Husten beim Pferd

Husten beim Pferd
Husten ist eine Reaktion auf eine Reizung der Atemwege. Husten hilft, Schadstoffe oder vermehrt gebildeten Schleim schnell wieder aus dem Körper zu katapultieren. Somit ist nicht der Husten das Problem, das bekämpft werden sollte, sondern die Ursache für den Husten.
Husten ist nur ein Symptom, das beim Pferd (viel später als beim Menschen) erst dann auftreten kann, wenn eine Atemwegserkrankung schon weit vorangeschritten ist. Bei Pferden liegt die Reizschwelle für Husten deutlich höher als bei uns Menschen, sodass beim Pferd auch vereinzeltes Husten bereits bedenklich ist. Je länger man abwartet, desto riskanter wird es, dass sich chronische Lungenschäden entwickeln oder dass eine leichte Infektion zu einer ausgewachsenen Lungenentzündung wird.
Hustet ein Pferd jedes Jahr im Winter, sind Staub und Schadgase in vielen unserer Beratungen die Hauptursache, bedingt durch vermehrtes/ längeres Aufstallen (teils bei weniger Bewegung). In diesen Fällen wird oft eine "Stauballergie" diagnostiziert. Wenn das Pferd im Sommer auf der (staubfreien) Koppel vermehrt Symptome zeigt, ist dagegen z. B. eine Pollenallergie wahrscheinlicher.
Für diese Pferde kann bei starkem Pollenflug eine Haltung im Stall die Symptome lindern. Der sog. „Weidehusten“ (engl.: Summer pasture-associated recurrent airway obstruction (SPA-RAO)) verschlechtert sich oftmals insbesondere bei feuchtwarmem Klima, möglicherweise auch durch dann verstärkt auftretende Schimmelpilzsporen (Lais et. Al.; 2006).
Typische Faktoren als Auslöser für Husten und/oder Nasenausfluss können einzeln oder in Kombination sein:
- Schadgase wie Ammoniak, z. B. schlecht gemisteter, wenig belüfteter Stall
- Bakterienendotoxine oder Schimmelpilzsporen, von keimbelastetem Raufutter/Einstreu
- Futtermilbenbestandteile, z. B. Milbenkot im Heustaub
- Pollen
- Weitere Staubbestandteile auf Stroh und/oder Heu, aus der Aufwirbelung von Reitböden, Sandausläufen/Koppel während trockener Perioden
Was tun, wenn mein Pferd hustet?
- Klären der Ursache:
- Infekt: Fieber? Angelaufene Beine?
- Haltung: Husten mehrere Pferde? Wie ist die Staubbelastung und Raufutterqualität? Riecht die Luft nach Ammoniak?
- Allergie: Immer zur gleichen Jahreszeit?
- Info: Unter Umständen hilft ein Allergietest weiter
- Haltungsbedingungen prüfen und ggf. optimieren (u.a. Einstreu auf Staub und Keime überprüfen)
- Inhalieren kann Linderung verschaffen, hier helfen jedoch meist nur mit Salz abgesättigte Sole-Kammern oder spezielle Inhalatoren in Kombination mit Medikamenten
- Bewegen an der frischen Luft (wenn das Pferd kein Fieber hat)
- Ab dem ersten Atemwegssymptom Plantagines+C® geben, um die Atemwege zu beruhigen und einer Verschleimung entgegen zu wirken bzw. die Schleimverflüssigung zu unterstützen, Dosierung je nach Schweregrad der Symptome wählen (immer mit der hohen Dosierung beginnen)
- Weitere Unterstützung der Atemwege über die Fütterung, z. B. durch bedampftes Heu bei gleichzeitigem Ausgleich der Verluste an Protein und Aminosäuren (hierfür haben wir Magnomino® entwickelt) und Omega-3-Fettsäuren (z. B. unser Algenöl)
Staubreduzierte Haltung
Ein besonderes Augenmerk sollte bei hustenden Pferden generell auf der Haltung liegen, egal ob ein akuter Infekt vorliegt, COB vermutet wird oder Sie Atemwegserkrankungen vorbeugen möchten. Mehr zum Thema Atemwegserkrankungen beim Pferd finden Sie hier.
