Das Distanzpferd, der Weg ist das Ziel

Bei Distanzpferden ist der Weg das Ziel und das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Fütterungsstrategie. Bildquelle: C. Slawik

Fallbeispiel: Mineralstoffversorgung und Muskulatur

„Liebes iWest-Team,

ich hätte eine Frage zur Mineralstoffversorgung unserer Distanzpferde. Bisher füttere ich Magnolythe S100 und bin damit grundsätzlich sehr zufrieden. Allerdings habe ich bei den Pferden, die regelmäßig auf CEI*-Niveau unterwegs sind, zusätzlich noch Vitamin E, Aminosäuren und weitere muskelrelevante Ergänzungen zugefüttert, um den erhöhten Bedarf im Hochleistungssport abzudecken. Mittlerweile habe ich fünf FEI-qualifizierte Pferde, die international im Einsatz sind. Deshalb frage ich mich, ob Magnomyoforte für unsere Pferde nicht die passendere Wahl als das S100 wäre, da es den Schwerpunkt stärker auf den Muskelstoffwechsel und die Regeneration legt. (…)

Liebe Grüße A. V.“

Energie aus dem Heu

Die Hauptenergiequelle für ein Pferd im Distanzsport sind kurzkettige, flüchtige Fettsäuren, die bei der mikrobiellen Fermentation im Dickdarm aus dem Gras bzw. Heu entstehen. Diese kurzkettigen Fettsäuren dienen als kontinuierliche, direkt nutzbare Energiequelle für die in Ausdauerbelastung geforderten Muskelzellen.

Für den Distanzsport sind zwei Muskelzelltypen leistungslimitierend:

  • -die langsam kontrahierenden ermüdungsfreien ST-Muskelfasern und
  • -die roten schnell kontrahierenden FTH- Muskelfasern.

 

Die langsam kontraktilen ST-Muskelfasern verbrennen ausschließlich Fett, die schnell kontraktilen FTH-Zellen verbrennen Fett und Glukose. Im Idealfall erhält ein Distanzpferd einen möglichst hohen Prozentsatz der benötigten Energie aus der Fermentation im Dickdarm.

Für das Distanzpferd geeignetes Heu hat neben einer extrem guten hygienischen Beschaffenheit und einer hohen Schmackhaftigkeit (!) einen Anteil von mehr als 24 % Rohfaser, wobei Vorsicht vor zu hohem Ligninanteil der Rohfaser geboten ist (sprich vor überständigem, verholzten Heu!), und einem Energiegehalt von 8 MJ je kg.

Leistungsfalle Insulin

Die Magen- und Dünndarmverdauung des Pferdes ist von Haus aus nicht auf große Mengen an Stärke und Zucker ausgelegt und lässt damit evolutionsbedingt ohnehin nur eine begrenzte Energiezufuhr über Kohlenhydrate zu. Beim Distanzpferd kommt noch ein weiterer Grund für reduzierte Kohlenhydratfütterung hinzu: Blutzuckerschwankungen sollten möglichst gering gehalten werden.

Eine Fütterung mit hohem Anteil an Stärke (Getreide) führt zu einem Anstieg von Insulin und zu einem Abfall von Thyroxin. Beide Hormone wirken synergetisch, um den Energiehaushalt zu regulieren. Während Insulin nach dem Training hilft, Glukose in Zellen einzuschleusen (Aufbauphase), sorgt Thyroxin für einen hohen Umsatz und gute Energieverwertung (Abbauphase).

Das Problem ist nun, dass der Zucker aus dem Getreide zu einer Ausschüttung von Insulin führt, um die Zuckeraufnahme in die Zellen zu ermöglichen. Der damit verbundene Abfall von Thyroxin ist deshalb problematisch, da Reiter und Pferd sind auf ihrem Distanzritt sind und für diesen verfügbare (das heißt aus den Speichern freigesetzte) Energie benötigen.

Deshalb gilt die Regel: Viel Heu und wenig Getreide für Distanzpferde!

