PSSM 2 bei Pferden

Fallbeispiel: PSSM 2
„Hallo... was kann ich meinem Pferd an Zusatz füttern, sie hat pssm2 mit der X Variante. Über eine Nachricht würde ich mich sehr freuen.
LG Nicole G.“
Was ist PSSM?
Wenn Pferde Symptome wie Trainingsintoleranz, Bewegungsunwilligkeit, lokalen Muskelschwund oder generell unzureichenden Muskelaufbau, Dellen in der Muskulatur, Muskelsteifigkeit bzw. -schmerzen u. a. m. zeigen, liegt heute schnell die Vermutung einer PSSM-Erkrankung nah.
Die Abkürzung PSSM steht dabei für Polysaccharid-Speichermyopathie und eine Myopathie ist eine Erkrankung, die mit einer eingeschränkt leistungsfähigen, Muskulatur einhergeht. PSSM ist eine Sammelkategorie für verschiedene, biologisch völlig unterschiedliche Muskelerkrankungen. Der Begriff PSSM wird unterteilt in PSSM 1 und PSSM 2, wobei auch Muscle Integrity Myopathie (MIM) zunehmend in Gebrauch ist, wobei MIM wiederum keine offizielle tiermedizinische Nomenklatur ist.
Unter PSSM 1 versteht man alle Fälle einer tatsächlich nachgewiesenen Polysaccharid-Speichermyopathie bei Pferden, die eine Mutation des GYS1-Gens tragen, die wiederum zu einer hohen Ablagerung von Glykogen (Energiesubstrat für die Muskulatur) in den Muskelzellen führt und dort den Kohlenhydratstoffwechsel beeinflussen kann. Wie die Pferdemuskulatur aufgebaut ist, erfahren Sie hier.
Das häufigste Symptom ist der klassische Kreuzverschlag, der häufig bei Bewegung nach einem Ruhetag auftritt. Weitere klassische Symptome von PSSM1sind starkes Schwitzen, Bewegungsunlust nach 10-20 Minuten Arbeit, bzw. auch Verweigerung von Bewegung, steife, brettharte Muskulatur, evtl. auch Festliegen.
PSSM 2 war bzw. ist demgegenüber keine klar definierte Erkrankung, sondern dient zunächst simpel als Ausschlussbegriff, der lediglich bedeutet: alle Myopathie-Fälle die nicht in einer nachweisbaren GYS1-Mutation begründet sind, aber klinisch PSSM-ähnliche Symptome zeigen, werden als PSSM2 bezeichnet . Dabei handelt es sich nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand um:
- Myofibrilläre Myopathie (MFM; typisch für erkrankte Warmblutpferde): Hierbei handelt es sich um eine Störung im Muskelprotein Desmin, das für die Ausrichtung der Muskelfaserbündel und damit für die Funktionalität der Muskelkontraktion von Bedeutung ist. Im Gegensatz zu PSSM 1 ist nicht das Muskelglykogen, sondern die Proteinbiosynthese des Desmins Ursache für die Erkrankung. MFM ist beim Pferd seltener als andere Muskelerkrankungen, hier fehlen auch die sonst für Muskelerkrankungen typischen Myopathieschübe. Der Nachweis von MFM gelingt über eine Muskelbiopsie.
- Recurrent Exertional Rhabdomyolysis (RER; typisch bei Vollblütern und verwandten Rassen, auch bei Quarterhorses): Diese Form zeigt mitunter schwere Verläufe, vergleichbar mit dem Kreuzverschlag bei PSSM 1. Ursache ist eine Störung der Kalziumionenregulation in der Muskelzelle, die oft stress- oder auch belastungsbedingt auftritt. Eine milde Verlaufsform, das sogenannte „Tying-up“ tritt z. B. oft bei Rennpferden auf. Diese abnormale intrazelluläre Kalziumregulation lässt sich weder durch eine reduzierte Kalziumzufuhr regulieren, noch lässt sich ein Schub durch eine erhöhte Kalziumzufuhr auslösen. Von RER sind hauptsächlich stressempfindliche Pferde betroffen. RER wird fälschlicherweise oft der PX-Variante zugeschrieben.
