Die richtige Fütterung bei Boxenruhe beim Pferd

Pferd in großer Box
Wenn ein Pferd Boxenruhe halten muss, sollte auch die Fütterung angepasst werden. Bildquelle: C. Slawik

Fallbeispiel: Boxenruhe

„Hallo, 

ich brauche wieder Ihren Rat bzw. Ihre Empfehlungen. Leider hat sich die Situation bei uns geändert. Unser Wallach hat sich in der letzten Woche (wahrscheinlich auf der Weide) verletzt und sich eine schwere Bänderverletzung im Knie (Meniskus und evtl. auch die Kreuzbänder) zugezogen.  Ihm steht leider 4 bis 6 Monate Boxenruhe bevor. (…).

Womit kann ich die Heilung unterstützen und sollte ich auch Mineralien füttern? 

Vielen Dank und herzliche Grüße D. S.“

Problem der Boxenruhe

Wie lange darf ein Pferd eigentlich in der Box stehen? Unsere Pferde sind Lauftiere und für eine längerfristige Stehzeit in der Box nicht gemacht. Aber es gibt Situationen, da ist eine Boxenruhe durch den Tierarzt angeordnet, z. B. bei schweren Sehnenschäden oder Knochenbrüchen.

Pferde sind von Natur aus Bewegungstiere. Ihr gesamter Organismus – von Muskulatur über Knochen bis hin zum Stoffwechsel – ist darauf ausgelegt, viele Stunden täglich in langsamer, kontinuierlicher Bewegung zu verbringen. Dennoch gibt es Situationen, in denen eine konsequente Boxenruhe unvermeidbar wird.

Dann stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie lange kann ein Pferd eigentlich ohne Bewegung stehen, ohne gesundheitliche Nachteile zu erleiden?

Die ernüchternde Antwort lautet: Bereits nach wenigen Tagen beginnt der Organismus, sich an die veränderte Situation anzupassen. Muskulatur wird abgebaut, die Knochendichte nimmt ab und der gesamte Stoffwechsel fährt auf ein niedrigeres Niveau herunter, wodurch auch der Energiebedarf des Pferdes sinkt.

Gleichzeitig bleiben jedoch grundlegende Bedürfnisse wie Futteraufnahme, Kauaktivität und Beschäftigung nahezu unverändert. Dadurch entstehen während einer längeren Boxenruhe besondere Anforderungen an Haltung, Management und vor allem an die Fütterung. Die Mikronährstoffzufuhr muss nämlich dem verlangsamten Stoffwechsel Rechnung tragen.

Knochen und Muskulatur

Knochen ist lebendiges Gewebe und unterliegt einem permanenten Auf- und Abbau. Wird der Bewegungsapparat nicht ausreichend belastet, setzt bereits nach wenigen Tagen ein beschleunigter Knochenabbau ein – spätestens nach etwa zwei Wochen Ruhe ist dieser Prozess bereits deutlich messbar. Der Hintergrund ist einfach: Der Körper arbeitet ökonomisch. Was dauerhaft nicht benötigt wird, wird reduziert, um Energie und Ressourcen einzusparen.

Dasselbe Prinzip kennen wir auch von unserer eigenen Muskulatur. Bereits kurze Inaktivität führt zu Muskelabbau, geringerer Stabilität und verminderter Belastbarkeit. Beim Pferd laufen exakt dieselben Prozesse ab, Muskulatur wird abgebaut.

Was also ist nun fütterungsseitig zu beachten bzw. möglich, um die Zeit der Boxenruhe zu bewältigen?

Energiezufuhr anpassen

Während einer längeren Stehphase sollte die Energiezufuhr konsequent reduziert werden, damit überschüssige Energie nicht in unerwünschte Gewichtszunahme oder überschießendes Verhalten („Boxenkoller“) umgesetzt wird. Eine kleine Handvoll (energiearmes) Futter, um zu verhindern, dass ein Pferd aus Futterneid gegen die Boxenwände schlägt, ist in Ordnung.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, den Energiegehalt der Ration zu senken und damit eine Gewichtszunahme zu vermeiden,  ohne das ausgeprägte Kau- und Beschäftigungsbedürfnis des Pferdes zu vernachlässigen.

Heu und –in verträglicher Menge– Stroh bleiben deshalb auch während der Boxenruhe die wichtigsten Futtermittel. Sie sichern lange Fresszeiten, beschäftigen das Pferd und unterstützen gleichzeitig die Darmgesundheit.

Bei leichtfuttrigen Pferden kann es notwendig sein, die Heuration auf etwa 1,5 kg je 100 kg Körpergewicht zu reduzieren, um eine übermäßige Gewichtszunahme zu verhindern, welche verletzte Gliedmaßen zusätzlich belasten würde.

