Muskelaufbau bei Pferden

Ausschnitt eines Westernpferdes im Training
Der Körper funktioniert nach dem Motto "use it or loose it": Was er braucht, wird aufgebaut und ws er nicht benötigt, wird abgebaut. Übersetzt heißt das: ohne Training werden auch keine Muskeln aufgebaut. Warum auch? Bildquelle: iStock

Use it or loose it!

Bewegt man ein Pferd täglich etwa 30 Minuten in Trab und Galopp in der Halle, entwickelt es genau die Muskulatur, die für diese Belastung notwendig ist – und nicht mehr. Bleibt das Trainingsniveau konstant, besteht für den Organismus kein Anlass, zusätzliche Muskelmasse aufzubauen. Entsprechend steigt auch der Bedarf an Protein bzw. essenziellen Aminosäuren nicht nennenswert an. In solchen Situationen werden zusätzlich gefütterte „Muskelaufbauprodukte“ häufig schlicht wieder ausgeschieden.

Erhöht sich die Belastung jedoch – beispielsweise durch zusätzlich regelmäßiges Bergauf- und Bergabreiten im Gelände – verändert sich die Situation. Nach einigen Wochen wird eine sichtbare Anpassung der Muskulatur erkennbar. Der Körper reagiert auf den Trainingsreiz mit struktureller Anpassung (Superkompensation). Mehr Muskelmasse bedeutet zwangsläufig auch einen erhöhten Bedarf an Protein bzw. Aminosäuren.

Im Stallalltag können einzelne Aminosäuren durchaus limitierend werden. Der Organismus steht dann, zumindest theoretisch, vor einer Prioritätsentscheidung: Werden die vorhandenen Aminosäuren für lebenswichtige Stoffwechselprozesse und Gewebeerneuerung genutzt – oder für Muskelwachstum?

Die Antwort ist eindeutig: Der Erhalt lebenswichtiger Funktionen hat stets Vorrang vor Muskelaufbau. Das bedeutet, die Bereitstellung der Nährstoffe ist für den Muskelerhalt und den Aufbau der Muskulatur die entscheidende Voraussetzung.

Unter ungünstigen Fütterungsbedingungen – etwa bei spät geschnittenem Heu, knappen Raufutterrationen oder gewässertem bzw. bedampftem Heu – kann es sogar ohne erhöhten Bedarf, wie zum Beispiel bei Training für den Muskelaufbau, zu Mangelversorgungen an Aminosäuren im Stallalltag kommen.

Man merkt das daran, dass sich die Muskulatur einfach nicht aufbauen möchte (trotz Training). Ist die Versorgung über einen längeren Zeitraum defizitär, dann mobilisiert der Körper in solchen Fällen Aminosäuren aus der Muskulatur, um den Stoffwechsel aufrechtzuerhalten. Das Pferd baut in dem Fall Muskulatur ab, ohne dass zunächst eine offensichtliche Ursache erkennbar ist (dem Heu sieht man die Proteingehalte nicht an) und die Fütterung einer Bestandsaufnahme unterzogen wird.

Muskeln benötigen wie gesagt nicht nur Bausteine, sondern auch Nutzung durch Training. So lässt sich bei Pferden mit Boxenruhe beobachten, wie die Muskulatur trotz optimaler Aminosäureversorgung rasch abgebaut wird. Gleichzeitig kann überschüssige Energie in Fett umgewandelt werden, wodurch ein optisch täuschender Eindruck „guter Bemuskelung“ entsteht.

Energie aus der Nahrung wird entweder für Bewegung und Stoffwechsel genutzt oder – bei Überschuss – als Fett gespeichert. Dabei spielt die Energiequelle (Heu, Hafer, Öl oder Müsli) keine Rolle: Im Körper gilt der Energieerhaltungssatz.

