Fütterung bei "Hufkrebs"

Hufkrebs ist kein Krebs, kann aber zu Beeinträchtigungen der Gliedmaßen führen, so dass ein entsprechender Behandlungsplan auszustellen ist. Bildquelle: C. Slawik

Fallbeispiel: Hufkrebs

„Guten Morgen,

Bei einem Sehnenproblem habe ich Ihre Produkte bereits erfolgreich angewendet. Jetzt habe ich leider eine Hufkrebs-Thematik bei einem Pferd und wollte fragen, ob Sie auch in diesem Zusammenhang eine Empfehlung aussprechen können?

Vielen Dank, J. K.“

Was ist Hufkrebs?

Der Begriff „Hufkrebs“ ruft schnell Assoziationen auf, die nicht korrekt sind, da es sich um keine Krebserkrankung handelt. Bei Krebs kommt es auf Zellebene zu einer Situation, in der Zellen unkontrolliert wachsen und sich der physiologischen Regulation entziehen.

Demgegenüber ist Hufkrebs eine progressive Pododermatitis (pododermatitis chronica verrucosa sive migrans). Also eine chronische, progressive Entzündung der Huflederhaut, mit einer epidermalen Verhornungsstörung und lokal degenerativer Wucherung des Papillarkörpers, aber keine maligne Neoplasie (bösartige Gewebeneubildung) und keine systemische Erkrankung.

Als Ursache wird eine Dysregulation der Differenzierung der Keratinozyten (Prozess der Zellreifung) diskutiert. Es kommt dabei zu einer Proliferation durch die dermalen Papillarkörper mit anschließendem Fehlen einer epidermalen Verhornung.

Papillarkörper sind Ausstülpungen der Lederhaut im Huf, im Wesentlichen der Kronleder- und der Hufsohlenlederhaut. Hufkrebs kann einen oder mehrere Hufe befallen und das Wohlbefinden des Pferdes, z. B. Lahmheiten im späten Stadium, beeinträchtigen (Apprich et al., 2017).

Die Veränderungen stellen sich optisch krebsähnlich dar, da die Gewebevergrößerungen blumenkohlartig aussehen. Es wird vermutet, dass es zu einer kompensatorischen Reaktion kommt. Das bedeutet, dass der Körper durch Neubildung von (minderwertigem) Horn reagiert. Das weiche, übelriechende Hufkrebsgewebe beginnt zumeist am Strahl und breitet sich u. U. auch auf Eckstreben, Sohlenhorn und Hufwand aus. Die Gliedmaße geht dadurch nicht unter, aber die Funktion für den Blutkreislauf, als auch die Nutzung selbst, werden eingeschränkt.

Ursachen und Therapie

Die Ätiologie, d. h. der ursächliche Zusammenhang, dieser Erkrankung ist nach wie vor ungeklärt, aber es werden verschiedene, begünstigende Faktoren, auch in Kombination, diskutiert (multifaktorielle Ursachen):

  • Genetische Prädisposition (v. a. Kaltblüter, Friesen, Tinker sind überrepräsentiert)
  • (Auto-) Immunreaktion
  • Mangelnde Hufpflege, Zwanghufe, Strahlfäule
    • dies kann zu ungünstigen Druck- (Zug-) Verhältnissen und Minderdurchblutung führen
  • Haltungsbedingungen (unhygienische Stallverhältnisse)
    • Insbesondere Ammoniak und Harnstoff kann die Proteinstruktur des Horns angreifen, was zu Zellzerstörung führt
  • Mikroorganismen
    • Vorhandensein von bestimmten Bakterien, u. a. Fusobacterium necrophorum
      • Auch wird eine Beteiligung von Treponemen species(sp.) diskutiert (Quatember, 2020)
    • Sekundärinfektionen möglich, da geschädigte Hornzellen eine eingeschränkte Schutzfunktion gegen Mikroorganismen haben
  • Fütterungsfehler:
    • Mangel an: Zink, ggf. zudem an schwefelhaltigen Aminosäuren und Biotin
    • Überversorgung an Vitamin A (Hypervitaminose)

Der über lange Zeit angenommene Zusammenhang zwischen dem Bovinen Papillomavirus (BPV1, BPV2) und Hufkrebs wurde nicht bestätigt (Apprich et al. 2020).