Zur Verlängerung der Fresszeiten empfiehlt sich die Fütterung aus engmaschigen, sicher befestigten Heunetzen oder alternativ ein Heu-Stroh-Gemisch mit etwa 30–maximal 50 % Strohanteil.

Wichtig dabei: Das Heunetz sollte so angebracht sein, dass keine Verletzungsgefahr besteht und gleichzeitig eine möglichst natürliche Kopf-Hals-Haltung erhalten bleibt. Als Orientierung eignet sich eine Position etwa auf Brusthöhe beziehungsweise leicht unterhalb des Buggelenks.

Bewegungsapparat

Längere Immobilität widerspricht der natürlichen Physiologie des Pferdes vollständig. Bereits zwei Wochen konsequente Boxenruhe führen zu messbaren Veränderungen an Knochen und Muskulatur.

Nach mehrwöchiger Ruhigstellung ist deshalb ein langsamer und sorgfältig geplanter Wiederaufbau unerlässlich, um die ursprüngliche Belastbarkeit wiederherzustellen.

Problematisch ist, dass gerade Verletzungen wie schwere Sehnenschäden oder Knochenbrüche oft sehr lange Ruhephasen erfordern. Über Wochen oder sogar Monate fehlen normale Belastungsreize vollständig.

Die Folgen betreffen nahezu den gesamten Bewegungsapparat: Knochen verlieren an Stabilität, Muskulatur baut ab, Gelenkstrukturen werden schlechter versorgt und die Verletzungsanfälligkeit steigt nach Wiederaufnahme des Trainings erheblich.

Eine gezielte Versorgung mit bioaktiven Kollagenpeptiden, Vitamin K1 und Glucosamin kann helfen, den erhöhten Nährstoffbedarf des Bewegungsapparates in dieser Phase bestmöglich zu unterstützen.

Besonders Vitamin K1 verdient hierbei Beachtung: Unter natürlichen Bedingungen nimmt das Pferd es reichlich über frisches Gras auf. In konserviertem Raufutter wie Heu sinkt der Gehalt jedoch deutlich ab. Gerade während längerer Stehphasen sollte deshalb die Versorgung überprüft werden.

Für diesen Zeitraum empfehlen wir Magnokollagen®. Es enthält hochverfügbare, rein enzymatisch gewonnene bioaktive Kollagenpeptide, die dem Organismus gezielt Bausteine für Knochen, Sehnen, Knorpel und Bänder liefern.Im Gegensatz zu nativem Kollagen (Gelatine) bestehen diese Peptide aus sehr kleinen Aminosäureketten mit einer Molekülgröße von lediglich 2 Kilodalton (2 kDa). Dadurch können sie bereits im Dünndarm besonders effizient aufgenommen werden.

Ergänzend enthält Magnokollagen® Glucosamin, einen wichtigen Baustein des Gelenkknorpels und Bestandteil der Gelenkflüssigkeit, sowie Vitamin K1, das eine zentrale Rolle bei Knochenmineralisierung und Erhalt der Knochendichte spielt.

Aminosäurenversorgung

Da während der Boxenruhe die Energiezufuhr reduziert werden muss, sinkt häufig auch automatisch die aufgenommene Heumenge. Mit weniger Heu wird dem Pferd jedoch nicht nur weniger Energie, sondern gleichzeitig auch weniger Rohprotein zugeführt. Die im Heu enthaltenen Proteine werden im Organismus in einzelne Aminosäuren zerlegt und dienen dem Erhalt sämtlicher körpereigener Gewebe – insbesondere Muskulatur, Bindegewebe und Stoffwechselstrukturen.

Sinkt die Proteinaufnahme über längere Zeit ab oder ist zusätzlich das Heu von schlechter Eiweißqualität, beginnt der Körper zunehmend, körpereigene Reserven in Form von Muskulatur abzubauen. Um einem übermäßigen Muskelabbau entgegenzuwirken, sollte daher während der gesamten Phase der Boxenruhe gezielt auf eine ausreichende Versorgung mit essenziellen Aminosäuren geachtet werden. Ein gewisser Verlust an Muskelmasse lässt sich selbst bei optimaler Versorgung nicht vollständig verhindern. Entscheidend ist jedoch, dass Muskelzellen möglichst nur ihren Faserdurchmesser reduzieren, anstatt vollständig abgebaut zu werden. Solche Veränderungen lassen sich im anschließenden Aufbautraining deutlich schneller wieder rückgängig machen.

Zur gezielten Aminosäurenversorgung empfehlen wir Magnomino®.