Einige Pferde setzen Fett bevorzugt am Mähnenkamm und an der Kruppe an. Dies kann oberflächlich betrachtet wie Muskelzuwachs wirken, ist jedoch Depotfett. Übergewicht allerdings belastet das Herz-Kreislauf-System und Bewegungsapparat und erhöht insbesondere durch hormonell aktives Kammfett das Risiko für Hufrehe (EMS).

Was braucht man also, um wirklich Muskulatur aufzubauen? Das passende Training und die richtige Ernährung!

Training! Aber wie?

Um seine Kraft in Bewegung umsetzen zu können, benötigt der Muskel Sehnen, die in den Knochen verankert sind. Muskelgewebe ist sehr gut durchblutet, dementsprechend reagiert es relativ schnell auf Trainingsreize. Sehnengewebe ist vergleichsweise schlecht durchblutet (nur rund 3 bis 4% der Sehne ist an die Blutversorgung angeschlossen) und braucht somit sehr viel länger (bis zu zwei Jahre) um sich an veränderte Belastung zu adaptieren. Zieht nun der starke Muskel an einer verhältnismäßig schwächeren Sehne, ist das Risiko für Verletzungen groß.

Auf der anderen Seite haben mit Kopf trainierte, gut bemuskelte Pferde ein geringeres Verletzungsrisiko als untrainierte, unzureichend bemuskelte Pferde: Die Muskeln dienen nicht nur der Kraftübertragung, sondern auch als “Stoßdämpfer“ für die Sehnen. Zusätzlich geht mit vermehrtem Training auch eine bessere Koordination einher. Auch der Verschleiß an Knorpel und Knochen ist bei muskulär gut aufgestellten Pferden geringer: Ein Pferd mit schwacher Rückenmuskulatur hat keine andere Wahl, als das Reitergewicht auf seiner Wirbelsäule zu tragen. Ein Pferd mit starken Rücken- und Bauchmuskeln trägt das Gewicht auf dem aufgewölbten Rückenmuskel und schont so seine Wirbelsäule.

Es ist also durchdachtes, systematisches Training gefragt: Für nachhaltigen Muskelaufbau (z. B. bei jungen Pferden) ist bis zu ein Jahr anzusetzen. Dabei ist sowohl der Trainingsreiz als auch die Erholung wichtig. Trainingsreiz bedeutet, einen Muskel durch geeignete Übungen – wie z. B. Klettern am Hang, versammelter Galopp, kleine Sprünge – bis zur Ermüdung zu trainieren. Hierbei geht es jedoch nicht darum, das Pferd stundenlang so lange im Kreis laufen zu lassen, bis es von alleine stehen bleibt, sondern mit möglichst wenig Wiederholungen einer Übung, die viel Kraft braucht, dem Muskel ein Signal zu geben, dass er stärker werden muss. Aus diesem Grund ist der Aquatrainer z. B. ein wirkungsvolles Werkzeug für den Muskelaufbau.

Je besser ein Pferd trainiert ist, desto höher liegt dieser Reiz. Andersherum bedeutet das: Einem muskulär nicht gut aufgestellten Pferd reichen unter Umständen schon einige Trab - Galopp Übergänge, um die Muskeln zu ermüden. Training darüber hinaus kann einem Pferd psychisch und physisch schaden. Zwischen den einzelnen Übungen sollte das Pferd sich deshalb im Schritt erholen dürfen, so werden angestrengte Muskeln besser durchblutet. Wichtig ist auch, dass die Muskeln nicht verkrampfen. Verkrampfte Muskeln werden schlechter durchblutet, so dass es durch die verminderte Versorgung mit Nährstoffen sogar bis zum Muskelabbau kommen kann.

Ein Pferd, das in Aufrichtung eine Piaffe absolviert hat, sollte sich danach dehnen dürfen. Aus der beim Menschen durchgeführten Trainingsforschung wurde für Pferde lange Zeit einfach eine Erholungszeit für Muskeln von 48 Stunden übernommen, denn dies ist die beim Mensch benötigte Zeit, um den Muskel tatsächlich zu verstärken.

