Getreidefreie Fütterung des Pferdes

Bild: Slawik

Fallbeispiel: Mineralfutter bei getreidefreier Fütterung

„Sehr geehrte Frau A.,

vielen Dank für Ihre Beratung, gerne würde ich mir auch eine Empfehlung für ein Mineralfutter geben lassen. Ich füttere seit längerem (…) und ergänzend im Fellwechsel Zink dazu. Der zweite Wallach im Bunde ist ebenfalls Isländer und bereits 28 Jahre, wäre gut, wenn das irgendwie zusammen ginge. Ich füttere getreidefrei und reite freizeitmäßig. Mit bestem Dank, C. F.“

Vor- und Nachteile einer getreidehaltigen Fütterung

Der vermeintliche Vorteil einer getreidehaltigen Fütterung (wir nehmen Hafer als Beispiel) ist, dass dem Körper auf einfache Weise Zucker (in Form von Stärke) für den Energiestoffwechsel zugeführt werden kann, zusätzlich zu jener Energie, die aus der Aufnahme von Gras bzw. Heu gewonnen wird. Wichtig ist es dabei, die physiologischen Grenzen zu beachten und bei einem gesunden Pferd täglich nicht mehr als 0,45 kg (max. 0,6 kg) Hafer pro 100 kg Körpergewicht (verteilt über mehrere Mahlzeiten) zu geben. Pro Mahlzeit empfehlen wir nicht mehr als 0,15 kg (max. 0,3 kg) Getreide je 100 kg Körpergewicht zu füttern. Wesentliche Frage in Bezug auf den Einsatz von Getreide in der Pferdefütterung ist daher das benötigte bzw. gewünschte Maß an Energie und das Arbeitsniveau. Getreide besitzt neben Stärke auch wichtige Elemente wie z. B. Magnesium, Calcium und Phosphor, die bei einer Verstoffwechselung dem Körper zugeführt werden (weiterer Vorteil).

Nachteile einer getreidehaltigen Fütterung können z. B. entstehen, wenn die verabreichte Krippenfuttermenge zu hoch ist, so dass sich Magenschleimhautveränderungen entwickeln können und/oder durch Fermentationsprozesse die Dickdarmflora und damit die Verdauungsleistung des Pferdes negativ beeinflusst werden. Weiterhin gibt es bestimmte Situationen (z. B. Getreideunverträglichkeit) oder Stoffwechsellagen (z. B. EMS, Cushing oder PSSM), die eine getreidefreie Fütterung anzeigen.

Was ist eine getreidefreie Fütterung?

Viele Pferdebesitzerinnen und -besitzer entscheiden sich aufgrund von Magenproblemen, EMS, Cushing (PPID), PSSM oder einer Getreideunverträglichkeit für eine getreidefreie Fütterung. Umgesetzt in die Praxis bedeutet dies einen weitgehenden Verzicht auf Getreide (wie z. B. Hafer), oftmals unter Einsatz eines getreidefreien Krippenfutters. Aus evolutionsbiologischer Sicht spricht hier nichts dagegen, da sich der Verdauungstrakt der Pferde auf eine in der Steppe vorherrschende energiearme, rohfaserreiche Nahrung eingestellt hat, bei der Getreide keine Rolle im Futteralltag spielte.

Mineralstoffversorgung bei getreidefreier Fütterung

In pferdegerechten Rationen ist Heu der wichtigste Lieferant für Mineralien, da Heu den mengenmäßig größten Anteil an der Gesamtfütterung hat und Heu in der Regel (abgesehen von Natrium, Zink, Kupfer, Jod und Selen) auch ausreichend Mineralien enthält. Allerdings können die tatsächlich im Heu enthalten Mineralstoffe von dieser Regel auch stark abweichen, insofern ist ein gewisser Sicherheitszuschlag bei den Mineralien über ein Mineralfutter in der Praxis sehr sinnvoll. Die Aufnahme von Mineralien und damit die Versorgung unterliegt Interaktionen, d. h. ein hohes Maß an Überversorgung mit einzelnen Mengen- wie auch mit Spurenelementen muss ebenso vermieden werden wie eine Unterversorgung.

In Getreide, wie dem Hafer, ist u. a. Calcium (wichtig unter anderem für die Mineralisierung von Knochen) und Phosphor (ebenfalls wichtig für die Skelettgesundheit) enthalten, wobei die Menge der beiden Elemente im Getreide das wichtige Calcium:Phosphor-Verhältnis und dessen Regelkreislauf bestimmen. Hafer ist bspw. calciumarm und phosphorreich. Bei freiem Zugang zu Heu ist die Calciumversorgung eines Pferdes in der Regel gesichert. Dies trifft nicht unbedingt auf die Versorgung mit Phosphor zu.