Unter dem Begriff PSSM 2 werden auch heute noch weitere nicht, bzw. noch nicht vollständig erforschte Muskelstörungen zusammengefasst, sowie funktionale Muskelstörungen, deren Ursache anderen Grundleiden wie z. B. Wirbelblockaden, Magengeschwüren etc. zuzuschreiben sind.
PSSM2 äußert sich häufig durch eine verspannte Hinterhand- und/oder Rückenmuskulatur. Betroffene Pferde sehen häufig schlecht bemuskelt aus und wirken müde. Symptome sind u. a. Muskelzittern, -steifheit, -schmerz, schwache Muskulatur, wechselnde Lahmheiten, Muskeldellen.
Wichtig zu wissen ist, dass einige Muskelerkrankungen sicher diagnostiziert werden können, einige in ihrer Muskelpathologie noch nicht hinreichend verstanden werden. Dabei ist festzuhalten, dass keineswegs jede vermutete (oder im kommerziellen Test ermittelte) Genveränderung zu einem klinischen Bild führen muss. Wichtig zu wissen ist weiterhin, dass funktionalen Muskelstörungen Folge von nicht-muskulären Problemen wie unpassender Ausrüstung, Zahnprobleme, Störungen im Verdauungstrakt usw. sein können. Mehr zu den Hintergründen, den diagnostischen Schwierigkeiten sowie zur Abgrenzung von PSSM 1 und 2 erfahren Sie hier.

Fütterung bei PSSM 1 & 2
Bei PSSM 1 – hier erfolgt die Ablagerung von Zucker in den Muskelzellen – ist eine kohlenhydratarme (das heißt zucker- und stärkereduzierte) Fütterung, mit ausreichend Raufutter, Protein, Fett (z. B. Omega-3-Fettsäuren) sowie Antioxidantien und Mineralstoffen angezeigt.
Bei PSSM 2 – dazu gehören MFM und RER – wird eine raufutterbetonte und proteinreiche Fütterung mit Antioxidantien und Mineralstoffen empfohlen. Das Ausmaß an Kohlenhydraten ist abhängig von den vorhandenen Auswirkungen auf den Zuckerstoffwechsel.
Gehen wir die einzelnen Komponenten nach einander durch.
Raufutter

Die tägliche Raufutterzufuhr sollte generell ein Minimum von 1,7 kg Heu/ 100 kg Körpergewicht nicht unterschreiten, ideal ist aber eine deutlich höhere Heuzufuhr von 2,0 kg Heu/ 100 kg Körpergewicht. PSSM-Pferde sollten den Großteil ihres täglichen Energiebedarfs aus dem Heu decken, das gilt für Pferde mit PSSM 1 wie auch PSSM 2.
Jedoch sollte eine übermäßige Substanzzunahme bis hin zur Verfettung vermieden werden, da eine fettreiche Muskulatur im Krankheitsschub ein zusätzliches Problem darstellt. Für die meisten Pferde eignet sich ein mittlerer 1. Schnitt (Mitte der Blüte, viele Blütenstände im Heu sichtbar), da der Zuckergehalt aufgrund des fortgeschrittenen Wachstums i. d. R. niedriger ist als bei einem frühen 1. Schnitt. Auch kräuterreiche Heusorten sind eher zuckerreich und weniger gut geeignet.
Späte, überständige Heuschnitte sind weniger geeignet, da sie hohe Anteile schwerverdaulicher Fasern enthalten und zugleich die Protein- und Vitalstoffgehalte gering sind. Da bei PSSM 1 der Kohlenhydratstoffwechsel der Muskulatur gestört ist, während bei PSSM 2 Pferden diese Frage oft ungeklärt bleibt, profitieren Pferde beider Krankheitsbilder von einer Begrenzung der Zuckeraufnahme aus dem Raufutter.
Bei Zuckergehalten im Heu von 17 % konnte bei täglicher Aufnahme von 1,5 kg Heu/100 kg Körpergewicht ein Anstieg des Insulinspiegels gemessen werden, der für PSSM Pferde nachteilig sein kann (Borgia et al. 2011). Bei schweren Fällen von PSSM 1 und 2 empfiehlt es sich daher, den Zuckergehalt im Heu analysieren zu lassen und bei Werten >10 % in der Trockensubstanz durch 10–15 minütiges Wässern zu reduzieren (frisches Wasser nehmen!) oder das Heu rund 45 Minuten in einem Heubedampfer mit bis zu 100°C zu bedampfen.