Distanzreiten ist ein energieverbrauchender Vorgang und Hormone sind immer stärker als der Wille. Vermeiden Sie deshalb unbedingt, insbesondere vor dem Start sowie vor einer intensiven Trainingseinheit, eine Insulinausschüttung durch eine (überhöhte) Getreidefütterung zu forcieren. Mindestens vier Stunden vor dem Start, während des Rittes sowieso, keine (allenfalls geringe Mengen) Kohlenhydrate aus Getreide zu füttern, ist eine der Grundregeln bei der Fütterung eines Distanzpferdes!

Wasser und Elektrolyte

Ein ausgewogener Flüssigkeitshaushalt ist allgemein unabdingbar für Gesundheit, Wohlbefinden und Voraussetzung für die Leistungsfähigkeit des (Distanz-)Pferdes. Wasseraufnahme und Wasserverluste müssen einander entsprechen, denn Folgen von übermäßigem Flüssigkeitsverlust können sein:

  • Einschränkung des wasserabhängigen Energiestoffwechsels
  • Erhöhung der Harnstoffkonzentration
  • Bluteindickung (Hämokonzentration)
  • Verringerte Schweißabsonderung
  • Dehydration

 

Wichtig ist auch der Zusammenhang von Wasser und Schweiß: Sobald der Körperwasserverlust ein bestimmtes Maß erreicht, wird weiterer Wasserverlust via Schweiß vermieden. Schweiß dient primär dafür, den Körper zu kühlen. Sobald die Schweißmenge gedrosselt wird, versucht der Körper, die bei der Muskelbewegung unvermeidbare Wärmeentwicklung, über eine Erweiterung der Hautgefäße über die sogenannte Konvektion an die Umgebung abzugeben. Blut wird in diesem Fall vermehrt in die Hautgefäße gepumpt und damit gleichzeitig der Muskulatur entzogen, was zu einer verschlechterten Versorgung mit Nährstoffen und zu einer verschlechterten Entsorgung der im Energiestoffwechsel entstehenden Stoffwechselendprodukte führt.

Eine angemessene Flüssigkeitsversorgung gewährleistet somit, zusammen mit der geforderten guten Raufutterversorgung, dass der Dickdarm seine Funktion als körpereigenes Reservoir für Flüssigkeit und Elektrolyte optimal erfüllen kann.

Rund 80% der Trinkwasseraufnahme beim Pferd korreliert mit der Heuaufnahme. Es gilt also folgende Regel: je mehr Heu gefressen wird, desto mehr Wasser wird getrunken. Außerdem werden mit dem Heu auch wichtige Mengenelemente, hauptsächlich Kalium, aufgenommen.

Wird das Distanzpferd dem Bedarf und der optimalen Energieversorgung entsprechend mit viel Heu versorgt, so unterstützt diese Fütterung das natürliche Durstgefühl und somit ein bedarfsgerechtes Trinkverhalten.

Als Faustregel zur Orientierung kann gerechnet werden, dass pro Stunde mittlerer Trabgeschwindigkeit bei einer Außentemperatur von 20° rund 1l Schweiß pro 100kg Körpergewicht verloren wird. Der Schweißverlust steigt entsprechend an, sobald die Laufgeschwindigkeit und/ oder die Außentemperatur höher werden.

Bei ungenügender Zufuhr an Wasser und Elektrolyten bleibt die Schweißproduktion eines Pferdes zunächst unverändert, allerdings auf Kosten des Körperbestandes an Wasser und Elektrolyten. Erst bei einem massiven Abfall wird die Schweißsekretion vermindert. Im Ergebnis verdient der Wasser- und Elektrolythaushalt eines Distanzpferdes daher eine ganz besondere Beachtung und Fürsorge.

Bedenken Sie daher bitte: Die Auffüllung des körpereigenen Wasser- und Elektrolythaushaltes ist bereits drei Tage vor dem Wettkampf, in allen Pausen am Wettkampftag und mindestens noch drei bis vier Tage nach dem Wettkampf nötig.

