Haarmineralanalyse beim Pferd

Haarmineralanalyse
Der Gedanke, die Versorgung eines Pferdes mit Mineralien anhand der Haare zu testen, ist zunächst durchaus nachvollziehbar. Es ist anzunehmen, dass andere Stoffwechselvorgänge Vorrang vor der Haarbildung haben und sich daher insbesondere Mangelzustände in den Haaren zeigen. Haare werden kontinuierlich gebildet, wozu unter anderem Spurenelemente benötigt werden. Im Gegensatz zur Blutuntersuchung, die eher den aktuellen Status widerspiegelt, soll die Haaranalyse daher Informationen über die mittelfristige bis längerfristige Mineralstoffversorgung (Wochen bis Monate) liefern. Außerdem sind Haare leicht zu gewinnen und zu lagern.
Bei der Probenentnahme wird Haar in einer vom Labor vorgegebenen Menge an einer bestimmten Stelle entnommen und mit weiteren Informationen, z. B. zur Fütterung und dem Gesundheitsstatus, an das Labor geschickt. Die Probe wird dann im Labor vorbereitet (u. a. Zerkleinerung) und mit Hilfe verschiedener Methoden untersucht.
Auch wenn das Fell offensichtlich Hinweise auf den Gesundheitszustand unserer Pferde liefert, schließlich kann es seinen Glanz verlieren, wenn es dem Pferd nicht gut geht und auch Mängel in der Fütterung zeigen sich am Haar, ist die Aussagekraft einer Haarmineralanalyse leider sehr begrenzt.

Methodische Grenzen

Warum also ist eine Haarmineralanalyse nicht die geeignete Methode und nicht das Mittel der Wahl, um die Versorgung Ihres Pferdes zu kontrollieren?
Damit eine wissenschaftliche Methode verlässlich ist, muss sie wiederholbar sein, das bedeutet, wenn Haare eines Pferdes mehrfach analysiert werden, muss auch jedes Mal das gleiche Ergebnis herauskommen.
Außerdem muss nachgewiesen sein, dass die Messung einen Bezug zur Fragestellung hat, also dass der Gehalt im Haar mit der Versorgung des Pferdes zusammenhängt. Idealerweise gibt es Referenzwerte, die an vielen Pferden ermittelt wurden. Das alles ist für Haaranalysen leider aktuell nicht gegeben.
Untersuchungen an menschlichen Haaren zeigten bspw., dass verschiedene Labore unterschiedliche Ergebnisse mit unterschiedlichen Ernährungsempfehlungen liefern (Seidel et al. 2001). Die Zeitschrift Cavallo (2021) machte den Praxistest für Pferde. Sie stellte bei der Analyse von Pferdehaaren sogar fest, dass die Haare von ein und demselben Pferd in einem Labor unterschiedliche Ergebnisse erzielten.
Mineralien können beim Wachsen des Haares aus dem Körper ins Haar eingelagert werden, aber leider auch von außen, z. B. aus Shampoo. Sie dringen dabei teilweise so tief ins Haar ein, dass sich diese Kontamination der Probe nicht durch die Reinigung im Labor ausgleichen lässt. Es kann daher oftmals nicht sicher ermittelt werden, woher die Mineralien stammen.
Auch das Wachstum der Haare stellt ein Problem dar: Damit die Gehalte im Haar einem Zeitraum zugeordnet werden können, benötigt man eine bestimmte Länge eines kontinuierlich wachsenden Haares, das keinen jahreszeitlichen Schwankungen unterliegen sollte.
Da auch Mähnenhaare bei Pferden je nach Lokalisation unterschiedlich schnell wachsen, kommt für eine Haaranalyse nur der Schweif in Frage. Allerdings wächst auch der Schweif nicht bei allen Pferden gleich schnell. Bei Robustrassen wächst das Haar etwas schneller als bei Vollblütern (Tracey 2002).
Außerdem könnte, wie bei den Hufen, eine verbesserte Versorgung mit schwefelhaltigen Aminosäuren, Biotin und Zink zu einem schnelleren Wachstum führen. Wächst ein Haar schneller, müssen jeden Tag mehr Mineralien eingelagert werden als bei einem langsam wachsenden Haar, damit die Konzentration der Mineralien in beiden Haaren gleich hoch wäre. Somit sind unterschiedlich schnell wachsende Haare schwer vergleichbar.
Einen kleinen Lichtblick in Bezug auf den Zusammenhang zwischen Haarmineralstoffgehalt und Gehalten in der Fütterung gibt es allerdings: Vergiftungen mit Mineralien z. B. mit Selen können durch sehr hohe Anreicherungen im Haar nachgewiesen werden (Coenen 2015).
Fazit
Die Haarmineralanalyse, wie sie heute oftmals angeboten wird, ist leider zur Überprüfung, ob ein Pferd optimal mit Mineralien versorgt ist, aus unserer Sicht nicht geeignet.
Zwar ermöglicht die kontinuierliche Einlagerung von Elementen in die Haarmatrix grundsätzlich eine zeitliche Betrachtung über Wochen bis Monate, jedoch ist der Zusammenhang zwischen Haarmineralgehalt und systemischem Versorgungsstatus nicht für alle Elemente eindeutig validiert.
Zudem können Proben durch zahlreiche Einflussfaktoren beeinträchtigt werden, darunter fallen z. B. externe Kontamination, Unterschiede in Haarpigmentierung und -wachstum, individuelle metabolische Variabilität sowie methodische Unterschiede in der Analytik. Darüber hinaus bestehen bislang keine einheitlich standardisierten, populationsübergreifend validierten Referenzbereiche für Pferde, was die Interpretation zusätzlich erschwert.
Nützlich ist die Haarmineralanalyse allerdings zum Nachweis einer sehr hohen Aufnahme z. B. von Selen oder Schwermetallen, was bei Vergiftungen interessant sein kann.
Insgesamt ist für die Prüfung von der Mineralstoffversorgung nach wie vor die Auswertung von Blutproben und klinischen Befunden das Mittel der Wahl.
Literaturverzeichnis
Cavallo (2021). https://www.cavallo.de/medizin/was-sagt-eine-haaranalyse-aus/ (14.09.2023)
Coenen, M. (2015). Haaranalysen zur Beurteilung der Nährstoffversorgung?. LBH: 8. Leipziger Tierärztekongress – Tagungsband 2
Seidel, S., Kreutzer, R., Smith, D., McNeel, S., & Gilliss, D. (2001). Assessment of commercial laboratories performing hair mineral analysis. JAMA, 285(1), 67–72.
Tracey, S., Dunnett, M., Langridge, K., Redhead, M., Wood, A., Kennedy, M., Lees, P. (2002). Effect of breed and environment on mane and tail growth in a mixed group of horses. In: 41st Congress of the British Equine Veterinary Association, British Equine Veterinary Association.