Pferde sind Fluchttiere, die in der freien Natur an der frischen Luft leben und damit in einer staubarmen Umgebung. So bedeutet auch gute Stallluft bereits, dass im Gegensatz zur Frischluft 10mal mehr Partikel enthalten sind.
Pferde fühlen sich außerdem bei niedrigeren Temperaturen als Menschen wohl. Während wir bei 10°C schon die Winterjacke herausholen, ist Pferden bei 5°C – vorausgesetzt, die Luftfeuchtigkeit ist nicht hoch und es zieht nicht – noch pudelwarm. Schließlich besitzen sie Fell und ihre persönliche Heizung: den Dickdarm. Der Stall kann und sollte also nach wie vor belüftet sein. Selbst wenn es kälter wird, ziehen die meisten Pferde eine Decke und frische Luft vor. Für das Management bedeutet dies, dass in der Haltung, wann immer es möglich ist, der frischen Luft der Vorzug zu geben ist.
Wenn die Boxen gemistet oder Heu aufgeschüttelt wird, sollten die Pferde nach Möglichkeiten nicht in den Boxen sein. Die Staubbelastung durch Heu kann über Wässern oder Bedampfen reduziert werden. Mehr zum Thema Staubbelastung erfahren Sie hier.
Bewässern bedeutet, das Heu wirklich nass zu machen, ein wenig mit der Gießkanne beträufeln hat einen unzureichenden Effekt. Ganz besonders wichtig ist bei Atemwegserkrankungen, Heu von höchster hygienischer Qualität zu verwenden und Reste, je nach Außentemperatur, bereits nach einigen Stunden zu entsorgen. Anderenfalls können sich in gewässertem Heu Mikroorganismen vermehren und gefährlich für Ihr Pferd werden.
Die Gefahr ist bei bedampftem Heu deutlich geringer: durch die Hitze werden Bakterien und Schimmelpilze soweit reduziert, dass das Heu innerhalb von 24Stunden problemlos gefressen werden kann. Wässern und Bedampfen hat allerdings auch Einfluss auf das Nährstoffangebot im Heu (Verlust von Protein, Mineralstoffen). Mehr zu diesem spannenden Thema erfahren Sie hier.
Wann braucht es den Tierarzt?
Zunächst sollten Sie Fieber messen, denn Fieber ist immer ein Grund für eine genaue Untersuchung des Pferdes. Pferde mit einer Körpertemperatur ab 39°C sollten sich nicht anstrengen. Ist die Temperatur höher bzw. sinkt die Temperatur nicht innerhalb von zwei Tagen oder frisst Ihr Pferd schlechter, sollten Sie umgehend einen Tierarzt verständigen.
Auch Husten oder Nasenausfluss, der sich länger als eine Woche hinzieht, sollte tierärztlich abgeklärt werden, damit aus einem einfachen Husten (z. B. im Fellwechsel) keine chronische Erkrankung wird. Wichtig: Bei Atemnot muss sofort ein Tierarzt hinzugezogen werden.
Da der Tierarzt Ihr Pferd nur zur Untersuchung sieht, ist er im Rahmen der Anamnese auf Ihre Beobachtungen angewiesen. Am besten notieren Sie für Ihren Tierarzt bzw. für Ihre Tierärztin alle Informationen, die Sie durch Ihre Beobachtungen gewonnen haben.
Wichtige Informationen für Ihren Tierarzt
- Seit wann tritt der Husten auf?
- Hatte mein Pferd Fieber (>38,2°C in Ruhe)?
- Wenn ja, wie hoch und wie lange trat Fieber auf?
- Wann wurde Husten beobachtet?
- Beim Fressen?
- Bei der Arbeit?
- Bei vermehrter Staubbelastung?
- Bei warmem/kaltem Wetter?
- Wie oft hustet mein Pferd?
- Wie klingt der Husten? (z. B. giemend, trocken, produktiv)
- Gibt es Auswurf?
- Gibt es einen Nasenausfluss?
- Sind Leistungsminderungen aufgefallen?
- Sonstige Auffälligkeiten beim Atmen? (z. B. Bauchpresse/Dampfrinne, geblähte Nüstern)