Distanzpferde sollten gelernt haben, in den Pausen ausreichend zu trinken, das ist Gewohnheit und kann durch eine Handvoll Kleie im Wassereimer z.B. geschmacklich noch interessanter gemacht werden.

Wir empfehlen Megalyt Sol® als Elektrolyttrunk anzubieten, um die Elektrolytversorgung zu sichern. Lösen Sie ca. 30 g Megalyt Sol® in 10 Liter Wasser auf, geben Sie eventuell zur Geschmacksverbesserung noch 200 g Weizenkleie oder Mash hinzu. Dieses Vorgehen ermöglicht es Ihnen mit dem Schweiß verlorenes Wasser und Elektrolyte wieder aufzufüllen. Lassen Sie Ihr Pferd davon trinken, soviel es will, es wird Ihnen zeigen, wann die Speicher wieder aufgefüllt sind (das dauert je nach Fall ein paar Tage). Verweigert ein Pferd trotz Geschmacksverbesserung die Aufnahme, so kann Megalyt Sol® auch über das Krippenfutter (10 g pro 100 kg Körpergewicht) zugeführt werden. Bieten Sie Ihrem Pferd darüber hinaus immer auch gleichzeitig zu Megalyt Sol® reines und frisches Wasser an, denn so hat Ihr Pferd die Wahl, die es auch nutzen wird, um den Wasser- und Elektrolytbedarf zu decken.

Antioxidantien

Die Fähigkeit für Distanzpferde große Strecken zu überwinden, setzt Energie (flüchtige Fettsäuren sind der Treibstoff aus dem Gras bzw. Heu) voraus, wobei diese Energie (in Form von Adenosin-Tri-Phosphat; ATP) durch den Übertrag von Elektronen und mit Hilfe von Sauerstoff in den Kraftwerken der Zellen (Mitochondrien) gebildet wird. Dieses vom Körper gebildete Energiesubstrat steht dann für die Muskelarbeit, das Gehirn, die Zellteilung und viele andere Prozesse zur Verfügung. Dieser als Atmungskette bezeichnete chemische Vorgang, der in Milliarden von Zellen gleichzeitig stattfindet, und insbesondere der hierfür benötigte Sauerstoff bilden die Voraussetzung dafür, dass wir und unsere Pferde leben, aber auch arbeiten können.

Ohne Sauerstoff geht somit gar nichts. Allerdings ist Sauerstoff auch ein reaktives Element, denn es besitzt von Haus aus sechs Elektronen, würde jedoch aus chemischer Sicht als sogenanntes Chalkogen gerne acht Elektronen in Summe erhalten (Oktettregel), um stabil zu sein. Dieses Streben ist beispielsweise dafür verantwortlich, dass zwei Wasserstoffatome (mit je einem Elektron) in Verbindung mit Sauerstoff (sechs Elektronen) das stabile Element Wasser (H2O) bilden.

Die Reaktionsaffinität von Sauerstoff kann allerdings unerwünschte Folgen in Form von reaktiven Sauerstoffspezies (Sauerstoffradikalen) haben. Darunter versteht man nur teilweise reduzierte Sauerstoffverbindungen, die versuchen fehlende Elektronen zu gewinnen. Das macht sie äußerst reaktiv gegenüber Zellbestandteilen. Man spricht dann von oxidativem Stress, wenn die Anzahl der reaktiven Sauerstoffspezies zunimmt und der Körper nicht mehr in der Lage ist, diese durch körpereigene bzw. auch mit Hilfe von über die Nahrung zugeführten Antioxidantien zu neutralisieren.

Alle Pferde decken Ihren Bedarf an Antioxidantien normalerweise durch die stundenlange Aufnahme von frischem Gras, denn Gras ist reich an Vitamin E. Im Fall eines Distanzpferdes allerdings sind auf dem Distanzritt die Möglichkeiten zu grasen eingeschränkt und im Heu sind die Gehalte an Vitamin E beschränkt. Darüber hinaus leisten Distanzpferde viel und hierfür wird viel Sauerstoff gebraucht, so dass die Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies bzw. Sauerstoffradikalen begünstigt wird.