Inzwischen legen neuere Daten nahe, dass Pferde, insbesondere Pferde mit einem hohen Anteil weißer Muskulatur, allerdings rund 72 Stunden bis zu sieben Tage benötigen, um ihre Muskeln von einer starken Belastung vollständig zu erholen. In dieser Zeit sollen Sie Ihr Pferd natürlich nicht in der Box eingesperrt lassen, normales Bewegen, Longenarbeit, Ausritte oder auch mal ein freier Tag auf der Koppel sind in dieser Erholungsphase durchaus erlaubt. Nur auf Übungen, die die ermüdeten Muskeln erneut sehr stark belasten würden, sollte in dieser Zeit verzichtet werden.

Muskelaufbau und Fütterung

Ein Wundermittel, das Ihr Pferd ohne vermehrtes Training in einen Bodybuilder verwandelt gibt es nicht. So funktioniert die Natur nicht, so etwas zu versprechen ist schlicht unseriös. Ohne entsprechendes Training werden gefütterte Muskelaufbauprodukte leider ungenutzt (und damit teuer) wieder ausgeschieden.

Allerdings können Nährstoffmängel trotz bestem Training sehr wohl verhindern, dass ein Pferd optimal aufmuskelt, und in diesem Fall kann man mit einigen Maßnahmen tatsächlich den Muskelaufbau wirkungsvoll unterstützen:

Für den Aufbau von Muskeln benötigt der Körper zunächst einmal Energie. Nicht nur bei der Muskelbewegung im Training, sondern auch bei der Synthese der Muskelproteine aus Aminosäuren wird Energie verbraucht. Wird das Pferd mit Energie unterversorgt, muss es für lebensnotwendige Stoffwechselleistungen und Bewegung Energie aus seinen Körperreserven gewinnen. In diesem Fall wird Ihr Pferd sich nicht nur im Training schwertun, es wird auch weniger Muskeln aufbauen, denn für das Überleben sind andere Syntheseleistungen wichtiger.

Besteht der Energiemangel so lange, dass der eigentliche Energiespeicher, das Fettgewebe, bereits erschöpft ist, werden auch Proteine zu Energie verbrannt. Ob Sie Ihr Pferd ausreichend mit Energie versorgen, können Sie in unserem Rationsrechner überprüfen.

Auch ein Vitamin- oder Mineralstoffmangel beeinträchtigt die Muskelbildung. Der Stoffwechsel ist ein sehr komplexes System mit vielen Bestandteilen. Fehlt eines dieser Zahnräder, sind einzelne Syntheseleistungen erschwert oder kommen ganz zum Erliegen. Bei einer Heu-Haferfütterung kommt es – je nach den Gehalten der Futtermittel – häufig zu Engpässen in der Versorgung. Aus diesem Grund sollte aus unserer Sicht ein hochwertiges Mineralfutter (Mengen-, Spurenelemente und Vitamine) stets ergänzend gefüttert werden, um Mangellagen zu vermeiden.

Zum Muskelaufbau wird Eiweiß (Protein) gebraucht. Doch Eiweiß ist nicht gleich Eiweiß. Hier gibt es einiges zu beachten und den einen oder anderen Trick. Zum Beispiel kann man mit dem Zeitpunkt der Eiweißergänzung Einfluss auf den Muskelaufbau nehmen: Mehrere Studien ergaben, dass eine Supplementierung von essenziellen Aminosäuren in optimalem zeitlichem Zusammenhang mit dem Training einen Vorteil für den Muskelaufbau bringt. Deshalb empfehlen wir unser Magnovital® ca. 30 Minuten vor dem Training zu füttern. So stehen in der Zeit des höchsten Bedarfs (etwa 2 bis 4 Stunden nach der Belastung) tatsächlich alle Bausteine für optimalen Muskelaufbau zur Verfügung.

