Bindegewebe beim Pferd stärken

Fallbeispiel: Schwaches Bindegewebe
„Sehr geehrte Damen und Herren,
Durch Empfehlung meines Osteopathen, wende ich mich an Sie. Es geht um meinen knapp 5 Jahre alten Friesen der Bewegungsstörungen hat und unter einem schwachen Bindegewebe leidet. Aufgrund dessen wurde mir eine Beratung ihrerseits (empfohlen). Ich würde mich über eine Antwort von Ihnen freuen.
Mit freundlichen Grüßen M. R.“
Zellen des Binde- und Stützgewebes
Beide Begriffe werden umgangssprachlich häufig synonym verwendet. Keineswegs zu Unrecht, denn beide Gewebearten gehen aus demselben embryonalen Bindegewebe, dem Mesenchym, hervor. Dennoch wird zwischen (dem relativ harten) Stützgewebe und (dem wesentlich weicheren) Bindegewebe differenziert.
Verschiedene Zelltypen sind dabei für verschiedene Bindegewebstypen relevant:
- Fibroblasten:
- Hauptfunktion: Synthese von Kollagen, bauen kollagene, elastische und retikuläre Fasern sowie Grundsubstanz auf
- Bindegewebstyp: Lockeres, straffes Bindegewebe
- Chondrozyten:
- Hauptfunktion: Aufbau von Knorpelmatrix
- Bindegewebstyp: Knorpel (elastisch, hyalin, Faserknorpel)
- Osteozyten (reife Knochenzellen)
- Osteoblasten:
- Hauptfunktion: Knochenaufbau durch Bildung der Knochengrundsubstanz
- Bindegewebstyp: Knochengewebe (stützendes Bindegewebe)
- Osteoklasten:
- Hauptfunktion: Knochenabbau der Knochengrundsubstanz
- Bindegewebstyp: Knochengewebe (stützendes Bindegewebe)
- Adipozyten:
- Hauptfunktion: Fettspeicherung
- Bindegewebstyp: Fettgewebe (Sonderform des Bindegewebes)
- Makrophagen:
- Hauptfunktion: Abwehr, Phagozytose
- Bindegewebstyp: Immunzellen im Bindegewebe
- Mastzellen:
- Hauptfunktion: Allergische Reaktion, Histaminfreisetzung
- Bindegewebstyp: V. a. lockeres Bindegewebe
- Plasmazellen:
- Hauptfunktion: Antikörperproduktion, Immunabwehr
Stützgewebe
Knochen und Knorpel gehören zum Stützgewebe, wobei der Knochen das härteste Stützgewebe im Körper ist und das Skelett bildet, das sowohl die Last trägt als auch Ansatzstelle für die Muskulatur und Sehnen ist. Die Knochenmatrix besteht dabei aus kollagenen Fasern und mineralisierter Grundsubstanz.
Die Funktionen der Skelettknochen sind:
- Stützfunktion
- Mineralienspeicher (vor allem Kalzium)
- Schutz innerer Organe (z. B. Rippen, Schädelknochen)

Wie jedes Bindegewebe modelliert sich der Knochen laufend um, das heißt es gibt physiologisch normale Aufbau- und Abbauprozesse im Stallalltag. Bereits kurze Phasen der Inaktivität führen beim Pferd zum Abbau von Knochengewebe, erhöhte Belastung umgekehrt zu verstärktem Aufbau.

Darüber hinaus wollen Mikrofrakturen (lokale Überlastung) rasch repariert werden, kurzum: auch wenn der Knochen „statisch“ scheint, er ist es nicht. Ein Umbauzyklus dauert etwa 3-6 Monate. Mehr zum Thema „Starke Knochen“ finden Sie hier.

In Abgrenzung zum Knochen hat der Knorpel eine stoßdämpfende Funktion und bildet glatte Gelenkflächen zwischen Knochen aus. Der Knorpel wird dabei in verschiedene Knorpelarten unterteilt:
- Hyalinem Knorpel, glatt und sehr druckelastisch (Gelenkknorpel)
- Faserknorpel, zugfest und kollagenreich (Bandscheiben, Menisken)
- Elastischem, sehr biegsamen Knorpel (Ohrmuschel)
Eine wichtige Besonderheit ist, dass das Knorpelgewebe nicht an die Blutversorgung angeschlossen ist, so dass die Ver- und Entsorgung des Knorpelgewebes ausschließlich über Diffusion erfolgt (durch die Knorpelmatrix der Knorpelhaut oder der Gelenkflüssigkeit). Diese Diffusion erklärt die sehr lange Regenerationszeit nach einer Verletzung.