Das Produkt eignet sich besonders bei reduzierter Fütterung, eiweißarmem oder spät geerntetem Heu sowie bei gewässertem oder bedampftem Heu. Da Magnomino® frei von Soja ist, kann es auch bei Pferden mit Stoffwechselerkrankungen wie EMS, Cushing oder PSSM eingesetzt werden.

6 Fakten zur Pferdefütterung bei Boxenruhe

  • Kraftfutter (Energie) so weit wie möglich reduzieren
  • Bei leichtfuttrigen Pferden: Heumenge reduzieren
  • Bei Pferden, die die Boxenruhe psychisch nicht gut verkraften, lieber etwas mehr Heu zur Beschäftigung füttern. Zusätzlich kann die Aminosäure Tryptophan helfen. Tryptophan wird für die Bildung des Glückshormons Serotonin benötigt.
  • Unterstützung von Knochen, Sehnen, Bändern und Knorpel mit Nährstoffen: Kollagenpeptide, Vitamin K1, Glucosamin
  • Ausreichend Aminosäuren füttern, um einen Muskelabbau zu verhindern
  • Mineralfutter weiter füttern

Beispielration Boxenruhe

Nachfolgende Rationsergänzung empfehlen wir regelmäßig, um die Pferde für den Zeitraum der Boxenruhe zu unterstützen.

  • Heu: blattreich, 1. Schnitt, hygienisch einwandfrei; ggf. auf Zuckergehalte des Heus achten (Ziel: unter 10%)
    • 1,5–2 kg Heu 100 kg Körpergewicht (KGW)
      • = 9–12 kg Heu bei 600 kg KGW
    • Hinweis: je nach Ernährungszustand und Energiebedarf, können bis max. 50 % durch Stroh ersetzt werden, zu beachten ist jedoch eine Verstopfungsgefahr aufgrund der Bewegungseinschränkung
  • Kraftfutter: Reduktion auf ein Minimum, um den Energiegehalt der Ration für die Zeit der Boxenruhe zu senken. Dient primär nur um Futterneid/Unruhe zu den Fütterungszeiten zu minimieren.
  • Mineralfutter: Um die Versorgung von Mengen- und Spurenelementen sowie Vitaminen sicher zu stellen, hier empfehlen wir gerne Magnometabol®
    • Täglich 10 g pro 100 kg Körpergewicht
      • = 60 g pro Tag bei 600 kg KGW
  • Rationsergänzung 1: Magnokollagen®, um einer Abnahme der Knochendichte entgegenzuwirken
    • 15 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
      • = 90 g pro Tag bei 600 kg KGW
    • Tipp: bestenfalls aufgeteilt auf zwei Mahlzeiten täglich, in öligem oder angefeuchtetem Futter
  • Rationsergänzung 2: Magnomino®, zur Sicherung der Proteinversorgung mit Hilfe der Ergänzung von Aminosäuren
    • 5–10 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
    • = 30–60 g pro Tag bei 600 kg KGW
  • Optionale Rationsergänzung 1: Magnoquiet®, um die für einige Pferde als stressig empfundene Zeit der Boxenruhe zu begleiten
    • 5–15 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
    • = 30–90 g pro Tag bei 600 kg KGW
  • Optionale Rationsergänzung 2: Magnoguard®, um die Einschränkungen der Raufuttergabe in Verbindung mit nicht vermeidbaren Fresspausen zu begleiten
    • 25–35 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
    • = 150–210 g pro Tag bei 600 kg KGW

 

Anmerkung: Unsere Beispielrationen bilden allgemeine Empfehlungen ab, ohne an dieser Stelle auf weitere Faktoren wie z. B. das Gewicht, das sportliche Leistungsniveau oder für den jeweiligen Einzelfall weitere wichtige Sachverhalte eingehen zu können. Diese berücksichtigen wir für Sie sehr gerne im Rahmen unserer individuellen Fütterungsberatung. Sprechen Sie uns einfach an und wir entwickeln gemeinsam mit Ihnen eine für Ihr Pferd geeignete Fütterungsstrategie.

Produktempfehlungen zum Thema

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Literaturverzeichnis

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  • Parry D. A., Craig A. S., Barnes G. R. (1980). Fibrillar collagen in connective tissue. Fibrous protein: scientific, industrial and medical aspects. Eds. D. A. Parry and L. K. Creamer, Academic Press, London, S. 77-88.
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  • Zabrzyński, J., Łapaj, Ł., Paczesny, Ł., Zabrzyńska, A., & Grzanka, D. (2018). Tendon – function-related structure, simple healing process and mysterious ageing. Folia morphologica, 77(3), 416-427.
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