Protein

Proteine (umgangssprachlich Eiweiß) sind Moleküle, die aus vielen kleinen Bausteinen, den Aminosäuren, aufgebaut sind. Diese Aminosäurenketten setzen sich unterschiedlich zusammen und werden räumlich unterschiedlich angeordnet. Damit ist es Proteinen möglich, eine Vielzahl von Funktionen im Körper einzunehmen.

Als Enzyme steuern Eiweißstoffe biochemische Prozesse bei der Verdauung und im Stoffwechsel, viele Proteine haben Transportaufgaben (im Blut z. B. Transport des Sauerstoffs im Hämoglobin oder der Stoffwechselprodukte und Nährstoffe über die Plasmaproteine). Als Hormone sind Proteine Boten im Körper. Als Teil des Immunsystems leisten sie wichtige Arbeit bei der Wiedererkennung von Krankheitserregern.

Jede Körperzelle enthält in ihrer Trockensubstanz rund 50% Proteine. Proteine dienen auch als wichtige Strukturelemente des Körpers, Gerüst- und Schutzeiweißstoffe der Knorpelsubstanz, der Knochen, Sehnen und der Haut und nicht zuletzt als Grundbaustein der Muskeln.

Essentielle Aminosäuren

Erstaunlicherweise liegen dem Eiweiß trotz der unglaublichen Vielzahl an Proteinen im Körper nur wenige Bausteine zugrunde. 21 verschiedene eiweißbildende Aminosäuren sind bisher bekannt. Je weniger Gesamteiweiß in der Nahrung vorhanden ist, desto weniger Aminosäuren sind meist vorhanden.

Manche Aminosäuren können durch Umwandlung im Organismus selbst gebildet werden (die nicht essenziellen Aminosäuren), manche müssen aber unbedingt mit der Nahrung zugeführt werden, da der Organismus sie in keinem Fall selbst bilden kann. Dies sind die essenziellen, d. h. die lebensnotwendigen Aminosäuren. Fehlt nur eine einzige dieser Aminosäuren, kann das gesamte Protein nicht gebaut werden. Für ein Protein ist die am wenigsten vorhandene Aminosäure die limitierende. Lysin ist dabei in der Pferdeernährung häufig die erste limitierende Aminosäure.

Am leichtesten wird dies am Beispiel eines Fasses verständlich: Der geringe Gehalt an Lysin, zum Beispiel im Heu, lässt in diesem Beispiel als limitierende Aminosäure nicht zu, dass das Fass vollständig gefüllt werden kann. Genau wie das Fass nicht ganz gefüllt werden kann, kann der Körper aus den vorhandenen Aminosäuren nicht alle Proteine bauen. Er baut in diesem Fall weniger wichtiges Körpereiweiß ab (in der Regel ist dies Muskulatur), um die inneren Organe und andere lebenswichtige Zellen vor Schaden zu bewahren.

Proteinverdauung

Aus dem aufgenommenen Nahrungseiweiß wird Körpereiweiß gebildet. Die Verdauung beginnt dabei bereits in der Maulhöhle: Durch das Kauen wird die Nahrung so aufgeschlossen, dass Verdauungsenzyme die Proteine erreichen können. Sogenannte Peptidasen, das sind Verdauungsenzyme aus Magen, Pankreas sowie Dünndarmsaft, spalten die Proteine im weiteren Verlauf in ihre Aminosäuren, welche von der Dünndarmschleimhaut (der Dünndarm ist der Ort der Proteinaufnahme) aufgenommen werden.

Proteine, die so aufgenommen werden, bezeichnet man als präcaecal verdauliches Rohprotein. Allerdings gelingt dies nicht mit allen aufgenommenen Proteinen, denn manche sind z. B. in Fasern zu stark gebunden. Auch (zu) große Mengen Proteine auf einmal überschreiten eventuell die Aufnahmekapazität der Dünndarmschleimhaut.