Zu beachten ist beim Wässern die Gefahr der mikrobiellen Überwucherung (Wegbereiter für Kolik, Durchfall), wenn das nasse Heu nicht innerhalb von 4–6 Stunden aufgefressen ist. Leider werden durch Wässern und Bedampfen nicht nur leicht lösliche Kohlenhydrate reduziert, auch Spurenelemente und das dünndarmverdauliche Protein sowie die Aminosäuren im Heu werden um bis zu 54 % reduziert. Dies muss dann durch eine Mineralstoff- und Aminosäurenergänzung wieder ausgeglichen werden.
Die Fütterung von Heu ist bei Einzelhaltung leicht zu managen. Bei Haltung in der Gruppe im Offenstall ist es deutlich schwieriger, dennoch kann sie empfehlenswert sein, da das Pferd im Offenstall aktiv, also in Bewegung, gehalten wird und Heu über den Tag verteilt in kleinen Mengen aufgenommen werden kann.
Für schwere Verläufe (insbesondere Pferde mit PSSM 1) kann aber, wie beschrieben, ein zuckerreduziertes Heu nötig sein. Ist die Fütterung eines zuckerreduzierten Heus im Offenstall nicht möglich, bieten sich eventuell „Diätgruppen“ in Offenställen mit zuckerarmen Heuqualitäten an. Alternativ ist eine individuelle Fütterung (z. B. in Box mit Paddock) mit der passenden Heuqualität das Mittel der Wahl.
Weidegang
Wir alle sehen unsere Pferde gern auf der Weide toben, genießen es, wenn sie ungestört fressen und sich bewegen können. Auch PSSM Pferde profitieren von regelmäßiger Bewegung. Und jetzt kommt leider das ABER: Der Weidegang ist bei Pferden mit PSSM 1 kritisch zu sehen. Warum?
Bei freiem Zugang zu frischem Grün ist die Zuckeraufnahme über das Gras nur schwer abschätzbar. Wenngleich die kontinuierliche Bewegung einen Vorteil für Pferde mit Muskelerkrankungen bietet, so ist doch der Weidegang bei PSSM 1 Pferden nicht ohne Risiko und nur nach längerfristigem Anweiden (z. B. beginnen mit 3 x täglich 15–20 min, nach 1–2 Wochen schrittweise auf 3 x täglich 1 h erhöhen), also auf wenige Stunden pro Tag begrenzt, in Betracht zu ziehen. Eventuell kann mit Hilfe von Fressbremsen die Aufnahme von zuckerreichem Gras begrenzt werden.
Unklar ist die Empfehlung der Grasaufnahme bei Pferden mit RER. Auch hier kann durch langsames Anweiden der Weidegang ermöglicht werden, sofern bei Steigerung der Weidezeit keine Verschlechterung der klinischen Symptome auftritt.
Weidegang ist für PSSM 1 Pferde somit kritisch zu sehen und zu begrenzen, die stetige Bewegungsmöglichkeit kann aber über Freilaufflächen ohne hohe Grasaufnahme gewährleistet werden.
Bei MFM-Pferden und Pferden mit anderen Muskelproblemen spricht nach bisherigem Wissensstand nichts gegen Weidegang, im Gegenteil- oft verbessern sich die Pferde bei Koppelgang, aber eine Garantie gibt es aber auch hier (noch) nicht.
Kontinuierliche Bewegung ist für Pferde mit muskulären Problemen zu empfehlen, daher profitieren viele Pferde mit PSSM 2 von der Bewegung auf der Weide nach langsamer Adaptation, d. h. ein langsames, schrittweises Anweiden wie für PSSM 1 beschrieben, sollte auch bei allen Pferden mit PSSM 2 angewandt werden.
Die langsame Steigerung der Weidezeit ohne Krankheitsschub ist ein geeigneter Hinweis dafür, dass keine Kohlenhydratstoffwechselstörung vorliegt und die Pferde viele Stunden täglich auf die Weide können. Ob der Kohlenhydratstoffwechsel der Tiere mit unter PSSM 2 subsummierten Muskelproblemen tatsächlich gestört ist, kann nur eine Untersuchung einer Muskelgewebeprobe in der Pathologie zeigen. Mehr zum Thema Diagnostik bei PSSM 1 und 2 finden Sie hier.