Es gibt derzeit verschiedene Behandlungsansätze für Hufkrebs, aufgrund der unklaren Ursachen(kombination):

  • Chirurgische Entfernung des Gewebes und Wundmanagement
  • Behandlung mit Medikamenten
  • Systemische Therapie (Antibiotika, Chemotherapeutika)
  • Anpassung der Fütterung

Grundsätzlich bildet ein gründliches Ausschneiden der betroffenen Hufe, in Kombination mit guter Hygiene durch saubere und regelmäßig gewechselte Hufverbände bei trockenem Untergrund in vielen Fällen die erste Basis.

Die Therapie von Hufkrebs gilt allgemein als schwierig, langwierig und kostenintensiv. Eine Heilung ist dabei nicht sicher garantiert, in der Praxis kommt es regelmäßig zu Rezidiven. Der Behandlungserfolg kann jedoch stagnieren.

Neben den chirurgischen Maßnahmen kann man versuchen den Behandlungsplan „von innen“ mit Hilfe der Fütterung zu unterstützen.

Ungeachtet der verschiedenen Reaktionsmöglichkeiten auf Hufkrebs, muss es in diesem Zusammenhang auch immer darum gehen präventiv potenzielle Risiken auszuschließen.

Fütterung bei Hufkrebs

Aufgrund der aktuell diskutierten multifaktoriellen Ursachen (siehe oben) empfiehlt es sich, dass die Besitzerin bzw. der Besitzer eines betroffenen Pferdes mehrgleisig fährt, um die sich unterscheidenden möglichen Ursachen auszuschließen.

Zunächst sollte die Abstimmung mit der eigenen Tierärztin bzw. Tierarzt erfolgen, um unter Berücksichtigung der Pferderasse einen entsprechenden Behandlungsplan (Medikamentengabe, chirurgischer Eingriff, systemische Therapie o. ä.) aufzustellen.

Im Bereich des Stallmanagements geht es darum, eine mangelnde Hufpflege auszuschließen und unhygienische Haltungsbedingungen (Belastung mit Mikroorganismen und Bakterien sowie Harnstoff) zu minimieren. Gerade bestimmte Bakterien (z. B. Fusobacterium necrophorum) kann es gelingen in offene Hufstellen einzudringen und das Horn für den eigenen Stoffwechsel zu nutzen. Das kann passieren, wenn Pferde über einen gewissen Zeitraum in Urin (Harnstoff) stehen, denn dieser kann ebenfalls keratinolytisch (Lyse bedeutet Auflösung) wirken und das Hufhorn angreifen.

Mit Blick auf die Unterstützung durch die Pferdefütterung sehen wir drei versuchswerte Ansatzpunkte, die auch kombiniert werden können:

Zunächst sollte eine Vitamin A Überversorgung ausgeschlossen werden. Vitamin A ist fettlöslich und kann als Wachstumshormon für Hautzellen wirken, so dass ggf. die Mitoserate erhöht ist und es zu einer vermehrten Teilung der Zellen kommt. Die erhöhte Zellteilung benötigt ausreichend Nährstoffe, um qualitativ hochwertiges Horn zu bilden. Fehlen diese kann schlechtes Horn und Nährstoffmängel an anderer Stelle die Folge sein. Will man eine Überversorgung von Vitamin A ausschließen, empfehlen wir ein Blutbild zu machen und bei erhöhten Werten, die Pferderation zu überprüfen bzw. überprüfen zu lassen.

Auch eine Unterversorgung an Zink sollte begegnet werden, denn Zink spielt eine zentrale Rolle als Co-Faktor für die Stoffwechselvorgänge der Haut. Auch hier bietet sich ein Blutbild an, um extreme Mangelzustände auszuschließen.