Dann gelangen diese der Dünndarmverdauung entgangenen Proteine in den Dickdarm, wo sie zu flüchtigen Fettsäuren, Ammoniak, Schwefelwasserstoff und biogenen Aminen abgebaut werden. Durch diese Abbauprodukte leidet die Bakterienflora des Dickdarms (so ist Ammoniak ein Zellgift) und auch die Leber wird durch die nun notwendige Entgiftung vermehrt belastet. Wir raten daher zur Vorsicht vor der Fütterung übergroßer Mengen an Eiweiß.

Durch die Dünndarmschleimhaut gelangen die Aminosäuren ins Blut und über das Blut zu ihren Bestimmungsorten im Körper. Überschüssige Aminosäuren werden in der Leber unter Energieverbrauch zu Harnstoff abgebaut und über die Nieren und den Darm ausgeschieden.

Aus diesem Grund soll besonders bei leber- oder nierenkranken Pferden auf die Fütterung von möglichst wenig, aber dafür sehr hochwertigem Protein geachtet werden, eine Empfehlung die wir mit unserer Proteinergänzung Magnomino® umgesetzt haben.

Proteinversorgung

Unter Reitern besteht schon lange die Angst, Pferde mit Proteinen überzuversorgen. Bei einer Überfütterung mit Eiweiß spielt vor allem junges Gras eine Rolle. Wie Sie die Futterumstellung von Heu auf Gras für Ihr Pferd sicher gestalten, lesen Sie hier.  Aber auch schon bevor ernsthafte Verdauungsbeschwerden auftreten, belastet jedes Gramm unnötig gefüttertes Eiweiß den Stoffwechsel.

Tatsächlich wirkt sich zu viel Eiweiß negativ aus: der pH-Wert im Dickdarm steigt an, was die Bakterienflora nachhaltig stören kann. Es kommt zu Blähungen, Kotwasser, Durchfall, Leber und Nieren werden mehr belastet. Außerdem kostet jedes überflüssige Gramm Protein dem Pferd Energie, denn schließlich müssen die überflüssigen Aminosäuren abgebaut und die dabei entstehenden Spaltprodukte ausgeschieden werden.

Aber auch zu wenig Eiweiß stellt den Körper vor Probleme. Der Mangel an einzelnen Aminosäuren wird durch Abbau von Muskulatur ausgeglichen. Dieser Stoffwechselschritt ist allerdings ebenfalls energie- und zudem zeitaufwändig. Wunden heilen langsamer und das Pferd ist anfälliger für Infekte. In Extremfällen macht sich ein Eiweißmangel im Blutbild und durch Ödeme an den Beinen und am Unterbauch bemerkbar.

Es ist also wichtig, nicht zu viel Eiweiß zu füttern, aber genauso wichtig, darauf zu achten, dass alle benötigten essenziellen Aminosäuren ausreichend aufgenommen werden können. Pferde, die sich nicht im Aufbautraining befinden, oder Pferde, die eine Erkrankung haben oder im frühen Stadium trächtig sind, benötigen relativ wenig Eiweiß, um eiweißhaltige Gewebe zu regenerieren und Verluste über Darm, Niere und Haut auszugleichen. Deutlich höher wird der Bedarf allerdings beim Muskelaufbautraining oder im letzten Drittel der Trächtigkeit und im Wachstum. Auch Infekte oder der Fellwechsel verbrauchen mehr Eiweiß. Mehr zum Thema Proteinversorgung lesen Sie hier.

Protein aus Heu

Mit einer inzwischen üblichen Ration von 12 kg (qualitativ hochwertigem) Heu und 1,5 kg Hafer für ein Pferd von 600 kg Körpergewicht ist der Bedarf (1 g im Dünndarm verdauliches Protein je kg Körpergewicht) an Eiweiß auch bei Arbeit bereits mehr als gedeckt. Allerdings genügt es nicht, nur auf den Gesamteiweißgehalt zu schauen: Entscheidend sind die Gehalte der einzelnen Aminosäuren.

