindungen zwischen Knochen herstellen und somit zu einer Stabilisierung eines Gelenks beitragen (z. B. Gleichbeinbänder im Fesselgelenk), verbinden Sehnen die Muskeln mit den Knochen und ermöglichen dadurch die Kraftübertragung des Muskels auf die Gelenke, so dass diese, vergleichbar mit den Fäden einer Marionette, bewegt werden.

Der leicht gewellte Zustand der Kollagenfibrillen ermöglicht eine optimale Kraftübertragung und kommt zustande, indem zwischen den Kollagenfasern elastische Fasern eingelagert sind, die die Sehne nach Dehnung im entspannten Zustand wieder verkürzen.

Bei der Muskelkraftübertragung durch die Sehne auf den jeweiligen Knochen, verstreicht diese Wellung, wodurch die Elastizität der Sehne automatisch limitiert wird. Sehnen können enormen Zugbelastungen von bis zu einer Tonne pro Quadratzentimeter standhalten, dennoch sind gerade beim Pferd Sehnenverletzungen, Entzündungen und Überlastungsschäden speziell im Bereich der Vordergliedmaße sehr häufig.

Innerhalb des gesamten Sehnenverbandes kommen Kollagenfibrillen mit kleinerem und größerem Durchmesser vor. Hier existiert die Annahme, dass die großen Fibrillen für die Stabilität des Gewebes verantwortlich sind, während die kleinen Fibrillen einer Überdehnung entgegenwirken (Parry et al., 1980). Weiterhin sind Moleküle der Extrazellulären Matrix (ECM), Wasser und Zellen (die Tenozyten genannt werden), enthalten. Tenozyten synthetisieren sowohl Kollagen als auch andere Bestandteile der ECM.

Dieser Aufbau bestimmt die mechanischen Eigenschaften der Sehnen und ermöglicht die Anpassung der Strukturen an Belastungen (Zabrzynski et al., 2018). Zudem sind sie in der Lage, Stöße abzufedern und können mit Hilfe sensorischer Rezeptoren Überbelastungen von Muskeln und Sehnen vermeiden helfen.

Allerdings besitzen Bänder und Sehnen nicht zuletzt auch aufgrund der eingeschränkten Blutversorgung einen relativ langsamen Metabolismus, so dass die Anpassung an das Training im Vergleich zu Muskeln und Knochen zeitlich extrem verzögert auftritt. Diese Anpassung ist übrigens auch altersabhängig. Beim Pferd rechnet man, dass die Sehnen überhaupt erst im Alter von 7 Jahren ihre volle Leistungsfähigkeit erreicht haben.

Problem Sehnenschaden

Sehnenschäden sind die häufigste Ursache für eine Lahmheit beim Pferd. Betroffen sind meist der Fesselträger, die oberflächliche oder die tiefe Beugesehne. Der Grund: Sie überspannen die langen Röhrenknochen der Gliedmaßen und sind extremen Belastungen beim Laufen ausgesetzt.

Verletzungen von Bändern und Sehnen treten beim Pferd insbesondere im Bereich der Vorhand recht häufig auf. Es handelt sich entweder um Zerreißungen oder Überbeanspruchungen die meist begleitet von entzündlichen und/oder degenerativen Veränderungen auftreten. Sehnenschäden machen sich durch Schmerzen bemerkbar, die je nach Ausmaß von Schwellungen, Blutergüssen und Lahmheit begleitet werden.

Die Ursachensuche ist meist unmöglich, da fast immer mehrere Faktoren zum Schaden beitragen und degenerative Veränderungen bzw. kleinere, noch nicht schmerzhafte und deshalb unbemerkte Verletzungen des Sehnengewebes zudem meistens schon lange vor dem Auftreten des schmerzhaften größeren Sehnenschadens bestehen.

Als Ursachen kommen neben Stellungsfehlern, unpassender Hufzubereitung, Übergewicht und Ernährung, einmalig extreme bzw. wiederholte Überbelastung, Stolpern aufgrund von Ermüdung, schlechte Bodenverhältnisse, unzureichende Bemuskelung (Vorsicht im Aufbautraining!) u. a. m. in Frage, aber auch Nichtbelastung (zu wenig Belastung) spielt hier eine Rolle, da die Sehne ohne Belastung schwächer wird. Der Begriff degenerative Veränderungen meint schlicht ein Versagen von Adaption und Remodeling des Sehnengewebes durch ein Ungleichgewicht von Abbau und Neubildung von Kollagen und weiteren Bestandteilen der Extrazellulären Matrix. Dadurch wird die Kollagenstruktur weniger organisiert aufgebaut und die biomechanischen Eigenschaften der Sehnen verändern sich zwangsläufig zum Negativen.

Bewegung und Fütterung

Nach der zunächst bei jedem Sehnenschaden entzündlichen Phase folgt die Proliferationsphase, in der als erste Maßnahme Kollagen III als Narbengewebe synthetisiert wird. Sechs bis acht Wochen nach der Verletzung beginnt die Umbauphase, die bis zu zwei Jahre in Anspruch nimmt.

In der Umbauphase wird das zunächst rasch synthetisierte Kollagen III (Narbengewebe) wieder in das belastbarere Kollagen I umgewandelt und neu vernetzt. Nach der Entzündungsphase ist es deshalb überaus wichtig, die Sehne dosierten Belastungen auszusetzen, da hierdurch die Kollagenbildung angeregt und die Gefahr einer Atrophie bzw. auch Verkürzung der Sehne vermieden wird.