Fütterung für das Stützgewebe

Mit Blick auf die Fütterung zur Unterstützung des Stützgewebes ist Kollagen wesentlich, denn Kollagen ist im Körper weitverbreitet. Rund 30% des Körperproteins entfallen allein auf Kollagen.
Kollagen wird im Körper laufend von den Fibroblasten gebildet. Doch mit zunehmendem Alter sinkt die körpereigene Syntheserate, beim Menschen ab ca. 25 Jahren. Damit verbunden ist auch eine sinkende Syntheserate des mengenmäßig größten Proteoglykans im Körper: das Aggrekan. Nicht umsonst spricht man von „altersbedingten“ degenerativen Gelenkserkrankungen, eben weil die körpereigene Kollagen- und Aggrekansynthese im Laufe der Jahre sinkt.
Proteoglykane sind große Moleküle, die aus einem Proteinanteil sowie Zuckerketten bestehen und Wasser binden können, wodurch eine Stoßdämpfung ermöglicht wird. Aggrekan ist mit 75% Anteil an der Gesamtmasse der Proteoglykane ein zentrales Molekül im Bereich des Knorpelgewebes und hat enorme Bedeutung für dessen mechanische Eigenschaften.
Kollagen und Aggrekan hängen zusammen, denn in das faserige Netzwerk aus Kollagenfasern werden Proteoglykane, wie Aggrekan eingelagert und räumlich stabil gehalten.
Aggrekan kann nicht von außen zugeführt werden (weder als Injektion noch oral), sondern der Körper ist auf seine ausreichende Eigensynthese angewiesen. Manche Kollagenpeptide erhöhen die körpereigene Aggrekansynthese, so dass mit Aufnahme dieser Peptide nicht nur passgenaue Bausteine für das Bindegewebe anfluten, sondern zudem auch noch die körpereigene Aggrekansynthese unterstützt wird.
Der hyaline Knorpel (Gelenkknorpel) ist nicht an die Blutversorgung angeschlossen. Um seine enormen physikalischen Eigenschaften (Stoßdämpfung, reibungslose Beweglichkeit) zu erhalten, ist die ausreichende Bildung einer proteoglykan-reichen Gelenkflüssigkeit essenziell. Und physiologisch spielt das mengenmäßig häufigste Proteoglykan Aggrekan eben eine zentrale Rolle. Hier kann mit der Gabe bestimmter Kollagenpeptide wirkungsvoll gegengesteuert werden, entscheidend dafür sind die Art und die Molekulargröße der Peptide.
Die Knochenmatrix besteht aus einem Gitternetz von Kollagenfasern, in dem die Mineralien eingelagert werden und damit die Festigkeit und auch die Flexibilität bestimmen. Wir denken beim Thema Knochen oft nur an Kalzium und Vitamin D3, was der Thematik allerdings keineswegs gerecht wird, denn ohne eine stabile voll ausgebildete organische Knochenmatrix (das Grundgerüst besteht aus Kollagenfasern) kein gesunder Knochen!
Egal ob Knochenzyste, Gleichbeinmalazie oder Knochenödem, in allen Beispielen bedarf es zunächst des Grundgerüstes der Knochenmatrix, in das anschließend die Mineralien eingelagert werden können. Beim Pferd spielt noch die Versorgung mit Vitamin K1 eine ganz entscheidende Rolle bei der Skelettgesundheit, denn Vitamin K1 steuert die fünf wichtigsten Knochenproteine.
Wenn Sie nun das Stützgewebe Ihres Pferdes mit Hilfe der Fütterung unterstützen möchten, empfehlen wir Ihnen unsere Produkte Magnokollagen®, Magnoarthro® oder Magnopodo®.