Für PSSM 2 Pferde gilt: „so viel Koppelgang wie möglich“, wenn der Zuckerstoffwechsel der Muskulatur unauffällig ist (nach schrittweiser Gewöhnung).
Für beide PSSM Typen sollten jedoch grundsätzlich die Stehzeiten in der Box so gering wie möglich gehalten werden, d. h. sofern kein Weidegang möglich ist, sollte den Pferden Zugang zu Auslaufflächen ohne Bewuchs (z. B. große Paddocks, Trail) ermöglicht werden.
Stärke und Zucker
Bei Pferden, die an PSSM 1 oder 2, bzw. an wiederkehrenden Muskelproblemen wie z. B. Kreuzverschlag leiden, sollten stärke- und zuckerhaltige Futtermittel wie z. B. Getreide oder melassierte Ergänzungsfuttermittel aus der Ration genommen werden.
Auch wenn bei Pferden mit PSSM 2 der Kohlenhydratstoffwechsel häufig nicht betroffen ist, profitieren diese Pferde dennoch in vielen Fällen von einer stärkereduzierten Fütterung. Bei Pferden, die regelmäßig belastet werden und höhere Energiemengen für körperliche Arbeit benötigen, können als zusätzliche Energielieferanten z. B. Reiskleie (fettreich), unmelassierte Rübenschnitzel und getreidefreie, nicht mineralisierte Ergänzungsfuttermittel eingesetzt werden. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass MFM-Pferde bei Kohlenhydratreduktion zwar insgesamt zu 80% besser werden, aber ca. 53% der MFM-Pferde nach Kohlenhydratreduktion immer noch Symptome zeigen!

Fette (Omega-3-Fettsäuren)
Als Energielieferant bei sportlicher Belastung können zusätzlich Pflanzenöle gefüttert werden. Die gezielte Zufütterung von Omega-3-Fettsäuren (z. B. 10–30 ml Leinöl pro 100 kg Körpergewicht) ist eine Möglichkeit, die Energiegewinnung aus Fett in der Muskulatur zu erhöhen und damit den Muskelstoffwechsel zu verbessern, da der Körper bei Erhöhung vermehrt Fette zur Energiegewinnung im Muskel verwendet.
Gerade bei PSSM 1 Pferden empfiehlt sich ein Fettanteil von 15-20% der Energieversorgung (DE), bei Pferden mit RER ca. 10-15%. Bei MFM-Pferden scheint eine hohe Fettzulage dagegen kontraproduktiv zu sein, da dies eine potenzielle Quelle für oxidativen Stress sein kann.
Bei Pferden mit hohem Energiebedarf sind Ölmengen bis 50 ml pro 100 kg Körpergewicht sinnvoll. Für höhere Öltagesmengen halten Sie bitte mit uns Rücksprache, wir beraten Sie gern, denn die Gesamtfettmenge in der Ration sollte 1 g Fett je Kilogramm Körpergewicht keinesfalls übersteigen.
Idealerweise wird eine Ölzulage gewählt, die eine Kombination aus Omega-3- (z. B. Leinöl) und Omega-6-Fettsäuren in einem Verhältnis wie in der natürlichen Nahrung (Gras) bietet. Der Zulage von Reiskeimöl (enthält gamma Oryzanol) wird eine muskelaufbauende Wirkung zugesprochen, so dass Reiskeimöl zu empfehlen ist (5 ml pro 100 kg Körpergewicht). Leinöl und Reiskeimöl finden sich gemeinsam mit Vitamin E z. B. als geeignete Kombination in unserem Magnopower Liquid®.
Speziell den essenziellen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA kommt bei Myopathien eine besondere Bedeutung hinsichtlich der potenziellen Entzündungshemmung, Stabilisierung der Muskelzellmembranen, als Antioxidans sowie der Regenerationsförderung geschädigten Muskelgewebes zu.