Allerdings darf die Belastungskapazität nicht überfordert werden und es müssen ausreichende Erholungszeiten zur Regeneration eingehalten werden. Mechanische Beanspruchung ist bei den Sehnen, die in Sehnenscheiden verlaufen, besonders wichtig, um Verklebungen zu verhindern.

Neben dem angepassten Bewegungsmanagement ist insbesondere die Regeneration der kollagenen Strukturen von Bedeutung, die wiederum mit Hilfe der Fütterung unterstützt werden kann.

Die Kollagenfaserbündel (Sehnen) unterstützt man am besten mit bioaktiven Kollagenpeptiden, die in unserem Magnokollagen® enthalten sind. Durch die Bereitstellung der passgenauen Bausteine kann man die Regeneration unterstützen. Zusätzlich sind Glucosamin, Chondroitin und Glykosaminoglykane (z. B. in Grünlippmuschel), Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren (Entzündungskaskade), bestimmte Pflanzenextrakte (z. B. Kurkuma) und Vitamin E weitere Unterstützer bei der natürlichen Regeneration einer Sehne, Komponenten die in unserem Magnoflexal® enthalten sind.

Zusatzinfo: Pferdelaufband und Aquatrainer

Die nachfolgende Liste zeigt wissenschaftliche Einschätzungen (Nankervis et al. 2017) zur Eignung von Laufband und Aquatrainer als unterstützendes Bewegungsprogramm bei bestimmten Sehnenerkrankungen und kann unter anderem für Besitzerinnen und Besitzer sowie Rehazentren interessant sein.

 

Einsatzempfehlungen Pferdelaufband

Geeignet für:

  • Akute Verletzung der oberflächlichen Beugesehne
  • Entzündung des Fesselträgers (Vorder- und Hintergliedmaßen) (aber keine Steigung >3° bei Fesselträgerbefunden an den Hintergliedmaßen)

Keine Empfehlung bei:

  • Akute Verletzung der tiefen Beugesehne
  • Entzündung des Fesselträgers an den Hintergliedmaßen und besonders gerader Hintergliedmaßenstellung (in Kombination)

 

Einsatzempfehlungen Aquatrainer

Geeignet für:

  • Verletzung der oberflächlichen Beugesehne, die bereits rd. 1 Monat ausheilen
  • Entzündung des proximalen Fesselträgers (Vordergliedmaße)
  • Bei Entzündung des proximalen Fesselträgers (an den Hintergliedmaßen) nur mit Vorsicht nutzen

Keine Empfehlung bei:

  • Akute Entzündungen der oberflächlichen oder tiefen Beugesehne

 

Beispielration Sehnenschaden

Nachfolgende Beispielration empfehlen wir für die ersten Monate im Falle eines Sehnenschadens. Bei gleichzeitig vorhandenen entzündlichen Prozessen (Rationserweiterung 1) und/oder zur Stärkung des Stützgewebes (Rationserweiterung 2) empfehlen wir die Ration entsprechend anzupassen. Unsere Rationsempfehlungen sind kombinierbar zu jeder alltäglichen Ration.  

  • BasisempfehlungMagnokollagen® zur Regeneration der Kollagenfaserbündel in der Sehne
    • In den ersten 6 Wochen: täglich 15 g je 100 kg Körpergewicht (danach 8 g pro 100 kg KGW, sofern deutliche Besserung des Bildes) 
      • = 90 g pro Tag bei 600 kg KGW (bzw. 48 g pro Tag bei 600 kg KGW)
    • Fütterungsdauer: Unserer Erfahrung nach insgesamt länger als 8 Wochen (langfristige Gabe empfohlen) und bestenfalls aufgeteilt auf zwei Mahlzeiten täglich (Tipp: in angefeuchtetem Futter).

 

  • Optionale Rationserweiterung 1Algenöl zur Unterstützung einer geordneten Entzündungsauflösung und Unterstützung der Regenerationsprozesse.

    • Täglich 2–2,5 ml je 100 kg Körpergewicht 

      • = 12–15 ml pro Tag bei 600 kg KGW

    • Fütterungsdauer: mindestens 8 Wochen (langfristige Gabe empfohlen).

 

  • Optionale Rationserweiterung 2: Magnoflexal® zur Unterstützung der physiologischen Entzündungskaskade
    • Täglich 5 g je 100 kg Körpergewicht 
      • = 30 g pro Tag bei 600 kg KGW
    • Fütterungsdauer: Mindestens 6-8 Wochen

 

  • Optionale Rationserweiterung 3: Magnobuild® Spezial für das belastbare Binde- und Stützgewebe
    • Täglich 6 g je 100 kg Körpergewicht (bzw. 4 g, wenn Magnokollagen® zeitgleich gegeben wird) 
      • = 36 g pro Tag bei 600 kg KGW (bzw. 24 g pro Tag bei 600 kg KGW, wenn mit Magnokollagen® kombiniert)
    • Fütterungsdauer: Mindestens 3 Monate (langfristige Gabe empfohlen)

 

Anmerkung: Unsere Beispielrationen bilden allgemeine Empfehlungen ab, ohne an dieser Stelle weitere Faktoren wie z. B. das Gewicht, das sportliche Leistungsniveau oder für den jeweiligen Einzelfall wichtige Sachverhalte berücksichtigen zu können. Diese berücksichtigen wir gerne für Sie im Rahmen unserer individuellen Fütterungsberatung. Sprechen Sie uns an und wir entwickeln gemeinsam mit Ihnen eine für Ihr Pferd geeignete Fütterungsstrategie.

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