Magnokollagen® bietet Ihrem Pferd speziell aufbereitete Kollagenpeptide, die mit ihrer Molekulargröße von nur 2 kDa (das heißt diese sind sehr klein) problemlos die Dünndarmschleimhaut passieren, sicher aufgenommen werden und am Zielort wirksam werden können. Um die gewünschte Wirkung auf das gesamte Stützgewebe zu verstärken, findet sich in Magnokollagen® zudem noch Glucosamin und Vitamin K1.
Magnoarthro® dient der gezielten Unterstützung aller veränderten Gelenkstrukturen (Gelenkflüssigkeit, -knorpel, und -stoffwechsel) mit dem Ziel einer andauernden Besserung der Beweglichkeit. Eine Arthrose ist nicht heilbar, aber der Prozess kann fütterungsseitig unterstützt werden, so dass ein beschwerdefreies Leben möglich ist. Mehr zum Thema Management von Pferden mit Arthrose finden Sie hier.
Magnopodo® wiederum ist unsere Empfehlung zur nutritiven Unterstützung bei knochenabbauenden Prozessen. Ob Knochenzysten, Gleichbeinmalazie oder Hufrollensyndrom, der Mineral-Vitamin-Kollagenpeptide-Komplex stellt die Nährstoffe für einen gesunden Knochenaufbau zur Verfügung. Mehr zum Thema Hufrollensyndrom von Pferden finden Sie hier.
Bindegewebe
Unter dem Begriff Bindegewebe wird eine Vielzahl verschiedener Gewebe zusammengefasst, die in allen Bereichen des Körpers vorkommen und nicht nur strukturelle, sondern auch immunologische und stoffwechselbezogene Aufgaben erfüllen. Alle diese verschiedenen Gewebe, die unter dem Oberbegriff Bindegewebe zusammengefasst werden, sind, schon mit bloßem Auge betrachtet, sehr unterschiedlich.
Alle Bindegewebsarten (auch das Stützgewebe Knochen und Knorpel) bestehen aus vergleichsweise wenigen Zellen zwischen denen sich viel Zwischenzellsubstanz befindet. In dieser ist ein dichtes Maschengerüst aus verschiedenen Fasertypen (Kollagen) eingelagert.
Der Raum zwischen den Fasern wird von Proteoglykanen (z. B. Aggrekan, siehe oben) und Glykosaminoglykanen gefüllt. Diese Zwischenzellsubstanz bildet gemeinsam mit den dort ebenfalls befindlichen Zellen für die Immunabwehr (Makrophagen, Mast- und Plasmazellen) insgesamt die extrazelluläre Matrix (EZM).
Die Bindegewebszellen werden je nach Aktivität mit der Endung „-blasten“, „-klasten“, oder „-zyten“ bezeichnet. Zwischenzellsubstanz produzierende bzw. aufbauende Zellen heißen z. B. beim Knorpel Chondroblasten, beim Knochen Osteoblasten, ruhende Knorpelzellen Chondrozyten, knochenabbauende Osteoklasten. Einige von diesen sind es wert näher betrachtet zu werden.
Fibroblasten sind die „Baufirma“ des Bindegewebes. Sie synthetisieren die extrazelluläre Matrix in Form von Kollagenfasern und Elastin (elastische Fasern), sowie Proteoglykanen und Glykosaminoglykanen. Fibroblasten sind ganz wesentlich an Umbauprozessen (Training, Anpassung) und an der Wundheilung beteiligt.

Die „Wächter“ des Bindegewebes sind die Makrophagen. Ursprünglich waren sie Monozyten im Blut, die sich mit der Einwanderung ins Bindegewebe zu sogenannten Makrophagen entwickeln und dort dann Zelltrümmer, Fremdkörper, Mikroorganismen „fressen“, eine Schlüsselrolle bei der Immunantwort einnehmen und Entzündungsreaktionen beeinflussen. Salopp könnte man sie als „Aufräumdienst“ bei Umbau, Anpassung an erhöhte Belastungen und Verletzungen bezeichnen.
Zu den Zellen des Immunsystem gehören weiterhin Mastzellen und Plasmazellen. Mastzellen funktionieren im Bindegewebe als „Alarmanlage“. Sie treten besonders reichlich in der Nähe von Gefäßen und Nerven auf und spielen eine zentrale Rolle bei Entzündungen und bei der Wundheilung. Plasmazellen repräsentieren die „Antikörperfabrik“ der humoralen Immunabwehr, die vor allem in entzündetem oder im chronisch gereizten Bindegewebe benötigt werden.
Neben unterschiedlichen Zellen werden auch verschiedene Bindegewebstypen unterschieden. Dazu gehören:
- Mesenchym (embryonales Bindegewebe)
- Gallertiges Bindegewebe (z. B. Nabelschnur)
- Retikuläres Bindegewebe (z. B. Knochenmark, Lymphknoten)
- Kollagenes Bindegewebe:
- lockeres Bindegewebe (z. B. Gefäß-, Nerven- und Organhüllen)
- straffes Bindegewebe (z. B. Sehnen, Bänder, Faszien)
- elastisches Bindegewebe (z. B. Lunge, Arterienwände, Nackenband)
- Fettgewebe:
- weißes Fettgewebe (Energiespeicher, Isolierung)
- braunes Fettgewebe (Wärmeerzeugung)
Wir beschränken uns hier auf das straffe, kollagene Bindegewebe, denn Sehnen, Bänder und auch die (wahrlich faszinierenden, lange missachtete, bzw. unterschätzten) Faszien sind beim Pferd für uns von besonderem Interesse, denn diese sind funktionelle Sonderformen des Bindegewebes.
Sehnen, Bänder und Faszien

Sehnen verbinden Muskeln mit dem Knochen und übertragen in der Bewegung die Muskelkraft auf die Skelettknochen. Sie repräsentieren ein sehr dichtes, parallelfaseriges kollagenes Bindegewebe. Sehnen sind beim Pferd einer hohen mechanischen Belastung in Form von Zug- und Druckkräften ausgesetzt. Im Gegensatz zum Muskel mit seiner hohen Dehnfähigkeit (bis zu 90% bei einigen Muskeln) ist die Dehnfähigkeit der Sehnen sehr gering mit nur 2-3% elastischer Dehnung, die vollständig reversibel ist, ab ca.4-5% Dehnung können im Kollagengefüge bereits Mikroverletzungen auftreten, bei 8-10% Dehnung treten bereits strukturelle Schäden bis hin zur Ruptur auf.
Sehnen haben eine sehr hohe Zugfestigkeit, eine Achillessehen des Menschen z. B. hält Belastungen in Höhe des 12-15-fachen Ihres Körpergewichtes stand und ähnlich ist es beim Pferd: die Zugfestigkeit beträgt je nach Sehne zwischen 50-100 N/mm2 in Abhängigkeit vom Alter, Trainingszustand, Muskulaturausbildung.
Merksatz: Sehnen sind zwar stark, aber nicht besonders dehnbar – ihre Aufgabe ist auch nicht die Dehnung, sondern die Kraftübertragung!

Sehnen und Bänder sind nur im geringen Umfang an die Blutversorgung angeschlossen (3 bis max. 5%). Sie werden hauptsächlich über Gefäße aus dem Muskel-Sehnen-Übergang und an der Anheftungsstelle am Knochen versorgt, teilweise via Sehnenscheiden.
Die Konsequenzen dieser eingeschränkten Blutversorgung sind, ähnlich wie beim Knorpel, der gar keine Blutversorgung besitzt, folgende:
- Sehr langsame Heilung bei Sehnenverletzungen
- Bildung von funktionell unterlegenem narbigen Reparaturgewebe, das nach und nach wieder durch funktionales Sehnengewebe ersetzt werden muss-
- Therapie und Reha brauchen Geduld und gezielte Anregung der Heilung (kontrolliertes Bewegungstraining)
- Einflussfaktoren auf die Dehnfähigkeit der Sehnen:
- Alter. Die Elastizität nimmt im Alter ab
- Trainingszustand
- Temperatur: aufgewärmte Sehnen an aufgewärmter Muskulatur (erster Stoßdämpfer!) sind elastischer
- Kollagenqualität!
Bänder (Ligamente) sind im Gegensatz zu den Sehnen nicht an der Bewegung beteiligt, sondern verbinden Knochen miteinander (z. B. im Becken), stabilisieren oder verstärken Sehnen, Muskeln und insbesondere auch Gelenke, sind allerdings selbst nicht an der Bewegung beteiligt. Beim Pferd verdienen, aufgrund der Häufigkeit der Verletzungen, die Unterstützungsbänder besondere Aufmerksamkeit. So wird bspw. sowohl die oberflächliche als auch die tiefe Beugesehne von einem Unterstützungsband verstärkt.Ein Unterstützungsband ist:
- eine Bindegewebsstruktur,
- oft ein verstärkter Teil der Faszie oder Gelenkkapsel,
- das mechanisch stabilisierend wirkt – z. B. indem es:
- Sehnen eng am Körper hält,
- Bewegungen führt oder begrenzt,
- Druckverhältnisse steuert (z. B. an den Gliedmaßen).
Faszien sind ebenfalls kollagenfaserige Bindegewebsstrukturen, die den gesamten Körper umhüllen (superfizielle Faszie direkt unter der Haut), aber auch in seiner gesamten Tiefe durchziehen. Sie umhüllen Muskeln und Muskelgruppen, innere Organe, Gefäße und Nerven, sowie Gelenke und Knochen.
Faszien bilden ein dreidimensionales Netzwerk, das Schutz bietet, die mechanischen Kräfte verteilt, Strukturen untereinander gleitfähig (und damit beweglich) macht, man denke zum Beispiel an Muskeln, die übereinander liegen und gleiten müssen, und zudem auch Informationen weiterleiten. Faszien sind ein dynamisches und stoffwechselaktives Netzwerk mit entscheidendem Einfluss auf Bewegung, Kraftübertragung und Schmerzverarbeitung.
Funktionell betrachtet haben Faszien eine strukturelle, mechanische, biologische, sensorische sowie eine emotionale und vegetative Funktion:
Strukturelle Funktion – Formgebung und Stabilität
- Hüll- und Stützstruktur für Muskeln, Organe, Nerven und Gefäße
- Verbinden Einzelteile zu funktionellen Ketten (myofasziale Linien)
- Spannungsverteilung im Körper (Haltung, Aufrichtung)
- Trennung von Geweben und gleichzeitig Verbindung auf höherer Ebene (betrifft das gesamte Bewegungsmuster, Körperhaltung, sogar emotionale Prozesse)
Mechanische Funktion – Kraftübertragung und Bewegung
- Kraftübertragung zwischen Muskeln, Sehnen und Gelenken
- Elastische Rückstellkraft, Speicherung von Bewegungsenergie (Fortbewegung)
- Bewegungskontrolle via Spannung/Entspannung von Faszienzügen
Biologische Funktion – Stoffwechsel und Regeneration
- Faszien regulieren Flüssigkeitsaustausch und Gewebedruck (Lymphe)
- Wichtige Rolle in der Wundheilung (Myofibroblasten, Matrixumbau)
- Speicherfunktion für Glykosaminoglykane (z. B. Hyaluronsäure) für Gleitfähigkeit und Wasserspeicherung
- Faszien sind aktiv an Regeneration, Immunabwehr und Reparatur beteiligt
Sensorische Funktion – Wahrnehmung und Schmerz
- Zentrale Rolle bei der Körperwahrnehmung von Position und Bewegung im Raum (Propriozeption)
- Beteiligung an unspezifischen Schmerzen (z. B. Rückenschmerzen durch Faszienverklebung)
- Reich an Rezeptoren: Mechanorezeptoren, Nozizeptoren (Schmerz), Propriozeptoren. Faszien sind ein „Sinnesorgan für Spannung“.
Emotionale und vegetative Funktion
- Verbindung mit dem vegetativen Nervensystem (Sympathikus, insb. Nervus vagus)
- Faszien reagieren auf Stress, Überlastung, aber auch Emotionen mit strukturellen Veränderungen (Verspannungen, Schutzspannung)
- Faszien werden beeinflusst über Atmung, Körpersprache, Faszien „merken sich“ emotionale Belastungen und speichern Stress!
Faszien sind damit weit mehr als nur „Verpackungsmaterial“. Sie sind funktionell, hochinnerviert und sie können kontraktile Eigenschaften entwickeln. Die Osteopathie betrachtet Faszien seit jeher als eine eigenständige Bewegungseinheit, vergleichbar mit Muskeln und Gelenken. In der Osteopathie haben Faszien eine eigene Rhythmik und Mobilität (craniosakraler Rhythmus), jede Bewegungseinschränkung von Faszien wirkt sich auf das gesamte System aus.
Im Falle von Verletzungen der Faszien, werden sofort Myofibroblasten aktiviert (durch TGF-ß) und es kommt zu einer dauerhaften Spannung im Gewebe. Eine vermehrte, unorganisierte Kollagensynthese kann zu einem Ungleichgewicht der Matrixzusammensetzung, zu Verklebungen und Fasziennarben, -verhärtungen führen, die wiederum Bewegungseinschränkungen und chronische Schmerzen nach sich ziehen können.
Bei Inaktivität wiederum verlieren die Faszien an Elastizität, die Kollagenfasern „verfilzen“, die Faszien werden steif und schmerzempfindlich. Die Hyaluronsäure wird zähflüssiger (ähnlich wie der inaktive Gelenkknorpel der Pferde!), die Gleitfähigkeit zwischen den Faszienschichten verringert sich, die Kollagenstruktur degeneriert, es kommt zu einem erhöhten Verletzungsrisiko.

Nicht nur bei der Wiederaufnahme von Bewegung in den Faszien selbst (mit allen Konsequenzen, wie Umbau der Fibroblasten in Myofibroblasten), sondern auch in weit entfernten Gewebestrukturen, wie Sehnen, Gelenke kann es aufgrund von Fehlhaltung und Überlastung infolge eingeschränkter Funktion der Faszien zu einem erhöhten Verletzungsrisiko kommen.
Faszien sind deshalb keineswegs nur (ein oft übersehener) Teil des Binde-und Stützgewebes, sondern haben einen enormen Einfluss auf die Gesundheit und Funktionsfähigkeit des gesamten Binde- und Stützgewebes!
Fütterung für das Bindegewebe
Wie bereits beim Stützgewebe angesprochen, ist der maßgebliche Baustein des gesamten Bindegewebes Kollagen. Und damit auch die Fütterungskomponente, die wir als Basis zur Unterstützung für das gesamte Bindegewebe fast immer empfehlen, denn der Hauptbestandteil des gesamten Binde- und Stützgewebes ist - mit rund 80% - Kollagen.
Kollagenpeptide (in Abhängigkeit ihrer Größe!) gelangen in die Blutbahn und wirken dort als „Signalpeptide“, die wiederum die Bindegewebszellen (Fibroblasten) zur Produktion neuer Kollagenfasern und Aggrekan in Skelettknochen, Gelenken, Sehnen, Bändern und auch Faszien stimulieren. Aus diesem Grund empfehlen wir auch hier unser Magnokollagen®, um das Bindegewebe in seiner Breite zu unterstützen.

Doch nicht nur Kollagenpeptide, auch Proteoglykane, Glukosamin, Grünlippmuschel, Weihrauch und Curcuma, Vitamin C und K1, die Natur hat noch viel mehr anzubieten, um das (Stütz- und) Bindegewebe unserer Pferde über den Futtertrog überaus effektiv zu unterstützen.
Insbesondere kurz nach verletzungsbedingten Alltags-Schäden im Binde- und Stützgewebe empfiehlt sich die Gabe von Magnoflexal®, um die mikrotraumatisch bedingten Entzündungsvorgänge nicht Überhand nehmen zu lassen. Ziel ist es die Balance zwischen alarmierenden und mäßigenden Reaktionen des Immunsystems im Bindegewebe zu erhalten und die körpereigene Synthese von Entzündungsmediatoren zu drosseln sowie das Bindegewebsimmunsystem zu adressieren.
Auch die Regeneration benötigt einen erhöhten Bedarf an Gewebsbausteinen, um Strukturen wieder aufzubauen. Exakt auf diese Bedürfnisse abgestimmt empfiehlt sich unser Magnobuild Spezial® in der meist langen Ausheilungsphase nach Abschluss der entzündlichen Vorgänge in den ersten Wochen nach erlittenem Trauma. Reich an Proteoglykanen, Glucosamin und Antioxydantien werden (im Idealfall gemeinsam mit Magnokollagen® die Regenerations- und Aufbauphasen, wie auch der Umbau von rasch gebildetem, aber wenig elastischem Narbengewebe (Ersatzgewebe) in wieder tragfähiges, elastisches Bindegewebe begleitet und unterstützt.