Die Umwandlungsrate der Omega-3-Fettsäure Linolen (ALA, z. B. aus Leinöl) in die im Körper nutzbaren Fettsäuren EPA und DHA wird beim Pferd immerhin etwas höher vermutet als beim Mensch (Umwandlungsrate Mensch deutlich unter 10%), so dass diese bei gezielt therapeutischem Einsatz zugeführt werden müssen. Eine gute Option ist die Anreicherung über 5-10 ml hochqualitatives Algenöl, das hohe Gehalte an EPA und DHA aufweist, wodurch keine weiteren Umwandlungsschritte im Organismus nötig sind.
Leider sind Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sehr anfällig für Verderb. Verdorbenes Öl kostet den Körper unter anderem Antioxidantien, die dringend für die Muskulatur benötigt werden. Ranzige Öle können zudem Durchfall auslösen. Daher sollten stabilisierte Ölmischungen eingesetzt werden. Wir stabilisieren unser Magnopower Liquid® als auch unser Algenöl daher mit Tocopherolen (Vitamin E).
Protein- bzw. Aminosäuren
Proteinreiche Fütterung heißt nicht, viel hilft viel. Eine übermäßige Proteinzufuhr kann sogar Leber und Niere belasten und in vermehrter Ammoniakbildung und Dickdarmproblemen resultieren. Da in den letzten Jahren vermehrt proteinarmes Raufutter eingefahren wird (proteinarmes Heu), ist eine Proteinüberversorgung, im Gegensatz zu früheren Zeiten, heute aber eher seltener zu erreichen.
Sowohl zum Muskelaufbau als auch bei muskulären Erkrankungen wird eine optimale Zufuhr an Protein bzw. den Kleinstbausteinen der Proteine, den essenziellen Aminosäuren, empfohlen. Hierfür stehen Aminosäuremischungen zur Verfügung, welche die essenziellen Aminosäuren Lysin, Methionin, Cystein und Threonin enthalten sollten.
Eine Fütterung von Aminosäuren erfolgt bei PSSM Patienten idealerweise innerhalb von 45 Minuten nach dem Training (Valberg et al. 2011). Sofern aufgrund des Managements und der Verlaufsform mehrstündiger Weidegang möglich ist, kann eine Zulage von Aminosäuren entfallen, da zumindest junges Gras einen hohen Gehalt an Aminosäuren aufweist. Bei überständigen, spätsommerlichen Aufwüchsen reichen die Aminosäurengehalte allerdings nicht mehr aus. Der Proteingehalt eines proteinreichen (aber zucker- und stärkereduzierten) Krippenfutters (z. B. Müsli) sollte bei >12 % Protein liegen. Sehr gut geeignet sind auch Aminosäurenergänzer, d. h. Ergänzungsfuttermittel für PSSM Pferde, die hochkonzentriert dünndarmverdauliche Aminosäuren enthalten (z. B. unser Magnovital® oder unser Magnomino®).
Als weitere Zusätze werden N-Acetyl-Cystein (NAC) als Vorstufe der Aminosäure Cystein und Coenzym Q10 (CoQ10) angeboten. N-Acetyl-Cystein kennt man aus der Humanmedizin eigentlich als Schleimlöser bei Atemwegserkrankungen (bitte keine Humanpräparate in den Futtertrog geben!), Q10 wird seit Jahren als Bestandteil von Cremes gegen Falten beworben.
Hintergrund der Empfehlung: Die Muskelerkrankungen führen zu einer Minderproduktion bestimmter Substanzen in den „Kraftwerken der Zelle“, den Mitochondrien. Cystein ist genau hier eine wichtige Aminosäure für die Bildung von Antioxidantien (u. a. Glutathion) und Strukturproteinen in der Muskelzelle. Cystein kann vom Körper auch aus der Aminosäure Methionin gebildet werden, weshalb ein geeigneter Aminosäurenergänzer auf jeden Fall Methionin in ausreichender Menge enthalten sollte. Im Idealfall sind aber beide Aminosäuren, also Methionin und Cystein, enthalten. Um die Versorgung mit Cystein bzw. Methionin sicherzustellen, sollte eine Berechnung der ausreichenden Zufuhr von Aminosäuren von einem Tierarzt mit dem Spezialgebiet Ernährungsberatung Pferd erfolgen, damit das auserwählte Produkt auch wirklich Linderung verschaffen kann. Ob eine Zulage von NAC darüber hinaus dann noch einen zusätzlichen Nutzen bringt, scheint fraglich.