Exkurs: Aussagekraft von Blutbildern zur Mineralstoffversorgung

Blutbilder sind zur Kontrolle der Versorgungslage mit Mengen- und Spurenelementen nur eingeschränkt geeignet, denn Blut ist ein reines Transport- und kein Speichermedium. Dennoch führen von der Norm abweichende Werte verständlicherweise zu Verunsicherung und Sorge. Wir sehen uns das Blutbild im Kontext an und überprüfen deshalb gleichzeitig anhand der aktuellen Fütterung die Versorgungslage mit Mineralien. Heu ad libitum macht die Berechnung zwar etwas “tricky“, denn wir wissen zwar, wie viel Heu angeboten wird, aber nicht, wie viel Heu gefressen wird. Anhand des BCS können wir die Menge jedoch zumindest abschätzen. Wenn keine Heuanalyse vorliegt und Heu von verschiedenen Lieferanten bezogen wird, nutzen wir für die Berechnung die Durchschnittsgehalte der LUFA-Analysen aus dem Erntejahr.

Fütterungsempfehlung für getreidefreie Fütterung

Wenn die Nährstoffe aus dem Getreide entfallen, ist bei einer getreidefreien Fütterung darauf zu achten, dass keine Nährstofflücken entstehen. Insbesondere Calcium und Phosphor sollten durch ein für die getreidefreie Fütterung geeignetes, d. h. das Ca:P-Verhältnis berücksichtigendes Mineralfutter ergänzt werden. Ein Mineralfutter mit einem sehr weiten Ca:P-Verhältnis, ist bei einer getreidefreien Fütterung häufig ungeeignet, da ja keine Phosphoraufnahme mehr über Getreide (Hafer liefert viel Phosphor bei wenig Calcium) erfolgt. Deshalb empfiehlt sich bei getreidefreier Fütterung (bei gleichzeitiger Heufütterung) ein Mineralfutter mit niedrigerem Calcium- und höherem Phosphorangebot, um ein wünschenswertes Ca:P-Verhältnis von 1,5 bis max. 2:1 in der gesamten Tagesration zu erreichen.

Wir raten der Kundin deshalb zur Gabe von 60 g Magnometabol®, um das Ungleichgewicht bzw. Mängel in der Versorgung mit Mengen- und Spurenelementen sowie Vitaminen bei einer getreidefreien Grundfütterung sicher und in ausgewogenem Verhältnis zueinander auszugleichen.

Manche Mineralien, wie insbesondere die Spurenelemente Zink, Kupfer, Jod und Selen sind im Heu häufig in zu geringer Menge enthalten (wie Heuanalysen der LuFA aus den Jahren 22/23 zeigen). Ein speziell auf getreidefreie, heubetonte Fütterung ausgelegtes Mineralfutter wie Magnometabol® schließt die Nährstofflücken einer getreidefreien Fütterung, wie die erwartbare Unterversorgung mit Phosphor, evtl. Magnesium und Spurenelementen, essenziellen Aminosäuren und Vitaminen. Dabei zeichnet sich Magnometabol® durch einen Stärke- und Zuckergehalt von unter 3 % (!) aus und die enthaltene Alge Spirulina platensis verbessert zudem nachweislich die Insulinsensitivität bei Pferden mit EMS.

Beispielration: Getreidefreie Fütterung

Nachfolgende Beispielration empfehlen wir regelmäßig bei Abwesenheit weiter zu berücksichtigender Stoffwechsellagen oder Sachverhalte, um die Basisversorgung des Pferdes mit allen wichtigen Nährstoffen abzusichern.

  • Basisempfehlung (leichte bis mittlere Arbeit) mit Magnometabol®:
    • Heu: Mindestens 1,7 kg (je nach Ernährungszustand und Futterverwertung) bis zu 2,4 kg pro 100 kg Körpergewicht (= 10,2 kg bis 14,4 kg pro Tag bei 600 kg KGW); bei schwerfuttrigen Pferden ggf. ad libitum
    • Kraftfutter: Getreidefreies Müsli (unmineralisiert, unter 10 % Stärke) 0,15-0,45 kg pro 100 kg Körpergewicht pro Tag (= 0,9-2,7 kg pro Tag bei 600 kg KGW, bestenfalls verteilt auf mehrere Mahlzeiten)
    • Magnometabol® 10–15 g pro 100 kg Körpergewicht (= 60–90 g bei 600 kg KGW pro Tag)
       
  • Rationserweiterung: Magnoguard® bei Magenschleimhautveränderungen bzw. magenempfindlichen Pferden
    • A) Intensivkur: 35 g Magnoguard® je 100 kg Körpergewicht pro Tag
    • = 210 g bei 600 kg KGW pro Tag, bestenfalls mehrmalige Gabe (Aufteilung auf 2–4 Portionen)
    • Fütterungsdauer: Mindestens 6 Wochen
       
    • B) Magenempfindliche Pferde (ohne Befund): 15 g je 100 kg Körpergewicht pro Tag
    • = 90 g pro Tag bei 600 kg KGW
    • Fütterungsdauer: In diesem Fall empfehlen wir gerne eine Dauergabe
       

Anmerkung: Unsere Beispielrationen bilden allgemeine Empfehlungen ab, ohne an dieser Stelle auf weitere Faktoren wie z. B. das Gewicht, das sportliche Leistungsniveau oder für den jeweiligen Einzelfall weitere wichtige Sachverhalte eingehen zu können. Diese berücksichtigen wir für Sie sehr gerne im Rahmen unserer individuellen Fütterungsberatung. Sprechen Sie uns einfach an und wir entwickeln gemeinsam mit Ihnen eine für Ihr Pferd geeignete Fütterungsstrategie.

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