Ob rein vorsorglich beim intensiv geforderten Sportler oder beim Rentner, ob bei der Ausheilung nach erlittenen Verletzungen, bei Mehrbelastung aufgrund von Fehlstellungen oder zur Unterstützung bei chronisch degenerativen Veränderungen, mit der passenden Unterstützung kann in der Tat sehr viel erreicht werden, um (wieder) „stark auftreten“ zu können.
Beispielration: Stütz- und Bindegewebe
Nachfolgende Rationsergänzungen sind unsere Empfehlung zur Unterstützung des Binde- und Stützgewebes mit Hilfe der Fütterung.
Basisempfehlung sowohl für das Stütz- als auch Bindegewebe:
- Rationsoption 1: Magnokollagen® zur Stimulierung der Kollagensynthese und körpereigenen Synthese von Proteoglykanen (auch Aggrekan)
- 8-15 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
- = 48-90 g bei 600 kg KGW pro Tag
- Anfütterung: Mit 15 g pro 100 kg KGW (für ca. 6 Wochen) beginnen
- Fütterungsdauer mindestens 3 Monate (langfristige Gabe empfohlen) und im Idealfall aufgeteilt auf zwei Mahlzeiten täglich (Tipp: in angefeuchtetem Futter)
- WICHTIG: Die lange Regenerationszeit des Stütz- und Bindegewebes nach Verletzungen beachten!
- 8-15 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
Produktempfehlungen für den Stützapparat des Pferdes:
- Rationsoption 2: Magnoarthro® zur Unterstützung des Gelenkstoffwechsels
- 5 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
- = 30 g bei 600 kg KGW pro Tag
- Fütterungsdauer: Wir empfehlen eine dauerhafte Gabe
- 5 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
- Rationsoption 3: Magnopodo® bei knochenabbauenden Prozessen, z. B. Lollipops, Knochenzysten oder Gleichbeinmalazien
- 4 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
- = 24 g bei 600kg KGW pro Tag
- Fütterungsdauer mindestens 6 Monate
- 4 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
- Wichtig: Magnopodo® und Magnoarthro® nicht gemeinsam verwenden, da es zu einer unnötigen Überversorgung kommen kann. Bei Fragen zur Kombination unserer Produkte sprechen Sie uns bitte an.
Produktempfehlungen für das Bindegewebe des Pferdes:
- Rationsergänzung 2: Magnoflexal® zur Unterstützung der physiologischen Beruhigung der Gewebsstrukturen
- 5 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
- = 30 g bei 600 kg KGW pro Tag
- Fütterungsdauer: mind. 4-6 Wochen
- 5 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
- Rationsergänzung 3: Magnobuild® Spezial zur langfristigen Unterstützung des Binde- und Stützgewebes
- 6 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
- = 36 g bei 600 kg KGW pro Tag
- In Kombination mit Magnokollagen® kann die Tagesdosis auf 4 g pro 100 kg KGW reduziert werden
- = 24g bei 600 kg KGW pro Tag
- Fütterungsdauer: Aufgrund der besonderen Nährstoffaufnahme (geringe, bzw. keine Blutversorgung) im Binde- und Stützgewebe empfehlen wir eine Gabe von mindestens 3 Monaten, auch wenn sich das Bewegungsbild in vielen Fällen bereits deutlich früher bessert
- 6 g pro 100 kg Körpergewicht (KGW)
Anmerkung: Unsere Beispielrationen bilden allgemeine Empfehlungen ab, ohne an dieser Stelle auf weitere Faktoren wie z. B. das Gewicht, das sportliche Leistungsniveau oder für den jeweiligen Einzelfall weitere wichtige Sachverhalte eingehen zu können. Diese berücksichtigen wir für Sie sehr gerne im Rahmen unserer individuellen Fütterungsberatung. Sprechen Sie uns einfach an und wir entwickeln gemeinsam mit Ihnen eine für Ihr Pferd geeignete Fütterungsstrategie.