Weiterhin kann man den Hufhornstoffwechsel unterstützen, wenn es darum geht, mögliche Defizite auszugleichen und die Nährstoffe für den (Wieder-)Aufbau des Gewebes zur Verfügung zu stellen. Gerade Biotin, die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein sowie Zink spielen hier eine wesentliche Rolle im Keratinisierungsprozess des Hufhorns.

Unser Magnotin® Spezial beinhaltet Methionin, Cystein, Biotin und Zink, um den besonderen Ansprüchen des Hufhornstoffwechsels Rechnung zu tragen. Es ist somit ein potenzieller Baustein in der Nährstoffversorgung zur Regeneration des Hufhorns bei Hufkrebs und dem Nachwachsen chirurgisch entfernter Hornmaterials. Mehr zum Thema Hornqualität beim Pferd erfahren Sie hier.

Zum anderen sehen wir die Unterstützung des Immunsystem (Immunmodulation) ebenfalls als wichtigen begleitenden Ansatz bei der Behandlung von Hufkrebs an. Das Immunsystem spielt z. B. bei der Wundheilung eine wichtige Rolle, in dem u. a. körpereigene Makrophagen unerwünschte Bakterien abtöten und helfen, gesundes Gewebe aufzubauen. Die im Magnobios® enthaltenen ß-Glukane können dazu beitragen, das lokale Immunsystem durch die Rekrutierung von „Fresszellen“, den Makrophagen, zu aktivieren.

In unserer Beratung und Fütterungspraxis hat sich Magnobios® daher als mögliche Fütterungsergänzung in der Hufkrebs-Therapie erwiesen. Die synergistische Kombination verschiedener Hefestämme moduliert das Immunsystem. Der hohe Gehalt a ß-Glucanen und Mannanen aktiviert nicht nur die direkte, sondern auch die indirekte Immunantwort und stärkt auch die gewünschte Mikroflora, was insbesondere bei Antibiotikagabe eine wesentliche Unterstützung der Immunabwehr darstellt. Magnobios® kann damit einen wertvollen Beitrag zur Wundheilung leisten und unterstützt insbesondere bei systemischer Antibiose das für die Immunabwehr entscheidende Mikrobiom.

Beispielration: Unterstützung bei Hufkrebs

Nachfolgende Rationsergänzungen ist unsere Empfehlung, um die Behandlung von Hufkrebs im Rahmen eines tierärztlichen Therapieplans ergänzend zu begleiten.

  • Rationsergänzung 1: Magnobios® zur Immunmodulation
    • 14 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
      • = 84 g bei 600 kg KGW pro Tag
    • Fütterungsdauer: Mind. 12 Wochen, besser längere Gabe
  • Rationsergänzung 2: Magnotin® Spezial zur Unterstützung des Hufhornstoffwechsels
    • 8-9 g pro 100 kg Körpergewicht
      • = 48-56 g bei 600 kg KGW pro Tag
  • Fütterungsdauer: Mindestens 3 Monate (besser 9-12 Monate); erste Besserungen in vielen Fällen nach ca. 4–6 Wochen

 

Wichtiger Hinweis zur Rationsempfehlung: Ein entsprechendes Mineralfutter muss die Mikronährstoffe, die für den Intermediärstoffwechsel benötigt werden, wie z. B. die Zufuhr an Selen, in angepasster Menge und bedarfsorientiert zur Verfügung, stellen.

Anmerkung: Unsere Beispielrationen bilden allgemeine Empfehlungen ab, ohne an dieser Stelle auf weitere Faktoren wie z. B. das Gewicht, das sportliche Leistungsniveau oder für den jeweiligen Einzelfall weitere wichtige Sachverhalte eingehen zu können. Diese berücksichtigen wir für Sie sehr gerne im Rahmen unserer individuellen Fütterungsberatung. Sprechen Sie uns einfach an und wir entwickeln gemeinsam mit Ihnen eine für Ihr Pferd geeignete Fütterungsstrategie.

 

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