Aus diesem Grund ist es sinnvoll, diese Mehrleistung durch eine entsprechend bedarfsdeckende Versorgung mit hochwertigen Antioxidantien abzusichern, damit beim Distanzpferd insbesondere die empfindlichen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren der Zellmembran vor oxidativen Schäden bewahrt werden und die Stabilität und Funktionsfähigkeit jeder einzelnen Körperzelle, sowie eine schnelle Regeneration der Muskulatur gewährleistet ist.

Beispielration Distanzpferd

Nachfolgende Beispielration empfehlen wir an dieser Stelle allgemein, um Distanzpferde mit mittlerer Arbeit über die Fütterung zu unterstützen. Mit folgenden Ergänzungen können Sie die individuelle Ration Ihres Distanzpferdes zusammenstellen und aufwerten.

  • Heu: blattreich, 1. Schnitt, hygienisch einwandfrei
    • 2–2,5 kg pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
    • = 9–11,25 kg pro Tag bei 450 kg KGW, zusätzlich Weidegang
  • Kraftfutter: bei mittlerer Arbeit
    • moderater Stärkegehalt, energiereich
    • Tagesmenge rd. 100–150 g Kraftfutter und 15–30 ml Öl pro 100 kg Körpergewicht; verteilt auf mehrere (mindestens 3) Mahlzeiten
    • Vorschlag mit Hafer und Öl:
      • 120 g Hafer und 30 ml Öl (z. B. Magnopower Liquid®) pro 100 kg KGW
      • = 0,54 kg Hafer + 135 ml Öl bei 450 kg KGW pro Tag
  • Mineralfutter: Magnolythe® S100 oder Magnomyoforte® zur bedarfsdeckenden Versorgung mit Mineralien und Vitaminen
    • Nach Anfütterung: 10 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
      • = 45 g pro Tag bei 450 kg KGW
    • Anfütterung (2 Wochen) und bei erhöhtem sportlichem Bedarf: 15 g pro 100 kg Körpergewicht
      • = ca. 70 g pro Tag bei 450 kg KGW

 

Optionale iWEST® Ergänzungsfuttermittel

  • Magnoturbo® für Kraft und Dynamik:
    • Je nach Bedarf: 20–70 g je 100 kg Körpergewicht
    • Empfehlung: auf 2–3 Mahlzeiten verteilt, ideal morgens und abends und/oder ab 1 Stunde nach der Belastung füttern
    • Beginn: mind. 3 Wochen vor der Leistungsanforderung
    • Unser Tipp zur schnellen Regeneration nach intensiver Leistungsanforderung: Innerhalb von sechs Stunden nach der Leistung 50–70 g pro 100 kg Körpergewicht anbieten
      • = 225–315 g pro Tag bei 600 kg KGW, verteilt auf mehrere kleine Portionen

 

  • Megalyt Sol® zur Sicherung der Elektrolytversorgung
    • 1 Messlöffel (ca. 30 g) auf 10 l Wasser geben; bei starken Schweißverlusten 2 x 10 l Elektrolyt-Lösung anbieten
    • Trunk als tägliches Angebot zur Selbsttränke in der Box oder auf dem Paddock; immer zusätzlich frisches Wasser zur freien Verfügung anbieten
    • Wichtig: Beginnen Sie ein paar Tage vor der sportlichen Leistung mit dem Angebot an ihr Pferd und bieten Sie die zudem Lösung direkt nach dem Transport an

 

Anmerkung: Unsere Beispielrationen bilden allgemeine Empfehlungen ab, ohne an dieser Stelle auf weitere Faktoren wie z. B. das Gewicht, das sportliche Leistungsniveau oder für den jeweiligen Einzelfall weitere wichtige Sachverhalte eingehen zu können. Diese berücksichtigen wir für Sie sehr gerne im Rahmen unserer individuellen Fütterungsberatung. Sprechen Sie uns einfach an und wir entwickeln gemeinsam mit Ihnen eine für Ihr Pferd geeignete Fütterungsstrategie.

Kundenfeedback zu Magnokollagen®

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