Ein hier besonders wichtiger Punkt ist die Heuqualität: Handelt es sich um Heu, das spät (nach der Blüte) geschnitten wurde, wird die Versorgung mit Lysin, Threonin, Methionin, Cystin und Tryptophan bereits ohne erhöhten Bedarf eng. Auch wenn von einem früher geschnittenen Heu nur 8 kg und dafür zusätzlich 4 kg Stroh und 2 kg Hafer gefüttert wird, ist die Versorgung mit Threonin z. B. schon nicht mehr gesichert. Der Körper baut in dem Fall dann Muskulatur ab und an Muskelaufbau ist nicht mehr zu denken.

Ganz eng wird es bei Pferden, die auf Grund von Erkrankungen wie EMS oder Cushing oder wegen Übergewicht mit dem Futter knapp gehalten werden müssen. Wird hier für unser 600 kg Pferd nur 9 kg überständiges Heu verfüttert, fehlen nahezu alle essenziellen Aminosäuren und das bei Pferden, deren Stoffwechsel schon durch die Grunderkrankung stark belastet ist. Hinzu kommt, dass das Hormonungleichgewicht den Muskelaufbau per se schon erschwert und Muskelabbau begünstigt.

In all diesen Fällen ist eine gezielte Versorgung mit hochwertigen, präcaecal verdaulichen Aminosäuren, wie unserem Magnomino®, dringend empfohlen, um erwartbare Defizite auch bei nachvollziehbaren und notwendigen Fütterungsstrategien auszugleichen.

Protein aus Kraftfutter

Sowohl die enthaltene Menge an verdaulichem Eiweiß, als auch die Menge an essenziellen Aminosäuren, z. B. Lysin, unterscheiden sich in den Kraftfutterkomponenten üblicher Rationen. In der untenstehenden Tabelle sind die Gehalte an Eiweiß in Futtermitteln für das Pferd (g/kg Futtermittel) aufgeschlüsselt. Der Anteil der essenziellen Aminosäuren macht in einem durchschnittlichen Heu 40% aus. In Stroh dagegen gerade mal 13%.

Die Eiweißqualität, aufgrund der Gehalte an essenziellen Aminosäuren, ist bei Heu also deutlich höher. Somit müsste zur Deckung des Bedarfs dreimal mehr Stroh gefüttert werden wie Heu (bitte aufgrund des Risikos für Verstopfungskoliken nicht ausprobieren). Dabei würden allerdings zudem viele Aminosäuren mit aufgenommen, die nicht benötigt und wieder ausgeschieden werden müssen. Leber, Niere und Darm werden also unnötig mit dem Abbau und der Ausscheidung von Eiweiß belastet.

Mais enthält im Vergleich zum Hafer geringere Mengen Eiweiß. Leider sind vor allem die essenziellen Aminosäuren Lysin, Methionin und Cystin im Mais unterrepräsentiert. Da Mais und Gerste in der Pferdefütterung häufig mit Hitze behandelt werden, um sie verdaulicher zu machen, ist der angegebene Proteingehalt höher als der dem Pferd tatsächlich zur Verfügung stehende. Der Grund ist, dass Aminosäuren hitzeempfindlich sind. Sie denaturieren (denken Sie nur an Eier, deren Eiweiß unerhitzt völlig anders aussieht als erhitzt) oder gehen eine ungeplante Verbindung mit Kohlenhydraten ein. In dieser Verbindung können die Aminosäuren nicht mehr biologisch genutzt werden.