Coenzym Q10 wirkt als Antioxidans und dient dem Energiegewinnungsprozess in der Muskelzelle. Daher wird der Zulage ein positiver Effekt zugeschrieben. Aber auch Vitamin E ist ein starkes Antioxidans. In den Rationen für Pferde mit PSSM bzw. muskulären Problemen sollte daher Vitamin E, wie bereits beschrieben, eine zentrale Rolle in der Rationsumstellung einnehmen. Unser Magnomyoforte® enthält viel Vitamin E und neben Methionin zusätzlich auch Cystein, um Ihr Pferd optimal u. a. mit Antioxidantien zu versorgen.
Wasser und Elektrolyte
Pferde verlieren bei körperlicher Belastung, insbesondere an warmen, sonnigen Tagen, bis zu 10 l Schweiß und mehr (enthält Wasser, Natrium, Kalium und Chlorid), so dass die „Austrocknung“ (Dehydratation) nach intensiven Belastungen ein häufiges Problem darstellt. Mit der Austrocknung geht auch eine schlechtere Durchblutung der Muskulatur einher.
Werden ≥ 1,7 kg Heu/100 kg Körpergewicht pro Tag gefüttert, bedarf es in der Regel keiner gezielten Kaliumergänzung, da Kalium ausreichend im Raufutter vorhanden ist. Zum Ausgleich des Verlustes von Natrium und Chlorid ist bei starken Schweißverlusten ein Salzleckstein allein jedoch nicht ausreichend, weil die freiwillige Natriumaufnahme über einen reinen Salzleckstein mengenmäßig nur den Erhaltungsbedarf oder einen Natriummangel nach leichtem Schweißverlust auszugleichen vermag, nicht aber höhere Verluste bei stärkerem Schwitzen nach körperlicher Arbeit oder bei heißen Temperaturen.
Daher sollte ein Elektrolyttrunk (z. B. 30 g unseres Megalyt Sols® auf 10 Liter Wasser) nach starkem Schwitzen zur freien Aufnahme angeboten werden. Auch die uneingeschränkte Wasserverfügbarkeit und Wasserqualität verdient besondere Beachtung.
Kontrollieren Sie daher bitte regelmäßig den Wasserfluss der Selbsttränke, reinigen Sie Tränkebecken von Verschmutzungen und prüfen Sie in der kalten Jahreszeit die Wassertemperatur, denn viele Pferde trinken im Winter bevorzugt leicht angewärmtes Wasser.

Antioxidantien (Vitamin E und Selen)
Pferde unter Erhaltungsbedingungen haben einen Vitamin E Bedarf von rd. 1–2 mg Vitamin E/kg Körpergewicht. Bereits beim gesunden Sportpferd wird vielfach eine bedarfsüberschreitende Vitamin E Versorgung (4–6 mg Vitamin E/kg Körpergewicht) empfohlen. Diese ist auch für Pferde mit PSSM sinnvoll. Viele Besitzer beschreiben eine Verbesserung ab dem Zeitpunkt, wo die Vitamin E Zufuhr deutlich gesteigert wurde.
Auch Selen sollte bedarfsdeckend (aber keine überhöhten Dosierungen) gegeben werden. Ein Mineralfutter, welches mind. 16 mg Selen und mind. 17.000 IE Vitamin E enthält (bei 10 g/100 kg Körpergewicht Zuteilungsmenge pro Tag), ist gut geeignet (z. B. wie in unseren Produkten Magnomyoforte®, Magnolythe®S100, Magnometabol® und Magnostable®).
Über Vitamin-E-Monopräparate können weitere 1.500 (Pony) – 3.000 (Großpferd) mg Vitamin E ergänzt werden (bei Einsatz von Magnomyoforte® und Magnolythe® S100 nicht nötig). Sofern aufgrund des Managements und der Verlaufsform mehrstündiger Weidegang möglich ist, kann die Zulage von Vitamin E Monopräparaten entfallen, da Gras einen hohen Gehalt an Vitamin E aufweist.
Mineralstoffe
Ein geeignetes Mineralfutter sollte neben den bereits erwähnten Mengen an Selen und Vitamin E auch insbesondere die Spurenelemente Kupfer und Zink sicher abdecken und dauerhaft gegeben werden. Für Kupfer und Zink sollten im Mineralfutter Sulfate oder Chelate als Quelle genutzt werden, da sie vom Pferd besser genutzt werden können.
Um das Immunsystem mit Zink bestmöglich unterstützen zu können, sollte das Mineralfutter mind. 8.000 mg Zink (bei einer Fütterungsmenge von 10 g/100 kg KGW) enthalten.
Mangan ist über die Heufütterung abgedeckt, solange Ihr Heu mindestens 30 mg/kg Trockensubstanz enthält. Über den tatsächlichen Gehalt kann nur eine Heuanalyse Aufschluss geben. Mangan, in unreflektiert hohen Mengen gefüttert, erhöht das Risiko einer Blutarmut (Anämie) beim Pferd, vermutlich, weil die Eisen-Absorption beeinträchtigt wird. Mono-Manganpräparate sind daher als fraglich anzusehen, denn ein Vorteil singulärer Mangangaben, auch speziell bei PSSM 2 Pferden, ist nicht belegt. Ein Sicherheitszuschlag bei unbekannter Manganmenge im Heu wird über unser Magnomyoforte® in ausreichender Menge berücksichtigt, so dass bei Verwendung keine weitere Substitution bzw. kein weiteres Präparat nötig ist.
Beim RER ist die Calciumregulation in der Muskelzelle gestört. Diese Calciumregulation lässt sich allerdings nicht über die Fütterung beeinflussen, weswegen eine deutliche Reduktion der Calciumzufuhr keinen Einfluss hat. Calcium wird im Körper generell streng homöostatisch geregelt, d. h. auch der Blutwert kann nicht einfach über die Fütterung verändert werden. Vorsicht: im Calciumdefizit wird Calcium aus den Skelettknochen mobilisiert!
Aus diesem Grund ist der in der Praxis oft beobachtbare Versuch durch einen Verzicht auf Luzerne die Situation zu verbessern, aus wissenschaftlicher Sicht nicht zielführend. Luzerne kann im Gegenteil für PSSM Pferde ein überaus vorteilhaftes Futter sein, da es eine gute Aminosäurenquelle darstellt.
Beispielration bei PSSM 2
Nachfolgende Beispielration empfehlen wir regelmäßig bei mittlerer Arbeit, um die Versorgungslage von Pferden mit PSSM 2 zu optimieren. Beim Heu handelt es sich um eine grundlegende Empfehlung.
Die Empfehlungen hinsichtlich Kraftfutter und Ölzufütterung werden je nach Befund unterschieden.
Allgemeiner Hinweis zur Ölfütterung: Beginnen sie mit der Fütterung 3-4 Wochen vor der Leistungsanforderung. Gehen Sie in die Phase der Anfütterung mit 20 ml pro Mahlzeit und steigern Sie die Menge langsam. Mengen von über 15 ml Öl pro 100 kg Körpergewicht verteilen Sie bitte auf mehrere Mahlzeiten.
Schließlich empfehlen wir Ihnen verschiedene Optionen, um die essenzielle Versorgung mit Mikronährstoffen zu gewährleisten.
- Heu – Empfehlung (alle Fälle): blattreich, 1. Schnitt, hygienisch einwandfrei; ggf. auf Zuckergehalte des Heus achten (Ziel: unter 10%)
- 1,8–2 kg pro 100 kg Körpergewicht
- = ca. 11–12 kg pro Tag bei 600 kg KGW
- Reiner Salzleckstein (kein Mineralleckstein!)
- Bei starken Schweißverlusten im Sommer in Abhängigkeit des Schweißverlustes Megalyt Sol® als Trunk anbieten (30 g auf 10 Liter Wasser), immer frisches Wasser zusätzlich anbieten
- A) RER – Empfehlung (Kraftfutter und Öl):
- Krippenfutter: 0,3-0,5 kg pro 100 kg Körpergewicht
- Dieses sollte Gehalte von ca. 12 % Rohprotein, ca. 8-10% Fett und max. 15 % Stärke/Zucker aufweisen
- = 1,8-3,0 kg Krippenfutter pro Tag für 600 kg KGW
- Öl (z. B. Magnopower Liquid®): 25 – 40 ml pro 100 kg Körpergewicht
- = 150-240 ml Magnopower Liquid® pro Tag bei 600 kg KGW
- Wichtig: Die Menge Öl auf mehrere Mahlzeiten verteilen
- Sofern für die Reduktion des Zuckeranteils im Heu, dieses gewässert oder bedampft wird, ist aufgrund der Proteinverluste die Ergänzung von unserem Magnomino® empfehlenswert
- Krippenfutter: 0,3-0,5 kg pro 100 kg Körpergewicht
- B) MFM – Empfehlung (Kraftfutter und Protein):
- Krippenfutter: 0,3 kg Krippenfutter pro 100 kg Körpergewicht
- Dieses sollte Gehalte von ca. 12-14 % Rohprotein und max. 20-30 % Stärke/Zucker aufweisen
- = 1,8 kg Krippenfutter pro Tag für 600 kg KGW
- Magnomino® als hochwertige Ergänzung an Aminosäuren: 10-15 g pro 100 kg Körpergewicht
- 60-90 g Magnomino® pro Tag bei 600 kg KGW
- Krippenfutter: 0,3 kg Krippenfutter pro 100 kg Körpergewicht
- C) „Unklare PSSM 2 Fälle“ – Empfehlung (Kraftfutter und Öl):
- Krippenfutter: 0,3 kg pro 100kg Körpergewicht
- Dieses sollte Gehalte von > 12% Rohprotein und max. 15 % Stärke/ Zucker aufweisen
- Öl (z. B. Magnopower Liquid®): 10-30 ml Öl pro 100 kg Körpergewicht
- 60-180 ml Magnopower Liquid® pro Tag bei 600 kg KGW
- Wichtig: Die Menge Öl auf mehrere Mahlzeiten verteilen
- Magnomino® als hochwertige Ergänzung an Aminosäuren: 10-15 g pro 100 kg KGW
- 60-90 g Magnomino® pro Tag bei 600 kg KGW
- Krippenfutter: 0,3 kg pro 100kg Körpergewicht
Essenzielle Versorgung mit Mikronährstoffen, insbesondere Mengen- sowie Spurenelemente, Vitamine und Aminosäuren.
- Option A (RER, MFM, unkl. PSSM 2 Fälle): Magnomyoforte® – Mineral-Vitamin-Aminosäuren-Kombination speziell für den Muskelstoffwechsel mit viel Vitamin E und Cystein
- 10-15 g pro 100 kg Körpergewicht
- = 60-90 g pro Tag bei 600 kg KGW
- Alternative zu A: Magnolythe® S100 und Magnomyoforte® in Kombination, um den Muskelstoffwechsel und gleichzeitig Rittigkeit/Losgelassenheit zu adressieren
- 10-15 g pro 100 kg Körpergewicht (Kombinationsmenge)
- = 60-90 g pro Tag bei 600 kg KGW
- Beliebtes Verhältnis aus der Praxis: 50:50
- = 30-45 g Magnolythe®S100 und 30-45 g Magnomyoforte® pro Tag bei 600 kg KGW pro Tag
- Option B (MFM, unkl. PSSM 2 Fälle): Magnolythe®S100 und Magnovital® - Mineral-Vitamin-Biokatalysator und hochwertige Spirulina-Alge mit Aminosäuren
- jeweils 10-15 g pro 100 kg Körpergewicht
- = täglich 60-90 g Magnolythe®S100 und 60-90 g Magnovital® pro Tag bei 600 kg KGW
Anmerkung: Unsere Beispielrationen bilden allgemeine Empfehlungen ab, ohne an dieser Stelle auf weitere Faktoren wie z. B. das Gewicht, das sportliche Leistungsniveau oder für den jeweiligen Einzelfall weitere wichtige Sachverhalte eingehen zu können. Diese berücksichtigen wir für Sie sehr gerne im Rahmen unserer individuellen Fütterungsberatung. Sprechen Sie uns einfach an und wir entwickeln gemeinsam mit Ihnen eine für Ihr Pferd geeignete Fütterungsstrategie.