Trotz hoher Gehalte in einem Futtermittel kann es also dennoch zu Mangelsituationen kommen. Wie stark die Veränderungen der Eiweißstruktur sind, wird letztendlich von der Höhe der Temperatur, der Dauer des Erhitzungsprozesses und der Anwesenheit von Wasser (Dampf) bzw. Säuren oder Laugen bestimmt. Wichtig sind diese Informationen auch für das Wässern und Bedampfen von Heu, ein wichtiges Thema, auf das wir hier näher eingehen.

Fest steht, dass der Mais beim Poppen zwar in Bezug auf seine Stärkeverdaulichkeit auf dieselben Werte wie naturbelassener Hafer verbessert, in seinem Aminosäuren-Angebot aber gleichzeitig verschlechtert wird.

Auch beim Pressen herkömmlicher Pellets wird Hitze und Wasserdampf eingesetzt. Man benötigt daher spezielle Maschinen, um Rohstoffe schonend zu verarbeiten.

Gramm-Gehalte in Futtermitteln je kg ursprüngliche Substanz:

FuttermittelRohprotein     pcvXP        ess. AS        Lysin              
Hafer12685475,7
Gerste10687373,8
Mais8564342,5
Heu9050374,8
Stroh (Weizen)32940,8
Heulage7845253
Sojaextraktionsschrot      45636518028,6
Spirulina610 21426
Leinsamen218165849,2

pcvXP = präcaecal verdauliches Rohprotein; AS = Aminosäuren

Fazit Muskelaufbau

Damit wären wir beim Fazit und wieder bei unserem Lieblings-Thema: Heu. Ein blattreiches, nicht zu spät geschnittenes und dennoch gut strukturiertes Heu ist die Grundlage jeder Pferdefütterung. Über qualitativ hochwertiges Heu ist der Grundbedarf an Eiweiß bereits in vielen Fällen gedeckt. Allerdings können Raufutternachbehandlungen (Wässern und Bedampfen von Heu) sowie eine unzureichende Qualität, gerade im Winter, oder geringer Aufwuchs bei kahlen Weiden auch zu einem unzureichenden Proteinangebot führen, das es auszugleichen gilt.

Um den Muskelaufbau in diesen Fällen gezielt zu unterstützen, zeigen neue Forschungsergebnisse, dass sich die Fütterung bestimmter essenzieller Aminosäuren in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang mit dem Training positiv auswirkt.

Über ein entsprechendes Ergänzungsfuttermittel mit durchdachter Zusammensetzung essenzieller Aminosäuren das die Eiweißqualität ins Zentrum stellt, wie unser Magnovital® (für den gezielten Muskelaufbau) oder Magnomino® (Sicherung der Aminosäurenversorgung), lassen sich Mängel im Grundfutter ausgleichen, ohne gleichzeitig den Organismus mit Eiweiß zu überlasten.

Darüber hinaus ist die ausreichende Versorgung mit Energie von wesentlicher Bedeutung für den Aufbau von Muskulatur. Hier empfehlen wir unser Magnoturbo®, gerade für den Turniereinsatz, oder unser Magnopower Liquid®, um den Energiegehalt der Ration aufzuwerten. Zur Sicherung der Mengen- und Spurenelemente sowie dem Bedarf an Vitaminen, mit Fokus auf den Muskelstoffwechsel, empfehlen wir wiederum unser Magnomyoforte®.

Last but not least: Es braucht Training und Zeit für den Muskelaufbau. Ohne ein regelmäßiges, gezielt aufbauendes und leistungsangepasstes Training in einem zeitlich realistisch passenden Rahmen, hilft Ihnen die Fütterung allein nicht weiter, denn, im Gegensatz zu Muskeln, lassen sich vor allem Fettpolster (leicht) anfüttern. Ist die Trainingsvoraussetzung allerdings vorhanden, dann können Sie mit der Kombination der richtigen Futtermittel und der bedarfsorientierten Versorgung an Nährstoffen, das Beste aus Ihrem Pferd herausholen.

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Literaturverzeichnis: